Der Weg ins Showgeschäft war bei den Eltern vermutlich vorgegeben. Als kleines Mädchen stand Sophie Auster, die Tochter der beiden erfolgreichen Schriftsteller Siri Hustvedt und Paul Auster, bereits vor der Filmkamera ihres Vaters, in ‘Lulu on the Bridge’. Nun veröffentlicht die mittlerweile 18-Jährige ihr Debütalbum ‘Sophie Auster’, auf dem sie Texte von sich und ihrem Vater ebenso vertont wie französische Gedichte des frühen 20. Jahrhunderts. Ihren nächsten Film, ‘The Inner Life of Martin Frost’, hat Sophie auch schon abgedreht.


Wie kam es dazu, dass Du ein Album aufgenommen hast?
Das ist One Ring Zero zu verdanken, einem Duo aus New York, das alternative Musik macht. Die beiden arbeiteten an einem Projekt, für das sie Texte von zeitgenössischen Autoren vertonten, wofür sie auch mit meinem Vater zusammenarbeiteten. Mit ihm kamen sie ins Gespräch und als sie sagten, dass sie eine Sängerin suchten, erwähnte er wohl beiläufig, dass ich singen würde. Ich habe mich dann mit ihnen getroffen, aber sie waren anfangs sehr skeptisch und nicht besonders daran interessiert, sich den Gesang einer unerfahrenen 16-Jährigen anzuhören. Aber dann habe ich sie eines besseren belehrt – wahrscheinlich weil ich keine nasebohrende Göre war, die keine Ahnung von Musik hatte. So fanden wir Gefallen an einander und hielten es für eine spaßige Idee, ein ganzes Album zusammen aufzunehmen.

Du hattest also schon vorher gesungen?
Ja, seit ich acht Jahre alt war. Ich wusste immer schon, dass ich das eines Tages mal machen würde, wenn auch vielleicht nicht so wie es jetzt geschehen ist. Mir war natürlich eigentlich gar nicht klar, wie ich so etwas angehen musste. Daher war es genau das richtige, dass sich deren Angebot ergab. Nun verlief das alles recht zufällig und sehr überraschend, aber ich finde es hat ganz wunderbar geklappt.

Wie war es, in einem solch kreativen Haushalt aufzuwachsen?
Natürlich habe ich keine Zweitfamilie, mit der ich es vergleichen könnte. Wo die Unterschiede zu anderen Kindern liegen, kann ich also gar nicht wirklich sagen. Aber selbstverständlich ist mir klar, dass ich einige Dinge erlebt habe, die vermutlich nicht jeder erlebt.


Was denn zum Beispiel?
Zum Beispiel saß mein Vater in der Jury des Filmfestivals von Cannes, wohin er mich mitnahm. Damals war ich neun Jahre alt und lernte all diese interessanten Menschen kennen. Besonders aufregend fand ich Tim Burton. Er war wundervoll, eigentlich in seinem Inneren selbst noch ein Kind, so dass wir uns bestens verstanden haben. Ich malte ihm ein Bild, und er malte mir auch eins, von Edward mit den Scherenhänden. Das steht heute noch auf meinem Schreibtisch. Ich wusste natürlich nicht wirklich, wer all diese spannenden Menschen waren. Als Kind hat man ja keine Vorstellung davon, dass es etwas Besonderes ist, wenn Lou Reed oder David Byrne zu Hause auf dem Sofa sitzen. Dass mein Vater berühmte Freunde hat, wurde mir erst später klar.

Dein Weg in einen kreativen Beruf war also von vornherein bereitet?
Ja, ich glaube es war fast unumgänglich, dass ich auch etwas Kreatives machen würde. Es ist nun eine andere Richtung geworden als die meiner Eltern, weil ich immer schon gerne auf der Bühne gestanden habe, als Schauspielerin oder Sängerin. Ich weiß nicht, ob mir einsamere künstlerische Tätigkeiten wie Malen oder Schreiben genauso liegen. Aber mir war immer klar, dass ich keine Lust habe auf so genannte “normale Berufe” wie Ärztin oder Anwältin.

Du hattest also nie den Impuls, etwas möglichst anderes zu machen?
Nein, denn das wäre eine Lüge. Es würde mir keinen Spaß machen, Buchhaltung zu machen, nur weil es etwas ganz anderes ist als der Beruf meiner Eltern. Man muss doch dem nachgehen, was man liebt, oder es zumindest versuchen. Und das ist bei mir nun einmal auch die Kunst.

Woher kommt denn Dein Faible für die Musik?
Jemand, der nicht gerne Musik hört, muss doch eigentlich verrückt sein, oder? Ob Techno, Rock’n’Roll, Jazz oder Klassik – Musik spielt doch in unser aller Leben eine große Rolle. Es gab jedenfalls immer Musik um mich herum. Ich habe mir den Zugang zur Musik dann selbst erarbeitet und bin einen anderen Weg gegangen als meine Eltern. Eines Tages – ich war wohl etwa sieben Jahre alt – kam ich zum Beispiel mit allen Alben der Beatles nach Hause, obwohl ich vorher noch nie von ihnen gehört hatte, weil mein Eltern nichts für sie übrig hatten. Vermutlich hatte ich irgendwo etwas über sie gelesen, aber auf jeden Fall war das dann meine ganz persönliche Entdeckung.

Du arbeitest gerne mit Deinem Vater zusammen. Ist das nicht manchmal zu eng?
Bei der Arbeit am Album hat er mir zwar geholfen was die Zusammenstellung und einige Ideen angeht, aber mit den tatsächlichen Aufnahmen und meinem Gesang hatte er eigentlich nichts zu tun. Wir haben also nicht unnatürlich eng zusammengearbeitet und sind uns auf die Nerven gegangen. Dank seiner Hilfe hatte ich definitiv einen Vorsprung, aber von dort habe ich die Sache selbst in die Hand genommen. Es war schön, ihn bei dieser überwältigenden Erfahrung im Hintergrund zu wissen. Er hat mich immer sehr beruhigt und daran erinnert, dass es in erster Linie um den Spaß gehen sollte.

Du spielst aber auch eine Rolle in seinem neuen Film ‘The Inner Life of Martin Frost’, nicht wahr?
Ja, das war einfach eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen konnte. Ich liebe die Schauspielerei, und ich hätte es wirklich dumm gefunden, das Rollenangebot abzulehnen, nur weil es von meinem Vater kam. Da können die Leute sagen was sie wollen. Jeder Arbeit suchende Schauspieler würde mich doch für verrückt und arrogant erklären, wenn ich eine solche Chance nicht nutzen würde. Ich weiß, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann über all die Möglichkeiten, die sich mir bieten, aber ich muss deswegen auch kein schlechtes Gewissen haben. Mehr als Türen öffnen können andere Menschen ohnehin nicht, denn den Rest des Weges muss man alleine gehen.


Was ist das für ein Film?
Er basiert lose auf seinem “Buch der Illusionen”, obwohl er letztlich nur noch die Grundidee gemeinsam hat, die für den Film erheblich erweitert wurde. Es ist eine sehr bizarre Geschichte, ein kompliziertes Liebesmärchen in Portugal über einen Schriftsteller und seine Muse. Ich spiele in einer Nebenrolle mit, auch eine Muse, allerdings eine dysfunktionale, die gerade nicht inspirierend wirkt.