Drei Jahre nach seinem letzten Album meldet sich der Exil-Kanadier Mocky mit ‘Navy Brown Blues’ zurück – einer LP voll gespickt mit Ohrwürmern, die leichtfüßigen Pop-Funk zelebrieren.

In einer Art Doppelgarage in Berlin-Kreuzberg – voll gestopft mit Musiktechnik und Instrumenten – probt Mocky mit seiner achtköpfigen “Mocky Band” für die anstehende Tour zum neuen Album. Er schwärmt vom Zusammenspiel mit den Musikern und dem Klang echter Instrumente – ganz im Gegensatz zu Sounds aus dem Rechner. Passend dazu gibt es jetzt Portraits von ihm mit Akustik-Gitarre über der Schulter, auf dem Cover seiner letzten LP ‘Are & Be’ posierte er noch mit Laptop.

Beim Anhören des neuen Albums fallen Klangparallelen zu Funk-Größen wie Prince oder Earth Wind & Fire auf, zudem sind die Stücke zumeist extrem catchy geraten. Viele der Refrains bekommt man einfach nicht mehr aus dem Kopf. “Ich wollte mich weg bewegen von Sounds und elektronischer Musik, hin zu Stücken, die beim Zuhörer hängen bleiben. Die besten Songs kommen, wenn man die Straße entlang läuft und sie dann plötzlich da sind. Das ist eher ein Gefühl. Ich versuche, das in Musik umzuwandeln, um dem Zuhörer diese ursprüngliche Feeling näher zu bringen. Meine Raps entstehen erst mal durch Improvisation, natürlich bearbeite ich die Texte danach noch. Trotzdem soll alles immer sehr spontan und intim klingen.” Als Rapper sieht er sich dabei gar nicht mal unbedingt: “Für mich ist es einfach natürlich, einen gesungenen Refrain zu haben und zwischendrin Raps. So kann man einfach mehr Texte und Humor unterbringen und es klingt aktueller. Ich bin auch kein besonders guter Sänger, höchstens vielleicht ein guter Kommunikator. Ich kann auch nicht die ganze Zeit singen auf der Platte.” Deswegen wird Mocky bei den Vocals von Feist, Jamie Lidell und Taylor Savvy unterstützt. Das kanadische Dream-Team wird durch Gonzales komplettiert, der mit an der Produktion des Albums beteiligt war.

Eine stilistische Einordnung seiner Musik fällt Mocky schwer. Darauf spielt auch die Fantasie-Farbe im Album-Titel an. “Es geht um Individualität und ich möchte damit sagen, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Meine Musik ist Pop, klingt aber irgendwie anders, ohne dass man genau sagen kann, warum. Es gibt vielleicht Funk-Elemente in der Musik oder ein Song erinnert an Prince, trotzdem ist meine Musik etwas Neues. Es klingt ja auch nicht wie aktueller R’n’B, dafür sind wir zu verrückt. Wir wollen Songs machen. Jamie braucht noch nicht mal einen Song, um mich mit seinem Gesang total umzuhauen. Das kann er stundenlang machen, bevor es langweilig wird! Wenn ich mit ihm zusammenarbeite, dann denkt er darüber nach, wie Worte zusammenpassen, da er seine Stimme als Instrument benutzt. Ich versuche das in meinen Prozess des Songwritings zu integrieren. Das ist wirklich nichts Neues, aber offenbar etwas in Vergessenheit geraten. Viele Leute, die elektronische Musik machen, haben noch nie einen Song geschrieben. Ich könnte natürlich auch einen Crossover aus Daft Punk und Missy Elliott machen und noch ein paar Vocals und Samples draufpacken. Mir macht es aber erheblich mehr Spaß, Texte zu Songs zu verarbeiten und dann erst an den Sounds herumzuschrauben. Beats habe ich natürlich auch ohne Ende!”

Dabei fällt auf, dass auch in den melancholischen Songs seine Flüster-Rap-Texte oft sehr humorvoll sind. “Wenn man sich in einem ekstatischen Zustand befindet, etwa sexuell oder musikalisch, dann ist das manchmal ein Zustand zwischen Trauer und Freude. So geht es mir auch oft, wenn ich tagelang jamme. Dann versuche ich etwas, die traurige Stimmung eines Tracks durch lustige Texte zu kontrastieren. Im klassischen Jazz oder Motown-Soul gibt es das auch immer, dass in besonders traurigen Lieder plötzlich lustige Wortspiele und Vergleiche vorkommen. Ich möchte einfach keine Songs machen, die durchgehend traurig sind.”

Text: Joachim Ladesvatter