Den Erlebnisberichten vom Donnerstag und Freitag, hier nun die Eindrücke vom Samstag.

Den Samstag beginnen wir mit Moss auf der Mainstage und lauschen daraufhin Alex Winston vom Pressebereich aus. Zwischendurch treffen wir Timber Timbre-Kopf Taylor Kirk zum Interview. Uns begeistern die neuen Destroyer-Songs. Die achtköpfige Band, bestehend aus Menschen, die unterschiedlicher nicht seien könnten, scheinen Spaß an der Sache zu haben und das überträgt sich aufs Publikum.

Die holländische Band Moss in Aktion…

…genauso wie Daniel Bejar, besser bekannt als Destroyer.

Wir müssen leider schon nach wenigen Songs gehen, um Timber Timbre im Spiegelzelt zu erleben und dann wieder zu wechseln, weil James Blake die Hauptbühne bespielt. Wir verpassen den Songwriter Dan Mangan, weil wir Casey von den Fleet Foxes zum Interview treffen, hetzen daraufhin Backstage, trinken ein Bier mit James Blake während im Hintergund La Brass Banda spielt. Sowohl Blake als auch sein Manager scheinen den Sound der bayrischen Blaskapelle zu mögen.

Das Werkzeug von Timber Timbre

Nach dem Interview spielen Wir sind Helden. Wir sehen sie nur von sehr weit weg, sprechen im Anschluss ans Konzert aber mit vielen begeisterten BesucherInnen. Die Band um Judith Holofernes haut sämtliche Hits raus und baut zusätzlich noch “Heartbeats” und “These Boots Are Made For Walking” ein.

Ein weiteres Highlight des Festivals liefert Hauschka im Spiegelzelt. Während des Konzerts suchen wir die Bühne immer wieder nach einem versteckten Floh-Orchester ab. Wie kann man zu dritt so großartige Klangkonstrukte bauen? Volker Bertelmann experimentiert mit Sounds wie kein anderer und bittet dabei charmant zum Tanz. Er beendet sein Set mit “Ping”, einem Stück, für das er Ping-Pong-Bälle über die Saiten seines Flügels hüpfen lässt. Das klingt nicht nur verrückt, sondern sieht auch noch gut aus.

Wir beobachten die Warpaint-Grazien beim Pommes essen im Biergarten, verlassen diesen Ort aber früh, um noch einen guten Platz vor der Hauptbühne zu erwischen. Der lang ersehnte Fleet Foxes-Auftritt gestaltet sich noch besser als erdacht. Atmosphäre im Publikum, Uhrzeit, Licht, Sound und Konzert-Länge – alles passt. Während des eineinhalbstündigen Sets freuen wir uns ein paar Mal, am Leben zu sein. Das reicht dann vorerst aber auch mit Hippie-Kram.

Explosions In The Sky beenden den Abend auf der Mainstage. Es ist recht leer vor der Bühne, der Headliner dieses Samstags vielleicht ein bisschen gewagt. Trotz krasser Erschöpfungserscheinungen bleiben wir bis zum Ende da . Die Show der Postrock-Größen lässt uns wie angewurzelt genau da stehen bleiben, wo wir waren, als das Konzert begann. Wir beenden das Festival mit Agnes Obél im Biergarten, schlafen ein paar mal fast ein und stolpern totmüde in Richtung Zelt.

Nachwort

Beim Haldern Pop Festival handelt es sich um ein süßes, liebevoll gemachtes Festival, bei dem es in erster Linie um Musik geht. Das merkt man vor allem am Publikum. Festivaltouristen und Bierzeltidioten trifft man hier höchst selten. Stattdessen begegnet man in Haldern (fast) ausschließlich MusikliebhaberInnen aller Altersgruppen. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Sogar die Toilettensituation stimmt in diesem Jahr einigermaßen.

Das ganze Dorf scheint in die Organisation des Festivals eingebunden zu sein, Kinder werden Backstage bespaßt, während ihre Eltern Bier zapfen. Mit der Pfarrkirche, der Haldern Pop Bar und den Spiegelzelt hat das Festival am Niederrhein zudem ein paar ausgefallene Veranstaltungsorte im Angebot, die für die Exklusivität des Festivals sprechen. Ausgefallen ist auch die Moderation. So werden die Gigs auf der Mainstage von einem Mittfünfziger aus den Niederlanden angekündigt, der mit sympathischen Akzent durch das Programm leitet. Haldern ist wunderbar, scheiß auf’s Wetter!

»Hier geht’s zum Donnerstag und
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Vom Haldern Pop Festival berichtete für euch Lydia Meyer.