Für die Poeten unter uns: Ihre Wurzeln könnten verschiedener nicht sein. Es ist der Baum, namens Musik, der sie verbindet. Für alle, die es weniger schmalzig mögen: Die spanische Pop-Formation Marlango ist eine Kollaboration dreier Künstler, die musikalisch so Einiges unterscheidet.

Leonor, die aufgrund ihrer britischen Vorfahren für die englischsprachigen Texte der Combo verantwortlich ist, wurde praktisch auf den Brettern geboren, die die Welt bedeuten. Das zierliche Fräuleinwunder ist Schauspielerin, Sopranistin im Gospel-Chor und leiht diversen Jazz- und Soulprojekten ihre Stimmbänder. Alejandro, der  Mann für die Tasten, findet sich mit Marlango das erste Mal im Popklischee statt auf der Gewandhausbühne wieder. Und Óscar, das mittlerweile dritte Glied der Madrider Combo, pendelt zuvor zwischen Funk- und Latin-Jazz-Clubs in New York, Chicago und Miami.

Bei derlei musikalischer Beflissenheit kann es kein geringerer als Tom Waits sein, der die Gruppe zunächst zum Namen und schließlich im Jahre 1998 zu einem reichlichen Dutzend Demo-Songs inspiriert. Zuerst wird im gemischten Doppel komponiert. Heraus kommen Stücke, die düster zwischen Rock und Jazz umhertaumeln und allein für Tasten und Mikro geschrieben sind. 2002 verschlägt es Óscar samt Trompete aus dem Big Apple in die spanische Hauptstadt. Im Dreier produziert man Album Numero Eins, das unter dem Bandnamen 2004 die Musikregale ziert.

Piano, Trompete und Glasstimmchen packen ihre Koffer und touren im Anschluss durch Japan, Portugal und die heimischen Gefilde. Bereits ein Jahr später regnet es Gold für den Longplayer „Automatic Imperfection“. Geschlagene drei Jahre lässt die dritte und bis dato letzte Scheibe „The Electrical Morning“ anschließend auf sich warten. Und wieder säuselt Leonores zerbrechliche Stimme, als drohe sie mit jedem Ton zu zerspringen. Das klingelt gewaltig in den Ohren. Noch mehr aber Herzen. Für die Poeten unter uns.

Marlango sind:
Leonor Watling – Gesang, Songwriting
Alejandro Pelayo – Piano
Óscar Ybarra – Trompete

Jennifer Beck