Schrottgrenze standen schon mal kurz vor dem Aus, als vor sechs Jahren auf Grund von Problemen mit der Studiotechnik das gesamte Material für ein neues Album vernichtet wurde. Doch seit 2003 geht es nach kurzer Pause und einigen Bandumbesetzungen stetig bergauf. Höhepunkt dieser Entwicklung soll nun ‘Chateau Schrottgrenze’ werden – und dank Produzent Tobias Levin dürfte dem nichts entgegen stehen!

Viel hat sich verändert seit den Anfangstagen von 1992, als Schrottgrenze noch zu Schulzeiten punkig drauf los knüppelten. Inzwischen geht der Sound deutlich in Richtung Indie-Gitarren-Pop. “Da wurde dann auch schnell klar, dass Tobias Levin, der unsere letzte Platte gemischt hat, der ideale Produzent dafür wäre. Wir mochten eben auch seine Arbeiten für Kante, Tocotronic und die vielen anderen Sachen, die er gemacht hat. Deswegen sind mir mit unserem neuen Album extrem zufrieden, weil wir mal alle Ideen umsetzen konnten, die wir schon immer in unseren Songs machen wollten”, freut sich Sänger Alex. Zu Tee und Keksen hat er eingeladen, um bei sich Zuhause zusammen mit Gitarrist Timo über die Arbeit im Hamburger Electric Avenue Studio zu berichten. Der neue Schlagzeuger Caddy und Bassist Herr Pohn müssen sich derweil noch immer um andere Dinge kümmern. Schließlich soll Ende März bereits ‘Chateau Schrottgrenze’ in den Läden stehen!

Der Plattenschrank von Alex ist dagegen schon ordentlich gefüllt und enthält auch einige Überraschungen. Auf der Homepage von Schrottgrenze gibt der 26-Jährige als essentielle Alben neben Guided By Voices, The Cure, Sonic Youth und Beck überraschenderweise auch Undergroundrapper Sensational an. Im Badezimmer hängt allerdings dann doch das Cover der ‘Renegade’-LP von Thin Lizzy an der Wand, welches Schrottgrenze 2003 zum Titel der eigenen Platte ‘Vaganten Und Renegaten’ inspiriert hat. Zeugnis des aktuellen kreativen Prozesses ist allerdings ein Poster an der Zimmertür, auf dem diverse Songtitel notiert sind. “Wir haben eigentlich immer irgendwelche Rituale, wenn wir was aufnehmen. Als wir für gut zwei Monate quasi zu Tobias ins Studio gezogen sind, haben wir da erstmal Poster aufgehängt, um die Songtitel darauf zu schreiben. Es wurde immer notiert, was aufgenommen wurde, damit anhand dieses physischen Materials zu sehen war, wie das Album gewachsen ist.”
Dabei ist Vieles auch noch spontan im Studio entstanden. So hat Alex dort noch sehr viel an den Texten gearbeitet – während die anderen nebenan schon die Musik aufgenommen haben. Auch L.H. Müller, früher selbst Gitarrist bei Schrottgrenze und nun als Toningenieur mit im Studio, feilte parallel dazu am Sound. Das Ganze war so eine Art Kreativ-Camp, in dem es außerdem noch viel zu entdecken gab, wie Timo erzählt. “Das Studio von Tobias war wie für uns geschaffen, denn er hortet dort auch Tonnen von Instrumenten, die wir selbst davor noch nie gesehen haben. Dadurch konnten wir sie da einfach mal ausprobieren.”

Um den Stücken einen besonderen Klang zu verleihen, kamen so selbst ungewöhnliche Dinge wie das elektromechanische Tasteninstrument Melotron oder das elektronische Thermin zum Einsatz, das ohne körperliche Berührung gespielt wird. Trotz dieses experimentellen Ausprobierens ist die grundlegende Haltung zur Musik aber gleich geblieben. Obwohl Punk-Songs echt das Letzte sind, was Schrottgrenze jetzt machen wollen. “Das können andere bestimmt auch besser. Wir können einfach gar nicht mehr das Gefühl von früher zurückholen, als wir solche Songs noch geschrieben haben. Es gilt bei uns jedoch noch immer die Maxime, das zu machen, was wir gerade fühlen. Das ist natürlich immer ein Spagat, denn es gibt viele Leute, die die älteren Platten von uns kennen und von daher vielleicht wieder überrascht sein werden. Es geht aber immer noch darum, Persönliches rein zu bringen, auch wenn das Ecken und Kanten hat. Diese Art geschärfte Haltung kommt mit Sicherheit noch aus unseren Anfangstagen.”
Text: Holger Köhler