Cerys Matthews sitzt in einer kleinen Lounge über dem Berliner Ku’damm und sieht sechs oder sieben Jahre nach ihrem letzten Besuch in der Hauptstadt ausgesprochen zufrieden aus. Das ist verständlich, denn nach der plötzlichen Auflösung von Catatonia und dem überstürzten Umzug in die USA hat die walisische Sängerin persönliches Glück gefunden und veröffentlicht zudem nun mit ‘Never Said Goodbye’ ihr zweites Soloalbum, auf dem sie nicht nur mit neuen Sounds spielt, sondern auch Frieden mit der eigenen Vergangenheit schließt. Cerys Matthews über die wichtigsten Stücke der Platte…

Streets Of New York – “Der Song legt den Grundstein für das Album, das sehr anders ist als ‘Cockahoop,’ anders als Catatonia. Das lange Intro führt diesen riesigen Drum-Sound ein, diese irrsinnigen Basslinien und wilden Arrangements. Ich bin mir sehr bewusst, dass mein Songwriting eher traditionell ist, deswegen wollte ich ein Album machen, das anders klingt als der Rest.”

A Bird In Hand – “Ich habe dieses Stück in South Carolina geschrieben, nachts, währen mein Baby schlief. Ich saß unter diesen gewaltigen Eichenbäumen und verspürte plötzlich zum ersten Mal in vielleicht zehn Jahren ein Gefühl der Zufriedenheit. Es war das erste Mal in all dieser Zeit, dass ich mich länger nur an einem Ort aufhielt, und ich ließ die Welt sich einfach um mich drehen anstatt ihr wie vorher ewig hinterherzulaufen.”

Oxygen – “Dieser Song hat letztlich wirklich das ganze Album verändert. Bis zu diesem Moment war die Platte eher folkig und weitaus weniger gewaltig, sondern eher zurückgenommen und von schlichter Schönheit. Aber bei diesem Song lief im Studio plötzlich alles aus dem Ruder, ich fing an, immer lauter zu singen. Und ich mochte es! Ich arbeitete zu dem Zeitpunkt mit vielen Musikern zusammen, die meine früheren Arbeiten nicht kannten, und als ich aus dem Studio kam, standen sie fassungslos vor mir und riefen: ‘Was war das denn eben!?” Ab diesem Augenblick dachte ich: ‘Okay, vielleicht ist es an der Zeit, diesen Teil von mir neu zu entdecken.'”

Ruby – “Dieses Stück handelt von South Carolina, diesen wahnsinnig schönen Bundesstaat der USA mit seinem riesigen, riesigen rotem Himmel. Man empfindet dort ein enormes Bewusstsein für Geschichte, für den andauernden… [lange Pause] andauernden… Man fühlt die Geschichte der Sklaverei förmlich, und wie kurz diese erst zurückliegt. Die Schönheit der Landschaft und das ihr innewohnende Unbehagen… das ist wie eine Hassliebe… ein bittersüßes Gefühl.”