Während das Telefon die Verbindung nach Irland aufbaut, kann man regelrecht das satte Grün der Insel durch den Hörer riechen. Mit einem freundlichen „Hallo.“ begrüßt mich ein entspannter Mick Flannery am anderen Ende und erzählt von Tom Waits, Bob Dylan sowie seiner Familie, den Menschen, die ihn am meisten in seinen musikalischen Schaffensphasen beeinflussen. Es geht um seine Zeit in Berlin und das neue Album „By The Rule“, dass er hauptsächlich in seiner Altbauwohnung in Kreuzburg kreiert hat.

Er beschreibt die Platte als jene, die am natürlichsten wirkt, da der Prozess der Arbeit in zwei wöchigen Rhythmen entstanden ist. Vor meinem inneren Auge sehe ich den Bon Iver Irlands in seinem neuen irischen Cottage mit einem, wer weiß, guten irischen Bier in der Linken. Auf die Frage hin, welches der zwei Klassiker unter den irischen Kühlgetränken, Guinness oder Beamish zu seinen Favoriten gehöre, antwortet der Künstler promt: „Oh, das ist auf jeden Fall Beamish!“ und startet die spontane Gegenfrage, auf Grund meiner scheinbar verwunderten Reaktion, ob ich das Bier selbst schon mal getestet hätte, denn wie es scheint, schmäcke das Bier außerhalb von Irland ganz anders, als anderswo. Doch leider muss ich verneinen und Guinness als meinen Liebling nennen, worauf hin folgt „Du musst nach Irland kommen. Das Bier schmeckt nirgendwo so gut, wie hier.“ Und als ich die Vermutung ausspreche, dass das vielleicht an den besonderen Wasserleitungen Irlands läge, muss der Sänger sich ein Lachen verkneifen. „Ja, das ist, was man über das Bier hier sagt. Doch Guinness scheint auch die Reise nicht allzu gut zu vertragen.“

Seine neue Platte „By The Rule“ wirkt etwas anders, als die anderen Alben, war das bewusst gewählt? „Nein, nicht wirklich. Ich denke, dass die Lieder dieses Mal in einem guten Prozess entstanden sind. Die Lieder sind in zweiwöchigen Abschnitten zueinander entstanden, was dem Ganzen eine andere Wirkung verleiht, als den Vorherigen.“. Auf die Frage hin, wer ihn in seiner Musik besonders beeinflusse, nennt der lächelnde Ire (ja, das klingt sogar durch den Hörer hindurch) Tom Waits. Wobei er anmerkt, dass dieser ihn in seiner vorherigen Arbeit sogar etwas sehr beeinflusst hätte. „Mir ist aufgefallen, dass ich bei manchen Liedern älter klinge, als ich es tatsächlich bin.“. Ein weiterer Künstler, der Mick Flannery in vielerlei Hinsicht entlang seiner musikalischen Arbeit beeinflusst ist Bob Dylan, den er sehr häufig hört und dessen Musik ihn bereits sehr lange begleitet. Angefangen hat sein musikalisches Schaffen bereits mit vierzehn, sechzehn Jahren, als er angefangen hat, die ersten eigenen Lieder zu spielen. Warum es den Ur-Iren nach so langer Zeit dann nach Berlin gezogen hat, hat mich dann noch interessiert. "Ich bin nicht aus musikalischen Gründen nach Berlin gekommen, sondern aus persönlichen. […] Es war eine neue und interessante Erfahrung, ganz unten in der social Kette zu sein (lacht). Anfangs hatte ich keine Freunde und es war ein seltsames Gefühl, die Sprache in vielen Punkten nicht verstehen zu können.“ Die damit verbundene Einsamkeit und die Zeit für sich selbst, hat dazu geführt, dass der Künstler genügend Zeit hat finden konnte, an seinem neuen Album zu arbeiten. Dann schwärmt er von seiner Albauwohnung in Kreuzberg: „Gelebt habe ich in einem dieser wirklich alten Wohnungen in Kreuzberg, mit den hohen, wirklich hohen Decken. Das hat mir eine gute Akkustik geschenkt. Fast jeden Tag habe ich mich in mein Zimmer gestellt und für drei Stunden die Wand angesungen, weil die Akkustik einfach so gut gewesen ist.“

Wenn man den Künstler darum bittet, seine Musik zu beschreiben, ohne jedwedes musikalisches Vokabular zu verwenden, drückt er sich sehr metaphorisch aus: „Ich würde sagen, dass es so klingt wie eine Schildkröte auf dem Rücken eines Elefanten (lacht). Vielleicht so, dass der Elefant vorwärts und die Schildkröte rückwerts geht!“ Das klingt einladend und schafft Neugierde auf mehr!

Momentan arbeitet der Ire in seinem neuen Cottage in den Höhen Irlands. Auf die Frage hin, was Mick Flannery außerhalb seiner musikalischen Tätigkeit gerne unternimmt, folgt die Antwort:“Bevor wir mit dem Telefonat begonnen haben, habe ich an einem Tisch gearbeitet. Ich bin gerade in ein neues Haus, man könnte meinen, Cottage gezogen und in meinem Schuppen etwas Holz liegen. Es wird ein Kaffeetisch. […] Also, ich würde sagen, dass ich gerne Dinge schaffe.“

Auf die Frage hin, ob er etwas wie ein Idol habe, fragt der Künstler nachhakend nach: „Sowas wie einen Helden?“ Nun, vielleicht. Manche Menschen nehmen Superman, wen würde er nenne. „Ich denke nicht, dass ich einen Helden habe. Bob Dylan ist jemand, der mich beeindruckt, aber ich würde nicht gerne so sein wie er.“ Das macht natürlich neugierig. In welcher Zeit würde der Künstler gerne mal leben oder hätte er gerne gelebt, wenn er das frei wählen könnte? „Ich denke, dass ich die Zeit von Bob Dylan wählen würde. Die Zeit, in der er noch sehr begeistert von seiner Arbeit gewesen ist, vielleicht in seinen frühen Zwanzigern.“