Dass Rockmusik in England wieder im Kommen ist, bedarf keiner weiteren Klärung. Bands wie The Cooper Temple Clause oder auch die schottischen Underdogs Aerogramme spielen vor vollem Haus und setzen dabei neue musikalische Akzente. Gleiches gilt für Biffy Clyro.

Wie auch Mogwai und Aerogramme stammt dieses Trio aus Glasgow und wird von unaufmerksamen Hörern als kompliziert eingestuft. Dass das aber der falsche Ansatzpunkt für jene Band ist, wird schnell klar. Hier lässt man Rock halt nicht einfach nur Rock sein, sondern spielt mit unterschiedlichsten Facetten und entwirft dabei eine hübsch monotone Soundcollage.

Das Label ‘Future Of Rock’ aufgedrückt zu bekommen, ist sehr schmeichelnd. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die eigene Musik zum Beginn der Karriere von der breiten Masse verschmäht wurde. Doch heute ist man bereit für Biffy Clyro. Aus der Dreier-Minimalbesetzung wird schier unfassbares herausgeholt. Während Bombasttürme von Emotionen aufgefahren werden, reißt man diese binnen Sekunden mit einem ungebändigten Schrei wieder ein und hinterlässt pures Gefühlschaos. Pop-Core made in England. Den amerikanischen Vorbildern wie Fugazi wird Tribut gezollt und während die Band selbst im heimischen Glasgow noch für lau in einem YMCA-Keller probt, laden Künstler wie Ozzy Osbourne die Melodieverdreher als Support für die eigene Show ein. Schade eigentlich, dass Ozzy sich auf sein Motorrad schwingen musste und von genau diesem fiel. Und somit seine komplette Tour gecancelt wurde.

Aber auch ohne Ozzy läuft es zusehends besser für die Band. Hatte man am Anfang noch Probleme, überhaupt einen Gig mit der eigenen Gangart der Musik zu bekommen, so wächst mit ihrem nunmehr drittem Album ‘Infinity Land’ die Fanbase weiter. Das Erfolgsrezept ist ein ganz einfaches: “Uns ist es wichtig, uns ständig zu verändern und dabei den Hörer immer wieder zu überraschen. Wir wollen nicht, dass die Leute schon im Vorfeld für sich selbst ausmachen können, wie das Album klingen wird. Das ist das langweiligste, was ich mir vorstellen kann. ‘Infinity Land’ fängt zum Beispiel mit einem Disco-Beat an. Das haben wir mit Absicht gemacht. Wir wollen, dass die Leute die CD einlegen und sich nach den ersten Takten denken, dass sie das falsche Album gekauft hätten. Wir gewähren uns einen enormen Spielraum an musikalischen Eckpfeilern, die wir in unserer Musik als Referenzpunkte nutzen können.”

Überraschen ist das Motto. Und die Überraschung fordern sie nicht nur täglich durch ihre Musik, sondern auch durch die Tatsache, dass ein jeder in dieser Band zum Mikrofon greift. Das sorgt bei so manch einem Gig schon für Verwunderung: “Wenn die Leute unser Album hören, können die meisten nicht ausmachen, dass es mehr als einen Sänger in der Band gibt. Um so geschockter sind sie, wenn sie uns live erleben. Es gibt kaum eine Band, wo wirklich jedes Bandmitglied etwas zum Gesang beisteuert. Gerade wenn ich als Drummer singe, siehst du im Publikum des öfteren suchende Blicke. Das ist jedesmal ein Heidenspaß für uns.”

Text: Tanja Hellmig