Wenigstens auf dem Papier ist nun endlich der Frühling da. Junge, schneidige Kerle erobern in den ersten Sonnenstrahlen ihr Revier nicht nur in den Parks und Straßencafés des Landes, sondern natürlich auch im Kino. Gleich eine ganze Reihe männlicher Protagonisten steht jedenfalls im Zentrum der in dieser Woche neu anlaufenden Filme, in denen sie nicht nur um die Gunst des Publikums buhlen, sondern nebenbei auch Hollywood und den Rest der Filmwelt aufmischen wollen. Also gucken wir doch mal genauer hin, was diese Burschen so auf dem Kasten haben – und wer von ihnen auch im Sommer noch von sich Reden machen wird.

Besonders im Auge behalten sollte man vor allem Mathieu Amalric, und das nicht nur, weil der Franzose als gelähmter Protagonist im sensationell guten „Schmetterling und Taucherglocke“ von Julian Schnabel mit einem bloßen Augenlid sämtliche Kollegen dieser Woche an die Wand spielt. Auch zum Ende des Jahres, wenn die ersten Frühlingstage längst vergessen sind wird wieder jeder über diesen charismatischen Schauspieler sprechen. Dafür kann man jetzt schon seine Hand ins Feuer legen, denn Amalric spielt dann niemand Geringeren als 007s Gegenspieler im neuen Bond-Abenteuer „Quantum of Solace“.

Hayden Christensen sollte sich seiner Sache dagegen nicht so sicher sein. Immerhin galt er schon vor Jahren als potentieller Superstar, nachdem ihn George Lucas für die Rolle des Anakin Skywalkers in den letzten beiden „Star Wars“-Filmen entdeckt hatte. Leider musste er dort seine Frisur mit einem unsäglichen Zöpfchen ruinieren, und es gilt noch aufzuklären ob da ein Zusammenhang besteht zu der Tatsache, dass keiner seiner anschließend gedrehten Filme in die deutschen Kinos kam. Jetzt spielt er in „Jumper“ einen Mann mit teleportischen Fähigkeiten und die Haare sitzen bestens, aber als Fantasy-Action-Spektakel ist das Ganze noch unfreiwillig komischer als alle „Krieg der Sterne“-Aufgüsse zusammen.

Mit peinlichem Gelächter hat auch Ryan Reynolds so seine Erfahrungen, immerhin gelang ihm der Durchbruch mit dem deftigen Schenkelklopfer „Party Animals – Van Wilder“. Auch die verwirrt- ausdruckslose Mimik Christensens hat der Ex von Alanis Morrissette ganz gut drauf, wie aktuell „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ beweist. In der eigentlich sehr netten romantischen Komödie ist er weder als Papa noch als Liebhaber besonders glaubwürdig. Für Gesprächsstoff wird Reynolds allerdings auch künftig sorgen, denn schon im Sommer ist er neben Julia Roberts in „Zurück im Sommer“ zu sehen.

Noch rosiger sieht die Zukunft für einen Kollegen aus, der ebenfalls Ryan heißt und aus Kanada kommt. Ryan Gosling nämlich dürfte momentan eines der größten Talente sein, das in Hollywood vor der Kamera steht. Als Beweis für diese These dient nicht nur „Lars und die Frauen“, der seit kurzem in den Kinos ist, sondern auch das in dieser Woche anlaufende Drama „Half Nelson“. Die Oscar-Nominierung im letzten Jahr für seine Leistung als drogenabhängiger Lehrer war jedenfalls mehr als verdient, wovon man sich nun besser spät als nie auch bei uns überzeugen kann.

An einen Oscar lässt sich im Zusammenhang mit Dwayne „The Rock“ Johnson derzeit irgendwie schwerlich denken, aber wer weiß. Schließlich hatte dem ehemaligen Wrestler auch kaum jemand zugetraut, dass er überhaupt das Zeug zum Filmstar hat. Doch auf den Spuren von Vin Diesel ließ er erst im Actionkino seine Muskelberge spielen und geht nun einen Schritt weiter, indem er in „Daddy ohne Plan“ mit putzigen Kindern und Tieren über die Leinwand tollt. Für Diesel stand danach prompt eine Karriereflaute auf dem Programm, aber Johnson ist Dank einer Rolle in „Get Smart“ zumindest für den Sommer abgesichert.

Wem das nun alles doch zu viel Testosteron zum Winterende ist, dem sei noch kurz „Meer is nich“ empfohlen. Das ist ein kleiner Film aus und über die ostdeutsche Provinz, in der Lena keinen Bock auf Abitur und Zukunftsplanung hat, sondern lieber mit ihren Freundinnen Musik machen möchte. Das ist ebenso schwungvoll wie musikalisch erzählt und lebt nicht zuletzt von der wunderbaren, jungen Hauptdarstellerin Elinor Lüdde. Auch von der wird man, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, in Zukunft noch etwas hören.

Text: Patrick Heidmann