Früher hätte man schon lange gemerkt, dass bald PopKomm ist. In den Tagesablauf hätten sich vor Monaten schon Meetings zur Stand- und Eventplanung eingeschlichen. Die Ideen für Locations und Themen wären streng unter Verschluss geblieben, damit sie ja kein Konkurrent kopiert oder gar übertrifft. Man hätte angefangen die Tage zu zählen und sich zwischen den unterschiedlichen, vom Termin her überschneidenden Parties und Events langsam entscheiden müssen. Es war wie Weihnachten. Eine gesunde, wachsende Branche feierte sich selbst und ein jeder wollte zu diesem Feste durch Originalität und mit Relevanz bestechen, Mutters Liebling sein.

Natürlich gab es auch die hässlichen, kommerzialisierten Ausuferungen. Genauso, wie es zum Christfest halt auch die üblen, roten Weihnachtslichterketten aus Amerika in Nachbars Garten gibt. Eine solche war das so genannte Ringfest, wo ‚Mr President’ unter dem Gejohle bierseliger, karnevalsgieriger Kölner auf den Bretterbühnen von Privatsendern zu Playbacks tanzten. Man wünschte sich, die Sperrung des Rings würde umgehend wieder aufgehoben, die Automassen ‚Mr President’ samt Würstchenbuden hinwegfegen und man selbst nicht im Stau auf dem Weg zur nächsten Party stehen.

Geld hat damit außer Bierverkäufern, Privatsendern und ‚Mr. President’ keiner verdient. Neue Künstler wurden eigentlich auch nicht wirklich in den Nächten voll Musik, Alkohol entdeckt. Oder wenn doch, dann konnte man sich am nächsten morgen nicht mehr an sie erinnern. Verträge wurden schon mal gar nicht ausgehandelt oder unterschrieben, aber Spaß gemacht hat all das erst recht. Damals reichte das. Die Branche wuchs, man lernte sich kennen und tauschte Ideen aus. Die PopKomm inspirierte und bildete Netzwerke. Das war ein legitimes Geschäftsmodell.

Eine Party ist traurig, wenn es nichts zu feiern gibt. Die letzten beiden Jahre PopKomm in Köln waren in diesem Sinne eine Beerdigung. Jedes Mal waren es deutlich weniger die kamen und keiner der dort war, wusste mehr so recht, was er dort sollte. Aus Verzweiflung ließ zum Schluss Co-Veranstalter Viva Teenager in die Hallen. Die suchten nach Popstars zwecks Autogramme und fanden Poparbeiter die von früher träumten. Es war Zeit für einen Neuanfang.

In Berlin wird gearbeitet. Nicht immer, aber zur PopKomm. Der Markt für das was wir tun wird dank Internet globaler, die Gäste in der Hauptstadt auch. Sie kommen nicht nur wegen des guten Partyrufs, sie kommen um Geschäfte zu machen. Vor einem Jahr haben wir hier mit PIAS den internationalen Deal für ‚Emigrate’ verhandelt, abgeschlossen und mit einem Würstchen (als Erinnerung an Köln) gefeiert. Dieses Jahr werden ‚Strictly Rhythm’ uns und internationalen Lizenzpartnern am 20.9. im Tresor ‚Onsulade’ und ‚Kenny Dope’ (Masters at Work) präsentieren. Nicht nur zum tanzen, auch zum lizenzieren. Am selben Abend präsentieren sich ‚Polarkreis 18’ und ‚Super 700’ zahlreichen, internationalen Interessenten im Franzz Club.

Die PopKomm ist in Berlin zum ersten Mal zur Messe geworden. Hier wird nun wirklich Handel getrieben. Aber das eben nicht nur in den Messehallen, sondern in den über 45 direkt oder indirekt beteiligten Clubs. Das ist aufregend aber eben kein Exzess. Keiner wird mich diesmal wie dereinst Onkel Stein im Frühstücksraum des Kölner Hotels anherrschen, dass es hier Aufschnitt und frisches Obst aber eben keine Sauerstoffzelte geben würde, während ich mich mühsam um zehn Uhr morgens am Buffet festzuhalten versuche. Das ist schade aber gesund. Für die Branche und für mich…

Euer Tim