Von A nach B ist immer einer relative Distanz. Vom Millionär zum Tellerwäscher (und andersherum) geht es bespielsweise manchmal schneller als man denkt. Im Falle der Myriad Creatures liegen zwischen A und B tatsächlich satte 1.100 Kilometer – das ist in etwa die Entfernung zwischen ihrer ursprünglichen Homebase London und dem 2007 angepeilten neuen Domizil Berlin.

Die Myriad Creatures sind entgegen ihrem Namen keineswegs “unzählige Geschöpfe”, sondern stattdessen vier Briten: drei Engländer und ein Schotte. Im Spätsommer 2006 – noch als Trio ohne Bassist Duncan – findet eine erste Spähreise in die deutsche Hauptstadt statt. Berlin, für deren Szene mit all ihren crazy Happenings Drummer Matt und die Gitarren/Gesangs-Doppel-Aktivisten Jamie und Andy sofort Feuer und Flamme sind. Sie beschließen, es hier einmal im großen bzw. erstmal kleinen Stil mit der Musikerkarriere zu versuchen.

Der zunächst zögerliche Duncan wird flugs überzeugt, und so klettert er mit den anderen in den Band-Van, um die gesamte Strecke in einem einzigen – für europäische Verhältnisse – gigantischen Road-Trip zurückzulegen.

Einmal in Berlin angekommen, beziehen sie ihr Band-Headquarter in einem Hinterhof in Mitte (dessen Vorderhaus besser unter dem Namen “Scala” bekannt ist) und machen sich daran, die Stadt von hinten aufzurollen. Fortan ist eine strenge Diät aus emsigem Üben, Kontakte knüpfen, Konzerte absolvieren und Parties feiern angesagt. Als der für den Hinweg benutzte ( und eine im etwaigen Falle des Scheiterns beruhigende theoretische Rückreisemethode bedeutende) Van endgültig seinen Geist aufgibt, beschließt das Quartett dies als Zeichen zu nehmen, ganz und gar Berliner zu werden. Zumindest fürs Erste.

Die Entscheidung versüßt haben dürfte ihnen dabei die Tatsache, dass besagte Diät erste Früchte zu tragen beginnt. Die Myriad Creatures erhalten hochprofilige Auftritte bei Events wie der Popkomm und der Berliner Fashion Week 2008. Hand in Hand gehen damit eine größer werdende Fangemeinde und die Gigs führen die Band sogar zu ersten Werbeverträgen. Wohlgemerkt – vor Veröffentlichung eines Debütalbums.

Einen entscheidenden Schritt weiter auf ihrem Weg dorthin kommen die Creatures, wie sie und ihre Fans sie rufen, als ihnen der semi-legendäre Produzent und ebenfalls Wahlberliner Raphael Gordon zufällig über den Weg läuft. Besitzer von Strokes-Platten dürften ihn kennen.

Gemeinsam mit ihm spielen sie ihr Debüt-Album “The Right Way To Do Wrong” ein, das am 24. Juli 2009 erscheint. Die 13 darauf enthaltenen Titel klingen nach Berlin wie London. Die Tracks erinnern an The Police, The Jam und die Klaxons – und sogar ein bisschen an die Beatsteaks. Ihre Musik ist das Ergebnis diverser Stilrichtungen: Einflüsse aus Pop, Rock, Punk und New Wave fügen sich hier zusammen und sorgen für den ganz eigenen Sound der Band.