Aus Vorbildern machen Lavender Diamond keinen Hehl. Die Band aus L.A. findet so ziemlich alles klasse, was in den späten Sechzigern, mithin der goldenen Phase des Folks, eine Gitarre halten konnte. Insofern kein Wunder, dass ihr Debüt “Imagine Our Love” selbigen Geist atmet, wie Sängerin Becky Stark im persönlichen Gespräch betont.

In den Staaten habt ihr mit eurer letztjährigen EP “The Cavalry Of Light” allerlei Aufsehen erregt. Besonders deine eigenwillige Stimme wurde hervorgehoben!

Becky: Die Reaktionen waren wirklich toll. Dass den Leuten meine Stimme so gefällt, hätte ich allerdings nicht erwartet. Du musst wissen, ich bin in Maryland aufgewachsen und habe sehr früh im dortigen Kindertheater gespielt. Hatte aber nur Sprechrollen, weil unsere damalige Leiterin meinte, ich würde zu schräg singen. (überlegt) Erst mit 13 hat mich ein Gesangslehrer ermuntert mehr und mehr daran zu arbeiten. Er sah Talent und Potenzial in mir.

Musikalisch geprägt hat dich das aber weit weniger. Vielmehr war es die Punk-Szene in Washington D.C. mit Bands wie Fugazi oder auch Bikini Kill.

Becky: Das war meine Jugend. Aber in Washington war es damals so, dass die ganzen Snobs den Punk schnell für sich vereinnahmten. Da war ich natürlich eingeschüchtert als klassisches Landmädchen – es gab kein Zugehörigkeitsgefühl mehr für mich. Deswegen entschied ich nach kurzer Zeit, älteren Sachen meine Aufmerksamkeit zu schenken: den Beatles, Leonard Cohen oder auch Neil Young. Da gab es nicht dieses Klassenbewusstsein, sondern einfach nur die Musik.

Ein Aspekt, den eurer Debüt “Imagine Our Love” verfolgt: Friede, Freude und Liebe. Keine Angst, als Hippies abgestempelt zu werden?

Becky: (lacht) Ich habe manchmal schon Bedenken davor, dass es sich die Leute zu einfach mit unserer Musik machen! Wir sind weit mehr als dieses Blumenkinderding. (lange Pause) Andererseits muss natürlich auch sehen, dass ich in L.A. wohne und dies gar nicht weit entfernt von Hollywood. Da ist es für mich natürlich auch ein Anliegen, etwas sehr Authentisches auf Platte zu fabrizieren.

Demzufolge beeinflusst also auch die Filmindustrie Lavender Diamonds Musik?
Becky: Ganz und gar nicht! Es ist aber eben so, dass wir in unserer Musik und Text sehr darauf achten, dass alles leidenschaftlich eingespielt ist. Es soll einfach nichts künstlich und plastisch wirken. (überlegt) Auch das Booklet von “Imagine Our Love” haben wir selber gestaltet: Zu jedem Song gibt es ein Comic, damit der Hörer auch unsere bzw. meine Intension versteht. Hollywood dient da höchstens als eine Art Kontrastprogramm, mehr nicht.

In einem dieser Comics geht es um den Weltfrieden. Er ist übertitelt mit den Worten “Peace becomes Popular” – ist dies auch das Anliegen euer Musik?
Becky: Es sollte von jedem Menschen das Anliegen sein. Jeder hat schließlich die Möglichkeit einen Beitrag dazuzuleisten, dass es nicht nur eine waghalsige Illusion bleibt. Schon die Bands der Sechziger zeigten: Es geht nicht gegen-, nur miteinander!

Text + Interview: Marcus Willfroth