„Ich habe noch nie darüber nachgedacht, ob man zu meinen Songs pfeifen kann oder nicht. Dafür bräuchte es wahrscheinlich noch eingängigere Melodien. Es sind ja schon Popsongs, die mein Album beherrschen, aber ich versuche trotzdem immer, meine Musik so experimentierfreudig und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.“ James Chapman, der Kopf hinter Maps, lacht charmant in den Telefonhörer. Ob es nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, dass ein britischer Journalist seine Musik als „nothing to whistle to“ beschreibt, können wir nach dieser Antwort auch nicht klären. Was allerdings wichtig ist: Eingängige Melodien halten nicht immer für die Ewigkeit.

Chapman stammt aus dem mittelenglischen Northampton und hat eine schöne, allerdings nicht ganz ungewöhnliche Geschichte seines Debütalbums zu erzählen. Von ihm allein im Wohnzimmer aufgenommen, werden seine selbst produzierten EPs von der britischen Presse so gelobt, dass die Kunde davon bis zu Valgeir Sigurdsson nach Reykjavik dringt. Sein DebütalbumWe Can Create’ produziert Chapman daraufhin zusammen mit Sigurdsson. Und der ist niemand Geringerer als derjenige, der unter anderem schon mit Bonnie „Prince“ Billy und Björk zusammenarbeitete. Diese Namen finden sich nun überall in Zusammenhang mit Maps, genervt ist Chapman davon aber nicht. Meint er jedenfalls auf Nachfrage. Um seine Musik beschreiben zu können, reicht das allerdings nicht, da braucht es schon andere Referenzen. Zum Beispiel seine private Plattensammlung, die mit den 1989er Stone Roses ihren Anfang nahm. Auch das lässt sich im Promotext nachlesen, ist aber trotzdem kein schlechter Vergleich. Nicht weil Maps etwa nach den Stone Roses klingen. Aber ‚We Can Create’ strahlt mit seinen sanft dahin fließenden Melodien eine Leichtigkeit aus, die an das Debüt der Stone Roses erinnert. Bei aller scheinbaren Oberflächlichkeit lässt sich die Musik aber nicht einfach mitpfeifen, sondern gibt erst bei genauerem Hören ihre aufwendige Struktur und Gestaltung preis.

… Vielleicht habe ich erkannt, dass die Musik mir dabei helfen kann, aus irgendwelchen dunklen Räumen zu flüchten…

Und Chapman macht – und das ist vielleicht ein Grund für die beschriebene Wirkung – das nicht so einfach nebenher, er konzentriert sich auf seine Musik und lässt dabei kaum Raum für etwas anderes „Ich hatte vor einiger Zeit angefangen zu studieren und das war wirklich keine gute Entscheidung. Ich dachte, ich mache die Musik zu meinem Hobby, während ich im richtigen Leben erst mal was Ordentliches lerne. Aber ich sage dir, das war eine schlimme Zeit. Ich interessierte mich nicht für die Vorlesungen, war ständig müde und am Ende so angepisst, dass ich das Studium hinschmiss. Daraufhin wurde ich sehr krank, und brauchte eine ganze Weile, um wieder auf die Beine zu kommen. Es war nicht die beste Zeit für mich, aber wenn ich so darauf zurückblicke, dann hat das alles mich sehr verändert und ich bin nun in der Lage, mir selbst zu helfen. Vielleicht habe ich erkannt, dass die Musik mir dabei helfen kann, aus irgendwelchen dunklen Räumen zu flüchten, in denen mir die Luft zum Atmen fehlt.“ Es wird still am Ende der Leitung und man fragt sich ganz kurz, warum Musiker gezwungen sind, sich von Journalisten solch persönliche Fragen stellen zu lassen. Vielleicht damit diese mit den Antworten umsichtig umgehen und die Verletzlichkeit von Künstlern zu sehen und schätzen lernen. Auch in deren Musik. Mit ‚We Can Create’ hat James Chapman ein Album aufgenommen, das aus vielen Schichten besteht, die alle eine Entdeckung wert sind. Mit einem alten 16-Spur-Rekorder entstanden Songs, die einerseits so zerbrechlich erscheinen wie ‚Don’t Fear’, sich andererseits mit schnellen und schönen Popsongs wie zum Beispiel ‚Elouise’ abwechseln. Maps werden damit keine bahnbrechenden Erfolge feiern, dafür ist ihre Musik zu leise und unaufgeregt. Aber ihre Songs wird man im Augenblick des Hörens nicht wieder vergessen wollen.

Video – Don’t Fear

Text: Rebekka Bongart