Was wäre das Kino ohne schräge Vögel? Gar nichts natürlich, denn die gleichen Leute, die man morgens in der U-Bahn nicht neben sicht sitzen haben möchte und die einen gar im eigenen erweiterten Familienkreis in den kompletten Wahnsinn treiben, machen auf der Leinwand den größten Spaß.

Ein solcher Typ ist natürlich Rowan Atkinso alias Mr. Bean. Der wortkarge Tollpatsch ist ja eigentlich ein TV-Relikt der Neunziger Jahre, dessen erstes Kinoabenteuer auch schon fast zehn Jahre her ist. Nun aber ist er wieder da und macht erst einmal Urlaub in Frankreich, wo das Verspeisen von Austern nicht sein einziges Problem bleibt. Aber immerhin: hier wird nicht gefurzt und nicht gekotzt, sondern geht humortechnisch angenehm altmodisch zu. Richtig zum Totlachen ist „Mr. Bean macht Ferien“ trotzdem nicht, aber immerhin zum Schmunzeln – und bietet damit schon viel mehr als Otto und seine sieben Zwerge.

Weit weniger familienfreundlich sind dagegen die Gestalten in „The Hills Have Eyes 2“. Es handelt sich dabei natürlich um die gleiche Truppe wie im ersten Teil, eine kannibalistische und ausgesprochen blutrünstige Mutantenfamilie in der öden Wüste von New Mexico. Dieses Mal bekommen sie eine Gruppe junger Armee-Rekruten in die Finger, was die Deutung solcher Horrorfilme als Antwort auf Kriegsängste der Amerikaner natürlich allzu deutlich macht. Doch zur soziologischen Interpretation guckt sich ja ohnehin niemand diese Filme an, schließlich will man einfach oberbrutale Slasheraction und fiese Vergewaltigungsszenen sehen – und genau die gibt’s hier. Fans werden also bestens bedient, auch von uns, denn wir halten hier mal wieder ein paar Geschenke für Euch bereit.
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Als Horror kann man wohl getrost auch „The Host“ bezeichnen, der auf sehr unterhaltsame Weise nicht nur sehenswerte Computereffekte bietet, sondern sich auch vor den trashigen Monsterfilmen der Fünfziger Jahre verneigt. Der südkoreanische Hit war in seiner Heimat der erfolgreichste Film aller Zeiten, was zu der Vermutung verleitet, es gäbe dort vermutlich keine größeren Kinostars als die riesige menschenfressende Kaulquappe, die hier ihr Unwesen treibt. Eine Tatsache, die man – genau wie den Film – unbedingt mit Humor nehmen sollte.

Witz und CG-Animationen gehen auch in „Triff die Robinsons“ eine Verbindung ein, der auf den ersten Blick so tut, als sei er ein Pixar-Film, obwohl er doch „nur“ von Disney ist. Im Mittelpunkt steht ein Junge, den es in die Zukunft verschlägt, wo er auf Familie Robinson trifft. Die ist mindestens so skurril und ungewöhnlich wie Mr. Bean und die Wüstenkannibalen zusammen, nur eben weniger blutrünstig oder altbacken. Die zu bestehenden Abenteuer richten sich natürlich an ein eher junges Publikum, wohingegen die deutschen Stimmen wohl die Eltern anlocken sollen. Oder eher abschrecken? Ralf Möller, Eva Padberg oder Thomas Gottschalk sogar in der zugehörigen Fernsehwerbung zu sehen, lockt mich jedenfalls nicht ins Kino.

Aus einer ganz anderen Richtung kommen dagegen die schrägen Vögel in „Die Herbstzeitlosen“. Es handelt sich dabei um eine Clique Seniorinnen, deren Charme nicht zuletzt darin liegt, dass sie aus der Schweiz kommen und entsprechend ein hinreißendes Schwiizerdütsch sprechen (weswegen der Film unbedingt mit Untertiteln gesehen werden sollte!). In ihrem ebenso malerischen wie verschlafenen Heimatdorf erfüllt sich Martha mit 80 endlich einen Jugendtraum und eröffnet eine Boutique für handgemachte Dessous. Die Empörung in der gutbürgerlichen Provinz ist natürlich enorm – und das Vergnügen im Kino übrigens auch.

Über Empörung ist die Geschichte von „Stellas Versuchung“ dagegen schon lange hinaus. Auch hier geht es um eine spießige Gesellschaft (die Fünfziger im ländlichen England), doch Stella steht nicht nur auf Reizwäsche, sondern trägt sie auch, als sie ein Verhältnis mit einem verurteilten Mörder eingeht. Dass der Mann ein Patient von Stellas Psychiater-Gatten ist, verkompliziert die Angelegenheit natürlich gehörig, zumal die reichlich weltfremde Frau ihm schnell hörig wird. Nerviger als das schwer nachvollziehbare Verhalten der Protagonistin ist allerdings die Langeweile, die sich in diesem Berlinalebeitrag von 2005 breit macht.

Womöglich sollten wir uns also doch lieber mit Ängsten und Sehnsüchten beschäftigen, wie sie jeder normale Mensch hat. „Herzen“ vom französischen Altmeister Alain Renais ist einer dieser Ensemblefilme, die einen kurzen, tragikomischen Blick auf den Alltag einer Handvoll vermeintlich gewöhnlicher Personen wirft. Doch es kommt auch bei ihm, wie es diese Woche wohl kommen muss: bei genauem Hinsehen entdeckt man, dass auch diese Protagonisten alles andere als durchschnittlich sind, Alkoholiker mit Militärvergangenheit etwa oder Sekretärinnen mit Hang zu lüsternen Spielchen. Merkwürdige Figuren also, aber eben genau das richtige fürs Kino!

Text: Patrick Heidmann