Moke-Sänger Felix Manguinn über die Musik in Holland, das neue Album und die verschiedenen Dimensionen ihrer Band.

In ihrer Heimat sind die Jungs der Amsterdamer Britpop-Band Moke bereits Superstars. Das Debütalbum „Shorland“ erhielt Goldstatus, es folgten Touren mit Paul Weller und eine nicht ganz unerhebliche Begegnung mit Karl Lagerfeld. Der kleidete Moke kurzerhand neu ein und verschaffte ihnen das Prädikat „Best Dressed Band“. Segen und Fluch gleichermaßen, denn jeder der Moke kennt, weiß von diesem Fakt. Deshalb wird die Band gern – fälschlicherweise – als Lagerfelds Ziehkind gesehen. Am 30.04. haben Moke nun ihren Zweitling „The Long And Dangerous Sea“ vorgestellt. Eingespielt mit einem Symphonieorchester und bestückt mit Bildern des Starfotografen Anton Corbijn geht es so in die zweite Runde und wieder zurück auf Tour. Während die holländische Heimat ausgiebig von der Band bespaßt wird, fallen die Auftritte in Deutschland erst einmal ziemlich schmal aus. Nur ein Auftritt in Bonn steht auf dem Programm. Doch keine Angst: Im Interview mit motor.de verriet Sänger Felix Manginn, dass im Spätsommer noch einige Gigs geplant sind und dass auch die deutschen Fans in den Genuss kommen werden, das neue Material live zu hören – und zwar nicht nur die rheinländischen.


motor.de: Die Band Moke wurde 2003 gegründet. Du kommst ursprünglich aus Irland. Wolltest du in Amsterdam von Anfang an eine neue Band gründen, oder warst du nur genervt von Guinness und Folk-Musik?

Felix: (lacht) Von dem schwarzen Zeug werde ich nie genug bekommen und Folk-Musik liegt einfach in meinem Blut. Ich höre die auch in den Songs von Moke raus, auch wenn alle anderen das nicht tun.

motor.de: Wie ist die Band, in der heutigen Konstellation, zusammengekommen?

Felix: Ich hab unseren Gitarristen Phil im Paradiso kennen gelernt – einem Club in dem wir uns öfter sahen, weil wir immer zu den gleichen Konzerten gingen. Irgendwann fand ich heraus, dass er auch in einer Band spielte. Rob, unseren Drummer, kannte ich schon vorher. Er spielte auch schon in meiner alten Band. Über Freunde und Freunde von Freunden kamen die Anderen dazu.

motor.de: Phil hat mal gesagt, dass er nur noch mit dir zusammen Musik machen will, wenn es um Brit-Pop geht, da alle Anderen nicht in der Lage sind, diese Art Musik zu machen. Gibt es zu wenig gute Musiker in Holland?

Felix: Ich glaube er meinte das eher anders: In einer authentischen Band sollte man auch in seiner Muttersprache singen, da man so die Möglichkeit hat, viel mehr Ausdruck in die Texte zu legen. Ich komm aus Belfast. Wenn ich singe oder Texte schreibe, ist das ein ganz natürlicher Prozess. Ich glaube, er möchte nur keine holländischen Typen, die auf Englisch singen, in seiner Band haben.

Moke – “Here Comes The Summer”

motor.de: Wie steht es um die Musikszene in Hollands Hauptstadt Amsterdam generell?

Felix: Es gibt eine Menge aufstrebender Bands. Amsterdam hat eine sehr lebhafte Musikszene, aber leider nur wenige Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands.

motor.de: Kannst du dich an deinen ersten Gig mit Moke erinnern?
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Felix: Ja, kann ich noch gut. Wir traten 2005 in einer Bar Namens “The Stam” in dem kleinen Ort Joure auf. Ich weiß das noch so genau, weil ich nur ein paar Tage zuvor bei einem Benefiz-Konzert zu Ehren des Outsiders-Sängers Wally Tax war. Er verstarb im April 2005.

motor.de: Lass uns über Euer neues Album reden. Das Cover wurde von dem bekannten Fotografen Anton Corbijn designt, der unter anderem schon die Stones und Sinatra vor der Linse hatte. Wie kam es dazu?

Felix: Wir haben über einen Freund die Nummer in Erfahrung gebracht und ihn einfach angerufen. Er hat zwar kurz gezögert, da er ja eigentlich keine neuen Bands mehr fotografiert, aber nachdem er uns im Fernsehen sah, hat er zugestimmt. Scheinbar haben wir ihn irgendwie beeindruckt.

motor.de: Was war der Grund dafür, “The Long And Dangerous Sea” mit einem großen Orchester einzuspielen?

Felix: Wir wollten einen monumentalen Klang und ohnehin schon immer mit einem Orchester zusammenarbeiten. Bei größeren Auftritten haben wir bemerkt, dass unser Sound noch eine zusätzliche Dimension hat, die nun von einem Orchester perfekt ausgefüllt wird.

motor.de: Der Name Eures ersten Albums “Shorland” ist gleichzeitig die Bezeichnung eines nordirischen Militärfahrzeugs. Steckt hinter “The Long And Dangerous Sea” eine ähnlich schwerwiegende Bedeutung?

Felix: Ja, der Titel bezieht sich auf die Auswanderungswelle in Irland, während der Hungersnöte im 18. Jahrhundert. Viele Familien suchten ein besseres Leben in der „Neuen Welt”. Auf der Reise in überfüllten Schiffen starben viele Menschen, da es auf Grund der schlechten hygienischen Bedingungen viele Krankheiten gab. Die Leichen der Opfer wurden einfach über Bord geworfen. Die Überlebenschancen auf diesen Schiffen waren sehr gering.

motor.de: Ich weiß, dass ihr damit sehr häufig konfronziert werdet, jedoch auch von meiner Seite nochmal eine Frage dazu: Karl Lagerfeld hat euch zur “Best Dressed Band” gemacht. Wie wichtig ist Mode in Eurer Band?

Felix: Sie ist nicht so wichtig wie die Musik, aber wir mögen Mode und ihre unterschiedliche Trends. Ich bin ein großer Fan von 50er und 60er Klamotten. Ich mag dieses Rocker-Ding, aber auch die Mod-Sachen, mit denen ich aufgewachsen bin. Insgesamt sind wir aber nicht so modeinteressiert, wie uns immer nachgesagt wird.

Moke – “Switch”

motor.de: Ihr spielt in diesem Jahr nur einen Gig in Deutschland, beim Rheinkultur Festival in Bonn. Sind noch mehr Gigs bei uns geplant?

Felix: Ja, wir planen eine Club-Tour durch Deutschland im Spätsommer.

motor.de: Welches Album hörst Du zur Zeit am liebsten?

Felix: Die aktuelle Platte von Ian Brown, „My Way”.

motor.de: Was steht für Moke im Jahr 2010 noch an?

Felix: Wir spielen eine Menge Festivals, touren mit Paul Weller und wir müssen ein Album mit dem „Dutch Metropole Orchester“ einspielen. Es gibt viel zu tun.

motor.de: Was lässt sich die Musik von Moke am Besten zusammenfassen?

Felix: Sie ist ehrlich, kommt direkt von Herzen und lässt dich mit einem guten Gefühl zurück!

motor.de: Gibt es etwas, das Du unseren Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?

Felix: Lächel! Es ist kostenlos, geht ganz einfach und erfreut jeden den du triffst.

Interview: Alex Beyer
Text: Christoph Berger