Nathaniel Rateliff fällt es selbst nicht einfach, seine Musik zu charakterisieren: „Das sind einfach viele verschiedene Songs. Ich bin nur ein Songwriter, also kann es alles sein, von Country über Folk bis hin zu R&B.“ Der bärtige Herr, der aus dem ländlichen Missouri stammt und inzwischen in Denver, Colorado, lebt, fiel schon im September ziemlich auf, als er das Vorprogramm auf der Deutschlandtour von Mumford & Sons bestritt. Rateliff betritt mit seiner Gitarre die Bühne, fängt an zu singen und ist da. Einfach da. Die Stimme brennt sich auf der Stelle in den Gehörgang, ins Hirn, ins Herz. Das gilt auch für die Platte des Herrn. „In Memory Of Loss“ ist aber nicht nur wegen der Stimme so bemerkenswert, sondern auch, weil hier ein absolut rundes und fantastisch schönes Songwriter-Album gelungen ist. Das liegt an den harmonisch erstaunlich vielseitigen Stücken ebenso sowie an seinem Gitarrenspiel. Es liegt aber nicht zuletzt auch am Produzenten Brian Deck (der auch schon für den ebenso bärtigen Iron & Wine an den Reglern stand, aber auch für Rocker wie Califone oder Modest Mouse). Er sorgte dafür, dass aus den hometaped Miniaturen epische und kontrastreiche Stücke voller Schönheit und Klarheit wurden. Live hat Rateliff klare Vorstellungen, wie seine Auftritte sein sollen: „I’ve played all sorts of interesting places, but regardless of room or size, my favorite shows are always the shows that are quiet.“ Was der sänger von ganz alleine schafft: Fängt er an zu singen, verstummen eh alle vor Ehrfurcht.

(Text von FKP Scorpio. »Hier geht’s zum Original)