Jahrelang wurden die deutschen EBM/Industrial-Rocker von Oomph! völlig zu Unrecht fast immer nur im Schatten von Rammstein wahrgenommen, bis ausgleichende Gerechtigkeit ihnen vor gut zwei Jahren mit dem Song ‘Augen Auf!’ einen Platin-Single Top-Hit bescherte, der infolgedessen auch dem dazugehörigen Album ‘Wahrheit Oder Pflicht’ den gebührenden Edelmetall-Status bescherte. Große Erwartungen allerseits also an das neue Werk der Wolfsburger. Aber wer Oomph! kennt, weiß eben, dass die Jungs immer für eine Überraschung gut sind.

Mit ‘GlaubeLiebeTod’ beweist das Trio erneut seine erstaunliche Wandlungsfähig- und Vielschichtigkeit und auch die erste Single ‘Gott Ist Ein Popstar’ erweist sich als ein gewaltiger Kracher in vielerlei Hinsicht. Denn in diesem treibende Song, der auf Grundlage des ‘Vater Unser’ von blindem Religionsgehorsam bis zu Pop-Branchen-Marketingmechanismen der Marke Superstar-Castings die Unmündigkeit und Unfähigkeit des kritischen Infragestellens grundsätzlich thematisiert, steckt somit nicht nur musikalisch eine gehörige Portion Zündstoff. “Auf unserer Homepage gab es im Gästebuch sogar schon einige Morddrohungen von fundamentalistischen Christen, die sich darüber beschwert haben, dass es hier die Meinungsfreiheit gibt”, so Sänger Dero. Diese war dann anscheinend auch für die Echo-Verleihungs-Veranstaltung oder die RTL-Kinderhüpfburg ‘Top Of The Pops’ nicht mehr bindend, denn Oomph! wurde im Rahmen der Mohammed-Karikaturen-Debatte mit scheinheiligen Pietätbegründungen mit einer Auftritts-Ausladung bedacht. Einen vortrefflicheren Beweis, dass die von Oomph! im Song angesprochenen Kritikpunkte mehr als gerechtfertigt sind, kann man sich eigentlich nicht wünschen. “Wir sind weiß Gott keine Antichristen – ich für meinen Tei bin Agnostiker, ich habe keine Ahnung, ob es einen Gott gibt. Aber es ist doch wichtiger, sich im Leben Fragen zu stellen, als sich vermeintlichen Antworten hinzugeben. Wir haben noch nie aus reinem Selbstzweck provoziert, das wäre zu billig. Aber es gibt immer noch genügend Ecken und Kanten in der Gesellschaft, an denen man sich reiben kann.”

Lassen wir also die Kirche im Dorf und uns durch die Kleingeistigkeit jeglicher selbsternannter Moral-Gralhüter nicht noch weiter den bewundernden Blick auf ein rundum gelungenes Album trüben. ‘GlaubeLiebeTod’ bietet nämlich neben dem gekonnten Brückenschlag von harten, aber niemals sperrigen Riffreißern zur eigenen elektronischen Bandvergangenheit eine Vielzahl von Neuerungen. Sei es die textliche und musikalische Interpretation eines Spaghetti-Score-Klassiker-Instrumentals wie im grandiosen ‘Spiel Mir Das Lied Vom Tod’ oder der Umkehrschluss wie ‘Eine Frau Spricht Im Schlaf’, der Adaption eines düster schwerfälligen Erich Kästner-Gedichts in ein elektronisch-atmosphärisches Sprechgesang-Ambiente. Scheuklappen sucht man bei Oomph! nicht nur musikalisch vergebens. “So wie du als Mensch Reflektionspotenzial brauchst, um deine Persönlichkeit zu entwickeln, brauchst du das auch für deine Musik. Je mehr verschiedene Musik man hört, desto weniger läuft man Gefahr, nur einseitig beeinflusst zu werden. Ich höre Jazz, Klassik, Filmsoundtracks und alles vom härtesten Metal-Geknüppel bis zu elektronischem Ambient-Zeug. Es gibt doch nichts Schöneres, als sich von vielen Seiten seine Informationen zu besorgen”, findet auch Dero. Wie gut, dass man sich als frei denkender und Musikliebender Mensch dabei nicht allein auf das ‘allmächtige’ Fernsehen verlassen muss.

Text: Danny Dublinsky

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