Natürlich gibt es auch Momente, in denen man im Kino nach dem echten Leben sucht, sich über kleine, authentische Geschichten freut und für Laiendarsteller oder gar Dokumentarfilme begeistert. Aber spätestens wenn das echte Leben neben einem zu laut mit dem Popcorn raschelt oder gar seine Schuhe auszieht, freut man sich doch, dass wenigstens AUF der Leinwand keine echten Menschen zu sehen sind, sondern überlebensgroße, zeitlose Wesen – im besten Fall Legenden.

In „Control“ steht tatsächlich eine solche im Mittelpunkt der Geschichte, zumindest dürften das alle Musikfans so sehen. Schließlich war Ian Curtis, dessen kurzes Leben im Zentrum des Films steht, nicht nur Sänger der New Order-Vorgänger Joy Division, sondern eine echte Ikone der Post-Punk-Ära um 1980. Hinter der Kamera des eleganten Schwarzweißfilms war übrigens ebenfalls eine Legende zu finden. Denn „Control“ ist zwar Anton Corbijn erster Spielfilm, aber als Fotograf von Bands wie U2, Depeche Mode und dutzenden anderen hat er wie kaum ein anderer die Ästhetik der Neunziger Jahre geprägt.

Von so viel Ruhm ist der Macher von „Berlin am Meer“ noch weit entfernt, denn Wolfgang Eißler hat tatsächlich „nur“ seinen Debütfilm gedreht. Für seine Liebes- und Cliquengeschichte hat er sympathische Schauspieler am Start, nicht zuletzt Robert Stadlober, der wie kaum jemand dem Leiden junger Männer zu subtiler Tragik verhilft. Ein Problem hat der Film trotzdem: denn das hier reproduzierte Berlinbild (junge Menschen hüpfen über die Dächer des Prenzlauer Bergs, im Hintergrund funkelt der Fernsehturm und dazu laufen 2raumwohnung und Mia.) ist durch zahllose Werbespots und TV-Produktionen so abgenudelt, dass man kaum mehr hinsehen mag. Aber was soll man machen? Berlin ist eben eine Legende für sich, der man im Kino nicht immer gerecht werden kann. Verlosung: Wir haben für Euch drei Fanpakete zusammengeschnürt mit jeweils einem schicken Shirt und 2 Kinotickets obendrauf. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, bitte hier entlang.

Doch selbst Schauspieler haben damit mitunter ihre Probleme. In „Spuren eines Lebens“ ist gleich eine ganze Reihe hochkarätiger weiblicher Hollywoodgrößen mit von der Partie. Neben Toni Collette, Claire Danes, Natasha Richardson, Glenn Close und Eileen Atkins sind mit Vanessa Redgrave und Meryl Streep sogar zwei Damen dabei, die man wohl guten Gewissens als lebende Legenden bezeichnen kann. Doch selbst sie kommen nicht gegen die belanglose Gefühligkeit dieser Generationen umfassenden Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichte an.

Bei „Die zweigeteilte Frau“ saß die Legende dagegen auf dem Regiestuhl. Vielleicht könnte man den Herren allerdings auch als „Altmeister“ bezeichnen, denn so untrennbar der Name Claude Chabrol mit dem französischen Kino verbunden ist, so routiniert und austauschbar waren viele seiner Filme in den letzten Jahren. Mit dieser tragikomischen Menage à trois ist er allerdings so originell und überzeugend wie lange nicht mehr, was auch an sehenswerten Schauspielern wie Benoît Magimel und Ludivine Sagnier liegt.

Und dann ist da natürlich noch „I Am Legend“, der vielleicht selbstbewussteste (und eigentlich an ein Sportdrama erinnernde) Filmtitel der Saison. Der Titel bezieht sich natürlich auf die Hauptfigur dieses Endzeit-Horrorfilms, den letzten Menschen in New York, der sich gegen allerlei blutrünstige Zombiemutanten erwehren muss. Vielleicht ist aber doch auch Hauptdarsteller Will Smith gemeint. Denn ob man es glauben mag oder nicht: der ehemalige Fresh Prince ist momentan der größte Star, den Hollywood zu bieten hat, und mit „I Am Legend“ bereits seinen zehnten Film gedreht, der allein in den USA über 100 Millionen Dollar eingespielt hat. Fürs Filmgeschäft ist das schon ganz schön legendär!

Text: Patrick Heidmann