‘In Love And Death’ legt ja nicht nur titeltechnisch die Meßlatte sehr hoch. Auch sonst geht es um voll ausgelebte und herausgeschriene Emotionen. Ob die kürzlich von Utah nach Los Angeles umgesiedelte Erfinderband des Emo und Screamo die Erwartungen wird erfüllen können, das verrät Bassist Jeph Howard im Gespräch.

Hallo Jeph, versuch doch mal zum Warmwerden das neue Album in nur einem Wort zu charakterisieren!
U (nach kurzem Überlegen): Es ist ehrlich, Ehrlichkeit!

Das behauptet bestimmt jede zweite Band da draußen von sich, Ehrlichkeit ist doch mal eine Voraussetzung für solch emotionsgeladene Musik, oder?
U: Mag sein. Wir waren insofern ehrlich, als dass wir einen starken Pop-Einschlag in unserer Musik zugelassen haben. Und anstatt auf all die bestehenden Erwartungshaltungen einzugehen, haben wir unsere Köpfe zusammengesteckt, nur auf uns allein gehört und die musikalische Entwicklung der letzten zwei Jahre wirken lassen. Es mag nun also Leute geben, die das Ergebnis nicht mögen, doch wir sind verdammt happy! Nach dem anfänglichen In-die-Schranken-schreien kann nun richtig musiziert werden. Alles ist natürlich gewachsen, von den ersten kleinen Konzerten in kleinen, leeren Bars in Utah bis hin zu den ausverkauften Headlinershows vor 10.000 Leuten.

Auf der einen Seite haben sich poppige Melodien in den Songs durchgesetzt, Ihr klingt dank Produzent John Feldman (Goldfinger) noch polierter. Andererseits geht es textlich wie musikalisch oft abgrundtief in ein chaotisches Seelenleben.
U: Ja, das ist alles so gewachsen, es war nicht koordiniert. Ich bin selber erstaunt, wie gut Schmerz, Wut, Angst und Verzweiflung musikalisch miteinander harmonieren können! Ich finde, es fast schon visionär! Und ob Du es glaubst oder nicht: neben all den anderen momentan angesagten Emo- und Screamo-Bands haben wir bei den Aufnahmen vor allem die Beatles gehört! Ich finde Musik, egal von wem, ist immer eine wahnsinnig große Inspiration…

Diesmal hat ja auch Euer Sänger Bert McCracken die Finger von prominenten jungen Damen gelassen, nachdem seine Liason mit Ozzy Osbournes Tochter Kelly und der Einzug ins ‘The Osbournes’-Haus ja einen enormen Schub für das Vorgängeralbum brachte.
U: Das war damals wirklich kein Image-Gewinn. Uns sind deshalb eine Menge Fans verärgert abgehauen.

‘In Love And Death’ klingt verdammt episch…
U: Ja, das wahre Leben und der Entstehungsprozess haben beide sehr viel mit Liebe und Tod zu tun. Beides kann enorme Ausmaße annehmen. Wenn man z.B. einen guten Song fertigstellt, ist es wie die Geburt eines Kindes…

Text: Steven Gläser