Mika ist groß, schön, Songwriter, Performer und Produzent. Und Mika ist POP hoch drei. Mitte der Achtziger in Beirut geboren, sah sich Mikas Familie schon bald, am Höhepunkt des Krieges, dazu gezwungen, nach Paris zu ziehen. Als sein Vater dann auch noch Opfer einer Geiselnahme wurde und in der amerikanischen Botschaft von Kuwait landete, fiel die Standortwahl schließlich auf London. „Es war wohl diese Kombination, die Umzüge, gepaart mit der grausamen Zeit, die ich anfangs in der Schule durchlebte. Daran lag es auch, dass ich schließlich verlernte, wie man liest und schreibt. Ich ließ eine Zeit lang sogar das Sprechen sein. Dann nahmen sie mich für ein halbes Jahr von der Schule, damit ich mich ein wenig sammeln konnte. Außerdem mussten wir natürlich eine neue Schule finden. Es geschah zu dieser Zeit, dass mir die Musik so unglaublich wichtig wurde. Und die Musik war es auch, die mir letztlich wieder auf die Beine geholfen hat.“

Weiter berichtet er, dass er schon im zarten Alter von neun Jahren wusste, dass Songwriting sein Schicksal sein würde. „Als ich dann als kleiner Junge mit dem Singen angefangen hatte, bekam ich plötzlich Jobangebote von allen Seiten. Ich wurde damals von diesem unfassbar strengen russischen Gesangslehrer unter die Fittiche genommen, und durch dieses Training konnte ich plötzlich auf Gesangswettbewerben echt gut abschneiden. Ich habe alles ausprobiert, ob es nun Aufnahmen im Royal Opera House waren oder ein Werbe-Jingle für Orbit-Kaugummi – ganz egal. Ich werde wohl nie vergessen, wie es sich angefühlt hat, bei British Airways anzurufen, um ein Ticket zu bestellen, nur um plötzlich auf meine eigene Stimme in der Warteschleife zu stoßen. Das waren wirklich harte acht Minuten. Ein weiterer der Hauptgründe dafür, dass ich so viel zu tun hatte, war wohl, dass ich so verdammt billig war! Meine Mutter und ich hatten ja keine Ahnung, wir wussten einfach nicht, was angemessene Preise waren –, und natürlich war auch niemandem daran gelegen, uns über die Fehler in unserer Preispolitik aufzuklären! Wenn ich also heute zurückdenke, dann kommen mir die 45 Pfund für die Orbit-Werbung schon ein wenig dürftig vor…“
Als autodidaktischer Klavier-Virtuose, Stimmwunderkind und geborener Entertainer, hat Mika die Musik seit jeher in seinem Fleisch und Blut. Mit nur elf Jahren wurde er auf die Bühne einer Richard-Strauss-Oper katapultiert! Und kein Geringerer als David Hockney war während der Proben anwesend, um gemeinsam mit diversen Models das Set in Form zu bringen. So kam es also, dass er die vergangenen 12 Jahre nach den Regeln dieses Paralleluniversums gelebt hat und nunmehr den konsequenten nächsten Schritt in Angriff nimmt: Die Veröffentlichung seines dynamischen, absolut originellen und persönlichen Debütalbums. „Ich bin mit ganz unterschiedlichen musikalischen Einflüssen aufgewachsen. Da war wirklich alles dabei, von Joan Baez bis Dylan, von Serge Gainsbourg bis Flamenco. Mit den Jahren ist mein Musikgeschmack schließlich immer eklektischer geworden, und doch finde ich irgendwie immer wieder zu den großen Songwritern zurück. Zu denjenigen Künstlern, auf deren Alben man ihre persönliche Vision ganz deutlich heraushören kann: Prince, Harry Nillson, Elton John, und sogar Michael Jackson zählt dazu. Sie alle haben unglaublich beeindruckende Pop-Alben gemacht. Alben, die nur sie machen konnten. Und genau das ist es auch, was ich mir schon immer zum Ziel gesetzt habe.“

Mit 19 verließ Mika sein Elternhaus, um an der „London School of Economics“ zu studieren. Glücklicherweise überlegte er es sich jedoch bereits am Tag der Immatrikulation anders – und meldete sich zwei Wochen später kurzerhand beim „Royal College of Music“ an. Schon als (Musik-) Student ein besessener Songschreiber, war er es, der stets ungefragt auf Partys auftauchte, um mal eben fünf Songs aus seinem Repertoire zum Besten zu geben… Und ein derartiger Auftritt war es auch, der ihm seinen ersten „Develpment Deal“ einbrachte –, ein Vertrag, den er rückblickend als entscheidende Stütze (und Lehrstück) auf seinem Werdegang als Künstler betrachtet. Damals jedoch empfand er ihn als absolut frustrierend. Allerdings hatte seine Frustration auch ihr Gutes, denn aus dieser Stimmung heraus komponierte er denjenigen Song, der sich in Kürze zu seinem Markenzeichen entwickeln wird: „Grace Kelly“, eine Parodie auf ein Opernstück, die mit einem Pop-Gerüst und einem Technicolor-Hintergrund besticht. „Mit dem Song wollte ich ursprünglich den Leuten, mit denen ich mich eingelassen hatte, einen dicken klanglichen Mittelfinger zeigen“, erklärt er heute. „Daher kommt auch die Zeile, `shall I bend over, shall I look older, just to be put on your shelf´. Ich war wirklich richtig wütend. Diese Firma hatte alles, alle nur erdenklichen Mittel – nur eine Seele, die hatten sie nicht.“

Schließlich war es der Toningenieur der Bee Gees, mit dem er sich anfreundete. Der war auch sofort dabei, als es darum ging, ein paar nächtliche Überstunden (auf Kosten seiner Firma) im Studio zu machen…

Am 23.03.2007 veröffentlicht Mika sein Debütalbum: „Life In Cartoon Motion“ in Deutschland.

Katja Bott

Bevor der Sänger im Sommer 2009 sein zweites Werk “The Boy Who Knew Too Much” veröffentlicht, publiziert er eine limitierte EP “Songs For Sorrow” mit vier Tracks und ein 68-seitiges Buch mit Texten und illustrierten Interpretationen zu seinen Lieblingssongs.