12. Editors – The Back Room

Alben, die sich auf die Tradition von Joy Division berufen, gab es in den 00er Jahren einige, sei es von Interpol oder den White Lies. Was also macht das Debüt der Editors aus dem Jahr 2005 zu etwas Außergewöhnlichem? In erster Linie die Unmittelbarkeit, mit der einen der Sound des Quartetts trifft. Schneidende Gitarren, ein auf den Punkt gespieltes Schlagzeug und der messerscharfe Bass machen die Editors zu den Punks unter den Düsterbands. Dazu kommt noch die so kühle, aber auch so umfangende Stimme von Frontmann Tom Smith. Songs wie “Munich”, “Blood” oder “Bullets” schaffen es ähnlich wie Joy-Division-Songs, definitive Traurigkeit mit maximaler Tanzbarkeit zu verbinden, so dass man sich einerseits verloren vorkommt, andererseits aber jemanden umarmen und zum Tanz auffordern will. Auch die beiden Nachfolger von “The Back Room” sind gute Alben, aber eine so perfekte Verbindung von Punk- und New-Wave-Attitüde gelingt den Engländern bis dato nicht mehr.

11. Hard-Fi – Stars Of CCTV

Staines ist ein trostloser Ort am äußersten Rand von London. Die letzten Bahnen ins und aus dem Stadtzentrum fahren noch vor Mitternacht. Ein Ort also, an dem man nicht viel machen kann – außer Musik. Das denken sich im Jahr 2002 auch Richard Archer und drei seiner Kumpels und gründen die Band Hard-Fi. Drei Jahre später kommt mit ihrem Debütalbum “Stars Of CCTV” das musikgewordene Manifest der Vorort-Adoleszenz heraus. Textlich dreht sich alles um die Trostlosigkeit der Vorstadt: Geldsorgen, ungewollte Schwangerschaften, Alkohol, Parties, Kriminalität, Gewalt – und die titelgebende, allgegenwärtige Kameraüberwachung CCTV. Ein in Teilen politisches Album, aber aus stark personalisierter Sicht. Musikalisch regiert ebenfalls die Vorstadt, und zwar mit ihrer Verschmelzung verschiedener Stile: Indierock, Dub, Garage, Elektro. Das Quartett nimmt, was gefällt und verbindet es zu einer unerhört guten Mischung. “Stars Of CCTV” will alles, darf alles, kann alles – und macht alles richtig.

10. Franz Ferdinand – Franz Ferdinand

Das selbstbetitelte Debütalbum von Franz Ferdinand macht 2004 deutsch mit einem Schlag zur hippen Sprache in Großbritannien. Der etwas krumme Satz “Ich heiße superfantastisch, ich trinke Schampus mit Lachsfisch” im Song “Darts Of Pleasure” setzt das schottische Quartett ab von der Vielzahl an britischen Bands (und lässt in The Rakes & Co. einige Nachahmer entstehen). Doch nicht nur die deutschen Einsprengsel und witzigen Texte, auch die Musik erhebt Franz Ferdinand weit über den Durchschnitt. So clever, so arty hat man Indierock lange nicht mehr gehört. Allein der völlig überraschende Rhythmus- und Tempowechsel in “Take Me Out” lässt Einen spontan niederknien. “Franz Ferdinand” besteht aus elf Singles, die jeweils vor Tanzbarkeit, Einfällen und Stil platzen. Hiermit wird die leicht prollige Art, die weite Teile des BritPop (abgesehen von Blur und Pulp) in den 90ern regierte, endgültig zurückgelassen. Nun sind wieder die Jungs von der Kunsthochschule an der Reihe: “We only work when we need the money!”