Der schwedische Northern-Soul-Sänger Moneybrother alias Anders Wendin hat auf seinen ersten beiden Langspielplatten vor allem Herzschmerz verbreitet, was ihm gewaltigen Erfolg in Schweden und auch in Deutschland bescherte, besonders bei der weiblichen Hörerschaft. Sein drittes reguläres Album verbreitet endlich mehr positive Energie, und erinnert an seine Vergangenheit als Punkrocker…

So oder so wird ‘Mount Pleasure‘ ohne Zweifel ein weiterer durchschlagender Erfolg werden, denn Moneybrother hat natürlich wieder alle Ingredenzien dabei, die seine Fans an seinen Liedern lieben – einschmeichelnde Melodien, mitreißende Hintergrundchöre und so viel Soul in der Stimme, dass Gott erbarm. Der Titel des Albums, ‘Mount Pleasure’, spielt auf einen Berg auf einer Karibikinsel an, die Anders auf seinen Reisen besuchte. Mehr noch geht es aber um die Freude am Leben, die von den meisten Stücken ausgeht – ganz anders als viele der traurigen oder melancholischen Lieder der Vorgängeralben. “Die Platten davor waren sehr mit der Sehnsucht nach einer verflossenen Liebe beschäftigt”, erzählt Anders. “Wenn es ein übergreifendes Thema auf ‘Mount Pleasure’ gibt, dann vielleicht, wie es ist, wenn man sein Leben genießt, nachdem man über den Trennungsschmerz hinweggekommen ist. Auf Tournee gehen, saufen, Mädchen treffen. Die Scheibe spiegelt Perioden im Leben wieder, in denen man mit seinen Kumpels in der Kneipe rumhängt. Für mich war das gar nicht so einfach. Sie ist auch die erste meiner Platten, die sich damit messen kann, wie ich mich live anhöre. Es ist eine sehr gemischte Scheibe. Der Klang ist perfekt. Alles stimmt einfach.”

Tatsächlich hört sich Moneybrother auf ‘Mount Pleasure’ wieder viel rockiger an. Verschwunden sind die Streicher und der Bombast, der noch den Vorgänger ‘To Die Alone’ dominierte. Dafür wird öfter mal das Tempo angezogen und sichtlich mehr Freude am Spiel gezeigt. Genaugenommen klingt das Ganze streckenweise wie ein neues Album von Monster, der Band, in der Anders vor seinem Soloprojekt bis zum Jahr 2000 gesungen hat – allerdings ohne den kommerziellen Erfolg, der ihm mit Moneybrother beschert wurde. “Ja, Monster könnten sich heute so anhören, wie sich Moneybrother anhört. Und Monster könnten vielleicht genauso erfolgreich sein. Ich hatte einfach wahnsinniges Glück mit Moneybrother.” Moneybrothers größtes Pfand zum Wuchern sind allerdings seine unschlagbaren Liveauftritte. Auch Leute, die sonst mit Soul und Fistelgesang nicht so viel anfangen können, können sich der umwerfenden Bühnenpräsenz des charismatischen Schweden nicht entziehen. “Platten sind für mich nur ein notwendiges Übel – Konzerte sind das Wichtigste! Ich liebe es, mit dem Publikum zu interagieren, die Energie aufzunehmen, die mir entgegengebracht wird. Auch deshalb habe ich diesmal viel Wert darauf gelegt, dass die Platte möglichst so klingt, wie wir auch live rüberkommen.” Das ist durchaus gelungen, und wer zweifelt, kann sich den Herrn Geldbruder ja erst mal live auf der im Oktober anstehenden Tour anschauen.

Text: Hans Vortisch