“Beverly Hills – that’s where I want to beeee…” Hmm? Was ist denn da passiert? Die possierlichen kleinen Steppentiere, Kermit-der-Frösche und Fonzies der früheren Weezer-Videos mussten ihren Platz räumen für… Bunnies? Playboy-Bunnies? Und was singt Rivers Cuomo da? In Beverly Hills möchte er sein, also da wo die ganzen Reichen und Schönen sich den lieben langen Tag die Sonne auf den Geldbeutel scheinen lassen?

Okay, in der zweiten Hälfte der neuen Weezer-Single mit dem eingangs erwähnten Titel, die als Teaser für den Anfang Mai erscheinenden Longplayer ‘Make Believe’ dient, wird das Ganze relativiert. Da passen solche – wie sagte man früher dazu – Nerds ja sowieso gar nicht hin und wollen im Grunde auch gar nicht da sein. Also alles gar nicht so ernst und vielmehr ironisch gemeint. Aha. Der Rest der erstmals zwölf Songs auf ‘Make Believe’ kann ebenfalls beruhigen: Alles beim alten, es ist ein Haufen Bubblegumsurfrockpopindiesongs der mehr oder weniger bekannten Art, mit ein paar Ausflügen in andere musikalische Landstriche; kurzum: ein neues Weezer-Album. Da deren erstes ja inzwischen ein gutes Jahrzehnt auf dem Buckel hat (eine Menge Zeit, in der viel passiert ist), die Band inzwischen zur lebenden Legende aufgestiegen ist, und Mastermind Rivers Cuomo auf Grund seiner nahezu sprichwörtlichen Schüchternheit kaum Interviews gibt, haben wir Bassist Scott Shriner zu Rate gezogen, als es kürzlich hieß: Quo Vadis, Weezer?

Weil die interessierten Musikfreunde ja entweder andernorts eine Rezension zum neuen Album lesen können oder aber es sich einfach anhören können, möchte ich die üblichen Fragen dazu, wie nach dem Produzenten [Rick Rubin] o.ä., hier einmal außen vor lassen und stattdessen ein wenig über die “Menschen hinter der Musik” herausfinden, okay?
Sicher!

Du bist 2001 eingestiegen, zwischen dem “Grünen Album [Weezer 2001]” und “Maladroit” – und damit gerade rechtzeitig für das Video zu “Keep’ Fishin”…
Ja, mit den Muppets – ein großer Spaß, wie sollte es auch anders sein. Unser Schlagzeuger wurde von Miss Piggy gekidnappt, und wir mussten den Song mit Tier von der Muppets-Band spielen…

…der ja ebenfalls ein toller Drummer ist! Auch eure sonstigen Videos sind ja recht liebevoll gemacht. Was steht denn zur neuen Platte an?
Das erste wird zu “Beverly Hills” sein, wir haben es in der Playboy Mansion gedreht. Hugh Hefner ist dabei, und es ist eine große Party mit Weezer-Fans und Playboy-Bunnies.

In Deutschland denken bei dem Titel der Single die meisten Leute wohl an die Serie “Beverly Hills 90210” – was bedeutet der Song denn für euch?
In Amerika ist Beverly Hills der angeblich “ultimative Ort”, um seine Tage zu verbringen, mit Parties, Shopping, Herumcruisen am Rodeo Drive etc. Und wir passen da nach unserem Selbstverständnis eben überhaupt nicht rein.

Apropos Selbstverständnis: Für die meisten Außenstehenden sind Weezer wohl “der Typ mit der Brille und seine Band”…
…was mich nicht die Bohne stört…

Rivers schreibt seit der zweiten Platte alle Songs…
…ja. Diesmal haben wir versucht, gemeinsam daran zu arbeiten, aber das endete im Chaos. Er alleine schafft das schneller. Rivers und Brian [Bell, Gitarre] sind musikalisch sehr gebildet. Brian sorgt für die kleinen Raffinessen im Arrangement und Pat Wilson ist wohl der beste Drummer, den diese Band haben kann.

Und wie kommst Du ins Spiel?

Nun, im Gegensatz zu den anderen komme ich eher aus einem “blue collar background”, bin wohl etwas bodenständiger. Als ich zur ersten Probe gekommen bin, dachte ich “Das wird nie etwas – ich passe hier überhaupt nicht hin!” Aber dann hat es doch hingehauen. Ich denke, ich bringe das erdige, aggressive Element zu Weezer.

Wie bist Du zur Band gestoßen?
Über einen gemeinsamen Bekannten von der Musikschule. Sie suchten einen Bassisten; er beschrieb mich und sie meinten, das könnte passen.

Also warst Du kein langjähriger Fan?
Naja, kein richtiger Fan, aber ich kannte und mochte ihre Musik schon.

Um nochmal einen Sprung zurück zu machen: ‘Gebildet’ wäre noch ein interessantes Stichwort – wie sieht es denn mit Rivers’ akademischer Laufbahn aus?
Er ist so gut wie fertig. Ihm fehlt noch ein Semester zum Abschluss in, hm, “English Literary Criticism”, glaube ich. Das ist auch ein guter Ausgleich zur Bandarbeit für ihn. Immer, wenn er eine Sache zu lang und intensiv macht, legt er einfach eine Pause ein und macht das andere. Das gibt ihm frische Perspektiven.

Ich habe gelesen, dass er sich bei seinem ersten Harvard-Aufenthalt extrem unglücklich und einsam gefühlt hat. Und es gibt dieses Zitat, dass es für gewöhnlich eine Krise in seinem Leben ist, die er nicht lösen aber auch nicht verdrängen kann, die ihn dazu bringt, einen Song zu schreiben. Sozusagen als einziger Ausweg. Könnte man sagen, dass die Schaffensphasen von Weezer in direkter Verbindung zu den Lebenskrisen des Rivers Cuomo stehen?
Das kommt der Sache recht nahe.

Die Texte auf dem neuen Album handeln selbst für Weezer-Verhältnisse sehr stark von Einsamkeit und dem Gefühl der Abweisung…
Da ich sie ja nicht geschrieben habe, kann ich sie natürlich auch nicht erklären. Ich kann aber dieses mit Sicherheit sagen: Im Gegensatz zu den künstlerisch ausgefeilten und ambitionierten Lyrics der letzten beiden Alben, hat Rivers die Texte diesmal auf der Basis persönlicher Erfahrung verfasst, und dabei ziemlich viel von sich preisgegeben.

Verrät er euch denn vor oder während der Aufnahmen, worüber er singt?
Nein, und im Grunde ist das für mich auch nicht wichtig. Ich versuche eher auf die Gesamtatmosphäre des Songs zu achten, und dementsprechend zu spielen. Ich schätze, dass mich Texte nicht so interessieren liegt daran, dass ich als Kind Black Sabbath und Led Zeppelin geliebt habe, ohne einen Schimmer zu haben, wovon die singen…

Ein weiterer Einfluss, den Du in der Kurzbeschreibung Deiner Person auf Eurer Website nennst, waren Humble Pie – aber “nur die Peter Frampton-Phase”. Das hört man auf “Beverly Hills”, oder?
Stimmt, das Talk-Box-Gitarren-Solo ist sehr Frampton. Das ist so cool! Ich liebe diese Band…

In demselben Text erwähnst Du auch, dass Du “Wheat Grass Juice” trinkst. Was zur Hölle ist das?
[lacht] Du kennst das nicht? Es ist eigentlich… Gras! Eine Art Gras, die man in einen Mixer tut. Es ergibt einen Saft, der extrem grün ist. Und extrem gesund; es entgiftet Deinen Körper. Das Zeug ist unglaublich – wenn man es vorher noch nie getrunken hat, kriegt man beim ersten Mal vermutlich Kopfschmerzen. Aber nach einer Weile ist es sehr erfrischend.

Du achtest also auf Deine Gesundheit…
Ja, tatsächlich! Ich bin alt [Jahrgang 1965, Anm. d. Autors] und muss auf mich Acht geben [lacht].

Interview & Text: Torsten Hempelt