Fotos, Videos und Informationen – die lückenlose Berichterstattung des Freitags fortzusetzen, war mir leider allein zeitlich nicht möglich. Daher gehe ich hier nun nur auf die (miterlebten) Highlights vom Samstag und Sonntag ein.

Highfield 2009 – der Samstag


Mitreißender Offbeat aus Mexiko: Panteón Rococó

Einen der Höhepunkte am Samstag, worüber sich auch die Künstler Backstage sehr einig waren, stellten Panteón Rococó dar. Die Mexikanische Latin-Ska-Band blickt auf 13 Jahre Historie zurück und hat mit ihren Uptempo-Stücken nicht nur für eine Genre-Erweiterung des Highfields, sondern vor allem für die üblichen Staubwolken über der springenden Masse gesorgt.

Brav geht die Masse bei Panteón Rococó in die Knie

Hinter der Bühne ließ sich Noodles, der Offspring-Gitarrist, später zum Panteón-Kommentar “Santana on speed” hinreißen und Farin Urlaub plauderte sogar eine ganze Weile im fließenden Spanisch (oder war es Portugiesisch?) sehr angeregt mit Vertretern der Gruppe.

Noodles (The Offsping) Backstage beim WarmUp

Apropos Genre-Erweiterung: Als Vampire Weekend gegen 19.15 Uhr die Mainstage enterten, stellten sie abermals unter Beweis, dass Indiepop durchaus kompatibel mit Afrobeat und Weltmusik ist. Eine Stunde rockten sie engagiert bis der Umbau zum ersten richtig großen Headliner des zweiten Festival-Abends begann.

Ezra Koenig (Vampire Weekend) beim Sonnenuntergang

Pünktlich um 20:45 Uhr war es dann soweit. Das Farin Urlaub Racing Team übernahm und wo vorher noch Platz vor der Bühne war, herrschte nun Gedränge. Sympathisch, witzig, treibend – kurzum: ein klassischer FURT-Gig.

Im Anschluss spielten die eigentlich hierzulande mittlerweile weniger aktuellen Offspring. Überraschenderweise hatten sie die geschätzten 15.000 Leute vor und um die Bühne gut im Griff: “Give It To Me Baby. A-Ha, A-Ha” kam wie aus einem Mund und bei der letzten Zugabe “Self Esteem” zeigte sich auch die nachgewachsenen Indie-Generation erstaunlich textsicher.

The Offspring sahnen die warmgelaufene FURT-Massive ab

Den Abschluss des Sonnabends übernahmen die für eine diesjährige Europatour wiedervereinigten Faith No More, die, wie Offspring, eigentlich einem anderen Jahrzehnt entnommen schienen. Das Rockmusik jedoch zeitlos sein kann und “Easy” wirklich jeder kennt, ohne zu wissen, dass das Original ein Soul-Klassiker der Commodores (Lionel Richie) ist, wurde überzeugend unter Beweis gestellt.

“I’m easy like sunday morning!”

Highfield 2009 – der Sonntag

Auch am Sonntag war dem vorraussichtlich letzten Highfield in Hohenfelden (unter anderem ein Umzug in die Nähe von Leipzig ist im Gespräch) das gute Wetter gewogen.
Neben den natürlichen Strahlen sonnte sich Jan Plewka von Selig vor allem in der Begeisterung der jungen Fans. Ob alte oder neue Songs (das Set war sehr ausgeglichen) – Selig spielten am Sonntag Nachmittag als hätte eine zehnjährige Pause nie statt gefunden. Das deutsche Comeback des Jahres?!

Jan Plewka (Selig): “Wenn Ich Wollte…”

Gegen frühen Abend bekam das Highfield mit Apocalyptica dann eine etwas schwerere, düstere Note. Die finnischen Cello-Metaler präsentierten in gewohnter Manier ihre musikalisch anspruchsvollen und dennoch mitreißenden Interpretationen von Legenden wie Metallica oder Slayer.

Die Götter des Cello-Metal in Action

In der fortschreitenden Dämmerung waren es dann die deftigen Deftones, die ordentlich Druck machten. Sergio Vega, ein Freund der Hardrocker, sprang kurzerhand für den verunfallten Bassiten Chi ein. Wann er wieder zur Band stößt und wie es mit einem neuen Album aussieht, interessierte den feiernden Mob in dem Moment eher weniger.

Chino Moreno (Deftones) nutzt die Bühne auf der Bühne

Auch wenn die Stimmung bei Einbruch der Dunkelheit schon recht gut angeheizt war, den Hardcore-Jungs von Rise Against reichte das nicht. Warum es bis dato keinen anständigen Circle Pit geben würde, fragte Frontmann Tim McIlrath die nach dem Deftones-Gig etwas jünger gewordenen Fans und setzte damit den wohl größten Wirbel in der Menschemenge des diesjährigen Highfields in Gang.

Rise Against fordern vollen Einsatz vom Highfield 2009

Als die Uhr am Sonntagabend dann 10 geschlagen hatte, setzten die Toten Hosen dem Spektakel bei Erfurt ein würdiges Ende. Die Zeltbühne befand sich schon fast im Abbau (Patrick Wolf spielte dort noch seine letzten Songs) und es schien, als ob jeder Besucher die übrigen Kraftreserven mobilisiert hätte, um, wie nah auch immer, der Show der deutschen Punk-Legenden beizuwohnen.

Vor allem Sebastian aus Magdeburg dürfte an diesem Tag einen der denkwürdigsten Momente seines Lebens gehabt haben, als er von Campino auf die Bühne geholt wurde. Der Mittzwanziger sollte das Gerücht bestätigen, dass eigentlich jeder ne Tote Hose sein kann und meisterte schließlich überraschend gut die ihm übertragene Aufgabe. Ob allein oder im Duett – der Magdeburger hielt sich wacker am Mic, eine Dose Bier sollte sein Lohn sein.

Campino kletterte diesmal übrigens bei “Alex” nicht auf das Bühnendach – sehr zur Freude des Managers

Da es sich um das letzte Highfield in dieser Form handele, müsse es auch eine ausgiebige Beerdigungsfeier geben – so das Motto der Hosen, die ihr Set mindestens um eine halbe Stunde überzogen.

Wer nach dem letzten Gig (kurz nach 12) noch immer nicht genug hatte, gab im Discozelt auf dem Zeltplatz zum All-You-Can-Dance sein Bestes – in den frühen Morgenstunden verstummte dann aber auch die letzte heisere Kehle.

Fazit: Ein würdiges letztes Highfield ohne Unfälle oder größere unangenehme Vorkommnisse. Bleibt die Frage, wo und wie es im nächsten Jahr weitergeht, denn über die Jahre hat sich zum Event nicht nur eine große Firma, sondern auch eine Familie (sowohl auf Fan- als auf Macherseite) entwickelt, die sich nach Fortbestand sehnt…

Bericht: Kai-Uwe Weser
Fotos: Heiko Paulick

Die ersten drei Berichte vom Highfield?
Here we go:
Highfield mit motor.de Teil1
Highfield mit motor.de Teil2
Highfield mit motor.de Teil3