Mit ‘Popular’ begann alles. Über Nacht katapultierte sich das New Yorker Trio mit diesem Lied an die Hitspitze der Charts und beglückte die Herzen der College-Rock-Jünger. Und danach kam der Fall. Als One Hit Wonder wurden sie abgestempelt. Das Nachfolgealbum ‘The Proximity Effect’ wurde erst gar nicht mehr in den USA veröffentlicht und Nada Surf verzettelten sich in einem Rechtsstreit mit ihrer Plattenfirma. Von manch anderer Band hätte man nach solch einem Werdegang nichts mehr gehört. Aber Nada Surf beißen nicht so schnell ins Gras. Sie veröffentlichen dieser Tage lieber ihr viertes reguläres Album namens ‘The Weight Is A Gift’. Und wen es interessiert: Sie sind populärer denn je.

Glücklich haben sie uns gemacht mit ihrer Nachricht, dass sie ein neues Album rausbringen werden. Rund vier Jahre sind seit ‘The Proximity Effect’ vergangen. Gespannt war man. Werden sie immer noch den gleichen Biss haben wie früher? Oder sich ihrem Alter entsprechend entspannt geben und diese gewisse Laid-Back-Attitüde innehaben? Doch Nada Surf schafften es mit dem ‘Proximity Effect’-Nachfolger ‘Let Go’ ein kleines Meisterwerk auf die Leute loszulassen. Ehrlich gesagt brauchte ‘Let Go’ etwas, nicht sofort sprang der Funken über. Aber je öfter man sich dem Album widmete, desto näher kam man seiner Seele und heute ist man froh, sich beim Hören zu fühlen, als hätte man einen guten Freund getroffen, jemand, den man nicht mehr missen möchte. Eben jenen kleinen Meilenstein, der es faustdick hinter den Ohren hat und immer wieder überraschen kann. Mit seinem Gefühlsballast und mit seinen wunderbaren Melodien.

Vom minimal arrangierten ‘Blizzard Of 77’ bis hin zur großen Ode an Dylans ‘Blonde On Blonde’ fand alles seinen rechten Platz. Nun ist es an der Zeit, dass der Nachfolger ‘The Weight Is A Gift’ in jene Fußstapfen tritt und uns erneut überwältigt. Aber irgendwie funktioniert es nicht. Die Stimme von Matthew Caws ist immer noch unsagbar schön, aber irgendwie verliert sich das Album im Nirwana. Der Wiedererkennungswert ist nicht allzu hoch, und die im Midtempo gehalten Songs rauschen an einem vorbei wie die Landschaft, wenn man sie aus einem fahrenden Zug betrachtet. Aber halt. ‘Let Go’ hat auch nicht gleich funktioniert.

Und an der Herangehensweise hat sich eh nichts geändert, weiß Daniel Lorca zu berichten: “Wir spielen immer mit den gleichen Elementen. Auf der einen Seite hast du die schnellen Parts, die dir in den Arsch treten. Und darauf folgt zumeist eine langsame Sektion, die dich eventuell zum Nachdenken anregt. Das ist die Basis von Nada Surf. Die Sachen kommen ganz natürlich aus uns herausgesprudelt.” Bleibt zu hoffen, dass ‘The Weight Is A Gift’ auch irgendwann so natürlich und kraftvoll um die Ecke kommt wie ‘Let Go’. Bis jetzt hat sich dieses Stadium leider noch nicht eingestellt. Ob es an der neuen textlichen Herangehensweise liegt, bleibt unbeantwortet. Fest steht nur, dass Matthew Caws sich diesmal einen Schutzmantel zugelegt hat.

“Diesmal liegen die Sachen nicht so definitiv auf der Hand. Ich habe die Lyrics nicht geradeaus geschrieben. Diesmal hat der Hörer einen weitaus größeren Interpretationsspielraum. Was die Sache für mich einfacher gestaltet. Ich bin nicht mehr so angreifbar. Nicht jeder weiß jetzt mehr, wie es in meinem Innersten ausschaut. Diesmal arbeite ich eher mit Bildern, mit Metaphern. Wir hätten auch ein Album unter einem anderen Namen veröffentlichen können. Man versucht halt, sich selber zu schützen.” Was verständlich ist nach all den Up und Downs in seinem musikalischen Leben. Und auch privat gleicht sein Leben wohl einer Achterbahn. Geben wir ‘The Weight Is A Gift’ also einfach noch ein bisschen Zeit und warten, ob uns das gleiche Gefühl erschleicht, sobald das Album die nötige Zeit zum Reifen hatte.

Text: Tanja Hellmig