“Ich habe die Rockmusik nicht erfunden, aber vielleicht habe ich meine eigene Herangehensweise gehabt.” Eher bescheiden blickt Helmet-Vordenker Page Hamilton auf sein Schaffen zurück. Der Brückenschlag zwischen Indie-Hardcore-Purismus und Testosteron-durchflutetem Heavy Metal-Proletariat – Anfang der Neunziger war er Hamilton und seiner Band mit den Alben `Meantime`(1992) und `Betty`(1994) gelungen, bevor das Quartett mit `Aftertaste` (1996) sein letztes Lebenszeichen von sich gab. Inwieweit es als geglückt bezeichnet werden kann, den Animus von damals wiederzubeleben, das kann auf dem neuen Album `Size Matters` nachgehört werden, das die neu formierte Band wieder im harten kontemporären Musikgeschehen platziert.

`Helmet 2K4` bestehen dabei neben Page Hamilton aus Gitarrist Chris Traynor, der schon in der Vergangenheit die Band live komplettierte, (Ex-Testament/Rob-Zombie-) Drummer John Tempesta und Ex-Anthrax Bassist Frank Bello.
Die minimalistische Maxime ist auf `Size Matters` nach wie vor integraler Bestandteil von Hamiltons Rock-Ästhetik, gleichzeitig liegt das Gros der Songs weniger schwer im verwöhnten Magen des heutigen Musikkonsumenten als es der Backkatalog des Quartetts tun würde. Die offenen, harmonischen Gitarrenflächen gehen Hand in Hand mit dem charakteristisch kompakten Midtempo-Riffing. Mehr Melodie hat Einzug gehalten im Sound 2004, die Wut der frühen Tage ist noch etwas weiter in den Hintergrund getreten, auch wenn inhaltlich ein Text wie der zu `See You Dead` das Potenzial besitzt, die Hörerschaft zu verstören. “I could miss you more right now, or I could slit your throat. Sometimes I get so down you’re not around, I’d rather see you dead”, singt Hamilton da. “Wenn eine Beziehung zu Ende geht, dann ist es das Schlimmste, sich die Ex-Freundin mit jemand anderem vorzustellen. Dann denkst du, wenn sie tot wäre, dann könnte sie nicht mit dem anderen zusammen sein”, meint der Mittvierziger zu den Lyrics bei denen er sich von dem Beatles-Song `Run For Your Life` inspirieren ließ.

Wie immer, wenn sich einst einflussreiche Bands reformieren, sind Kritiker auf den Plan gerufen, die das gute Andenken an die Band in Gefahr sehen. “Es geht doch nur um eine Rockband, zwar um eine gute, aber doch nur um eine Rockband”, sagt Hamilton. “Manche Leute betrachten das Ganze aber eben doch als eine Sache, bei der es um Leben und Tod geht. Wie könne ich es nur wagen, Helmet wieder zu beleben? Ich habe nie aufgehört Songs zu schreiben, Helmet hat es also auf eine bestimmte Art und Weise immer gegeben.” Auch die zwar im Vergleich zum letzten Album marginale aber dennoch zu erkennende Kurskorrektur noch etwas weiter weg von der sperrigen Rage der frühen Tage, wird die Hardcore-Fanbasis eher vergraulen. “Als wir `Meantime` damals veröffentlicht haben, warfen uns die Leute, die das Debüt `Strap It On` mochten, Ausverkauf vor. Das wird es immer geben und ehrlich gesagt wurmt mich das gerade mal eine Minute. Ich bin froh darüber, von Musik gelenkt zu sein, nicht davon, was andere Leute von mir denken”, sagt Hamilton, der mit seinem reduzierten Stop & Go Riffing genauso wie der New Yorker Tommy Victor mit und seiner Band Prong Anfang der Neunziger die Hauptingredienzien für eine zehn Jahre später überschäumende mittlerweile totgeweihte und zur Gesichtslosigkeit verdammte Nu-Metal Bewegung lieferte. “Ich wünschte mehr Bands hätten ihren eigenen Sound”, bemerkt Hamilton in Hinblick auf das heutige Musikgeschehen. Seine Band hat ihn nach wie vor.

Text: Martin Erfurt