Es wäre ein Leichtes, das zweite Studioalbum des australischen Trios Love Of Diagrams als monotone Aneinanderreihung lärmender Post-Punk und New-Wave Reminiszenzen abzutun. Auf “Mosaic” kollidieren schroffe, statische Punk-Basslines mit scheppernden Drums und dissonant fiependen Gitarren. Auch die Produktion von Bob Weston (Shellac) erweitert das Klangbild nicht, sondern unterstreicht noch den schmucklos spröden Charakter dieses Albums. Doch gleich der erste Song auf “Mosaic” verrät, woher der teils fast bedrückende Zwang zur Vereinfachung und die Sprunghaftigkeit, mit der “Mosaic” aufwartet, kommen. “It’s just form and function” singen Bassistin Antonia Sellbach und ihr Lebenspartner Luke Horton am Bass da. Das macht Sinn. “Das Album erkundet Themen wie Klaustrophobie und Angst. Was ich besonders daran mag ist, dass die Texte nie zu eindeutig werden und so viel Raum für individuelle Interpretationen bleibt”,erklärt Sellbach. Nun ja, der Raum, den die Lyrics für Interpretationen lassen, wird durch die beklemmende Atmosphäre mehr als aufgefüllt. Die 13 Tracks machen es jedenfalls verdammt schwer, an, sagen wir mal, Glück und grenzenlose Freiheit zu denken. Die musikalische Form folgt der emotionalen Funktion. Wer sich nun fragt, warum ein so karges Werk den Namen ‘Mosaic’ trägt, bekommt eine ebenfalls einleuchtende Antwort: “Es fiel uns extrem schwer, die Reihenfolge der Songs festzulegen. Die letztendliche Zusammenstellung erschien uns dann wie ein Mosaik aus lauter unterschiedlichen musikalischen Versatzstücken.” Alles hat System bei Love Of Diagrams. Und auch das erklärt sich noch. “Wir haben einen akademischen Background. Wahrscheinlich sind wir eine typische Art-School-Band.”

Text: Michael Schneider