Fast hätte es den ehemaligen absoluten Kein-Kostverächter-Kopf Dave Wyndorf in einer völlig legalen Konsum-Kategorie hingerafft: Powernappin’ on Extrem-Barbituraten führte vor gut anderthalb Jahren zum üblen Überdosis-Aus der geplanten Europa-Tour und der neuen Album-Veröffentlichung. Mittlerweile glücklicherweise genesen, bleiben Monster Magnet und ihr Chef mit “4 Way Diablo” auch nach sieben Alben ein unumstößlicher harter Stoner-Stein im psychedelischen Hard Rock.

Der Scheiß fing schon viel früher auf Tour an“, erklärt der einstige Dauerbreit-Dave, der mit seinen 51 Lenzen und nunmehr elf gesetzlich cleanen Jahren schon so manch pralle Erfahrungen hinter sich hat, auf die Frage nach seinem bisher größten Absturz.
Da ich ja außer Frauen nichts mehr nehme, war ich nach den Shows immer noch in so einem Adrenalinhoch, von dem ich nicht mehr richtig runter gekommen bin. Also hab ich mir was verschreiben lassen. Und zwar Tabletten, die einen sofort runterfahren, von Hundert auf null. Man wirft eine ein und – zack – pennt man weg.
Schlafen mit Kopfdruck auf Pillen-Einwurf – für einen konditionierten Sucht-Kandidaten natürlich ein fatales Rezept.
Irgendwann hab ich dann einfach mal die ganze Packung verputzt. Tja, und dann war erst mal Ende.
Wie oben beschrieben in vielerlei Hinsicht.

Glücklicherweise hat sich Dave inzwischen ge- und mit “4 Way Diablo” gar ein aufgeweckt frisches, formidables Monster Magnet Album auf Tonträger eingefangen, welches ganz klar und ziemlich zielgradig den Helden des klassischen Siebziger-Rocks huldigt. Nirgends woanders wirkt ein Cover vom ansonsten kritisch vehement verhasstem Spätsechziger-Stones-Go-Beatles Album “Their Satanic Majesties Request” wie “2000 Light Years From Home”so perfekt eingebunden und passend intoniert wie hier.
Haha, das stimmt, die Platte finden fast alle Stones-Fans irgendwie scheiße. Aber wir haben den Song schon länger auf dem Plan und ich habe erst im Nachhinein gemerkt, wie passend er auch auf meine Situation war.
Den Rest des Albums bestreiten zudem Eigenkompositionen, die Herr Wyndorf schon länger auf dem Schirm hatte.
Ich bin bei dieser Platte zu vielen Ideen und Ansätzen zurückgekehrt, die ich einfach hatte schlummern lassen. Manches hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber nach meinem Entzug hat die Band den ganzen Sachen dynamisch neues Leben eingehaucht und ich habe dann neue Texte dazu geschrieben.
Texte, die genau das Reflektieren, was Dave durchgemacht hat und in ihrer lyrischen Letztendlichkeit genau das wiedergeben, was die Songs musikalisch darstellen: Eine Rückkehr zu(r) Form, Frische und Farbe.

Monster Magnet sind zurück, auch wenn Mastermind Dave seine musikalische Zukunft künftig nicht ganz allein unter das Zeichen dieses Markennamens stellen möchte.
Ich weiß, dass ich in nächster Zeit definitiv nicht mehr soviel Touren will. Das ist allein daher schon gefährlich, weil es für mich so was ist, wie an den Ort des Verbrechens zurückzukehren. Ich möchte viel lieber mehr als Songwriter arbeiten und musikalisch auch noch ganz andere Sachen angehen, vielleicht sogar außerhalb von Monster Magnet.
Bestes Beispiel des vorliegenden siebten Albums ist mit Sicherheit das instrumentale “Freeze and Pixillate“, bei dem Daves anderweitige Arrangement-Ambitionen dezent aufblitzen.
Für den alten Rock-Fachmann ist jedenfalls bezüglich der allgemeinen Zukunftsaussichten der Musikindustrie eines völlig klar: “Momentan haben wir das Problem, dass das Medium und nicht der Inhalt zum eigentlichen Idol geworden ist. Der Star unserer Zeit ist nicht der Künstler, sondern der iPod. Leute bemessen Musik nicht mehr nach ihrer Qualität sondern nach der Anzahl von Gigabyte, die sie mit sich rumschleppen. Und keiner hört den ganzen Kram mehr, es geht nur noch ums Sammeln an sich. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sehr bald auch wieder eine Gegenbewegung aus dem Untergrund kommen wird und irgendeine Band das Ruder wieder rum reißen wird – und dann wird es eine Rückbesinnung auf Inhalt und Form und nicht den Träger geben.
Bis dahin hören wir dann doch lieber Monster Magnet. Allerdings nicht zum Einschlafen.

Text: Frank Thießies