Schlingel sind sie, die Herren von M.A.N.D.Y. Was zunächst nach Marzahner Wasserstoffblondine ausschaut, wird schnell zur First Class Disko-Formation zu der der Gast in gediegenem Ambiente tanzt, das Château Petrus Glas hebt und über Belangloses schwadroniert. Dekadenz mal unendlich. Platz für billigen Ibiza Schranz gibt es da keinen.

Verantwortlich für den Überschwang sind Patrick Bodmer und Phillip Jung, zwei alte Veteranen der Technoszene. Zusammen mit Langzeitpartner Booka Shade (Walter Merziger, Arno Kammermeyer und Peter Hayo) releasen sie seit 1992 auf unterschiedlichen namhaften Labels Platten. Ihr bisher ambitioniertestes Projekt hört auf den zuckersüßen Namen M.A.N.D.Y.

Begonnen hat die gemeinsame Musikmacherei 1992 mit dem Projekt Degeneration. Zusammen mit den Jungs von Booka Shade verschrieben sich Bodmer und Jung minimalistischen Elektrotracks. Beheimat waren sie auf dem belgischen Traditionslabel R+S, bereits ein Jahr später auf Sven Väths eben gegründetem Imprint Harthouse.

Nach vier Maxi-Platten war vorerst Schluss mit der gemeinsamen Werkelei. Booka Shade tanzten auf dem holländischen Label Touché auf Solopfaden, Bodmer und Jung arbeiteten unter dem Pseudonym Oakland Stroke auf Imprint Harthouse. 1999 gab es ein kurzes Zwischenspiel auf dem amerikanischen Label Tommy Boy.

2001 sind sie wieder zurück. Mit Booka Shade und Groove Magazin-Gründer Thomas Koch stampft man das Berliner Electro-House-Label Get Physical aus den Boden. Musikalisches Zugpferd wird das von Bodmer und Jung gegründete Projekt M.A.N.D.Y. Mit einer Reihe von gelungenen Dance-Releases wie „Put Put Put“ oder „Sunsetpeople“ macht sich das Duo in der Szene schnell einen Namen, so dass am Ende zahlreiche Musikgrößen an der Tür. Neben Soma-Act Silicone Soul, Röyksopp wollen auch Hakan Lidbo und die Sugababes von M.A.N.D.Y. auf Clubtauglichkeit gebürstet werden.

Im Sommer 2004 feiert das Label zweijähriges Bestehen. Aus diesem Grund veröffentlichen M.A.N.D.Y. eine formidable Mixplatte, die die mehr als ein Dutzend Releases umfassende Geschichte ihres Imprints Revue passieren lässt. Elektro, Minimal gehen Hand in Hand mit Disco und House. Tanzbar schön.

Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens wird 2005 weiter geschrieben. Zusammen mit der Booka Shade Posse wurde mit der Maxi „Body Language“ ein weltweiter Club Hit aufgenommen. Im selben Jahr fällt mit „Body Language Vol. 1“ der Startschuss für eine neue Compilation-Reihe ihres Labels. Fortan erhält das Duo Bookings aus der gesamten Welt.

Im Herbst 2006 erscheint der Nachfolger „At The Controls“, 2007 die Platte „12 Great Remixes For 11 Great Artists“. Wie der Name schon verrät, sind es 12 ausgewählte Remixes aus den Jahren 2001 bis 2007, die von Bodmer und Jung ein neues, glitzerndes Gewand verpasst bekommen. Eine erlesene Auswahl von Röksopp über Sugababes bis hinzu Roxy Music.

Hans Erdmann