Angeblich haben weltweit 50 Millionen Menschen den Roman gekauft, also wird schon etwas dran sein an dem Brimborium, das seit Wochen um „The Da Vinci Code – Sakrileg“ veranstaltet wird. Und was wird nicht alles veranstaltet für die Kinoversion von Ron Howard: Gerichtsprozesse wegen Plagiatsverdacht, Kirchenproteste noch und nöcher, die größten Plakate der Welt. Wo war eigentlich all die Aufregung, als Dan Browns Buch damals erschien? Schon komisch…

Jetzt jedenfalls kommt noch mit viel Tratra die Weltpremiere beim Festival in Cannes und dann können auch wir mit eigenen Augen sehen, ob uns packende Unterhaltung erwartet. Darf man trotz des Hypes vorsichtig skeptisch sein? Als wir uns das letzte Mal auf katholische Verschwörungtheorien freuten, kam nämlich „Sin Eater“ mit Heath Ledger dabei raus. Dass auf den Plakaten Tom Hanks’ Frisur ausgesprochen ölig und Audrey Tautou mal wieder viel zu rehäugig aussehen, macht auch nur wenig Mut. Aber wenn die Nebendarsteller (Paul Bettany! Ian McKellen! Jean Reno! Alfred Molina! Jürgen Prochnow?) genug zu tun bekommen, sollte das nicht schaden. Und so ganz verkehrt können diese 50 Millionen Leser ja auch nicht liegen.

Ob von denen eigentlich auch noch jemand die Klassiker der Weltliteratur kennt? Die könnte man diese Woche sonst auch im Kino nachholen. „Tristan & Isolde“ zum Beispiel dürfte Wagner-Fans und Germanistik-Studenten bekannt vorkommen, nun hat Kevin Reynolds daraus noch einen vermeintlich epischen Mantel-und-Degen-Film gemacht. Hauptdarsteller James Franco kennt wohl nur, wer in „Spiderman“ nicht auf Tobey Maguire geachtet hat, seine Kollegin Sophia Myles ist ein völlig unbeschriebenes Blatt und Reynolds selbst hat mit „Waterworld“ und „Monte Cristo“ reichlich Flop-Erfahrung. Gute Voraussetzungen?

Dann vielleicht doch lieber „Kabale und Liebe“, nachträglich zum Schiller-Jahr. Leander Haußmann hat sich der tragischen Geschichte der Luise Millerin angenommen und mit Nachwuchshoffnung Paula Kalenberg („Die Wolke“) und Hochkarätern wie August Diehl, Katharina Thalbach, Götz George und natürlich Detlev Buck fürs Fernsehen verfilmt. Und weil es so gut gelungen ist, gibt’s das Ganze nun auch noch im Kino.
Ebenfalls lange auf sich warten ließ „Napoleon Dynamite“, vor gut zwei Jahren ein Sensationshit in amerikanischen Kinos. Dort ist die Geschichte von Ober-Nerd Napoleon und seinen tragikomischen High School-Erlebnissen der absolute Kult und Hauptdarsteller Jon Heder ein angehender Superstar. Völlig zurecht, muss man übrigens sagen, und – nein, der Arme sieht in echt nicht ganz so mitleiderregend aus.

Auch vom Erwachsenwerden, aber ganz ohne Humor erzählt „Falscher Bekenner“, in dem Constantin von Jascheroff (noch so eine vielversprechende Nachwuchshoffnung!) aus Langeweile viele rätselhafte Dinge ausprobiert, schmierigen Raststätten-Sex zum Beispiel oder sich zu anderer Leute Verbrechen bekennen. Regisseur Christoph Hochhäusler gehört, ähnlich wie Kollege Christian Petzold, zur so genannten Berliner Schule. Das heißt, dass wenig geredet und noch weniger erklärt wird, was manchen Leuten auf den Geist, in Wahrheit aber meist von bezaubernder Poesie ist.

Und wenn es noch mehr schwere Kost sein darf, empfehlen wir mal wieder das Dritte Reich. In „Hitlerkantate“ schwankt eine junge Frau zwischen ihrer Leidenschaft für Musik und der Faszination für den Führer. Hauptdarsteller Hilmar Thate als Nazi-Komponist ist eigentlich immer sehenswert, doch was sich Regisseurin Jutta Brückner so zwischen Ideologie und Ironie hat einfallen lassen, klingt ziemlich krude – und mindestens so kryptisch wie der Da Vinci-Code.