London ist in Shoppinglaune und die Cafès in Soho sind gut gefüllt. Matthew Bellamy und Dominic Howard, gerade aus Dublin zurück gekehrt, wo sie den X-ten Award als beste Liveband gewonnen haben, versinken entspannt in die Kuschelpolster eines Science-Fiction-Hotels. Wochenendlächeln zieren ihre Gesichter und beide preisen ihre iPhones. Die Veröffentlichung ihrer Live DVD/CD „H.A.A.R.P.“ steht bevor und Muse sind sichtlich zufrieden.

Ihr seid 2007 als erste Headliner-Band im neuen Wembley-Stadion auftreten. War das der finale Ritterschlag für Muse?

Matt: Definitiv. Vor allem hier in England ist es etwas ganz besonderes. In Frankreich gab es ja auch schon ein Konzert dieser Größenordnung, doch wenn du in England aufgewachsen bist, dann weißt du welche Bedeutung dieses Stadion hat und für welche Konzerte es gebaut wurde. Ich erinnere mich an den Auftritt von Queen in den Achtzigern oder die Live Aid-Konzerte im alten Wembley-Stadion. Die Chance in Wembley zu spielen ist eine Ehre, aber auch eine große Herausforderung.

Dom: Wir haben verdammt viel Arbeit in die Show gesteckt. Die ganze Organisation, das Space-Design der Bühne, die Programmierung der Visuals. Es war eine verdammt intensive Erfahrung, fast so als würden wir an einem Album arbeiten. Für uns waren die beiden Shows dann auch wie eine Albumveröffentlichung. Nach diesem Wochenende waren wir wochenlang berauscht.

Die Show beginnt indem ihr mit einem Fahrstuhl auf eine Plattform hochgezogen werdet. Wie habt ihr euch in diesem Augenblick gefühlt?

Matt: Es war überwältigend und gleichzeitig der fürchterlichste Augenblick in meinem Leben. Die nackte Angst kriecht dir in den Nacken. Für Sekunden weißt du nicht mehr wo du bist, wer du bist. Du bist wie in Trance, hast Schiss die Noten oder die Texte zu vergessen. Dieses Gefühl hielt fast den kompletten ersten Song an. Zum Glück haben wir ‚Knights Of Cydonia’ als erstes gespielt. Die heftigen Riffs am Ende haben einen wieder in die Realität katapultiert.

Dom: Diese Plattform war ja mitten in der Zuschauermenge aufgebaut. Um zum Fahrstuhl zu gelangen, mussten wir unter diesem Steg auf allen vieren dahin kriechen. Du hast die Menge kreischen gehört und wir haben uns echt fast in die Hosen geschissen. Unsere Herzen fühlten sich wie Sprengkörper an. Zuerst wollten wir ja mit Raketenrucksäcken auf die Bühne fliegen. (lacht) Das war dann aber zu teuer und eine Genehmigung hätten wir wohl auch nicht bekommen.

Matt, In einem Interview hast du einmal gesagt, Dave Grohl wäre der Robbie Williams des Alternative Rock. Mit welchem Popstar würdest du denn gerne verglichen werden?

Matt:
(lacht) Oh, keine Ahnung, ich würde auch Robbie Williams nehmen, aber der ist ja schon vergeben. Ich kenne auch nicht so viele männliche Popstars. Ich würde wohl Justin Timberlake nehmen, da er auch Falsett singt.

Text: Steffen Meyer