Now the devil, he plays guitar/And Hitler plays the drums/I’m the man on the microphone/This is what I’ve become

Man hat ja schließlich auch nicht ernsthaft damit gerechnet, dass die Electric Six mit ihrem dritten Album plötzlich wissen, wie man sich benimmt. Luden sie in ihrem Überhit “Gay Bar” noch auf einen kleinen Atomkrieg in einer Schwulenbar – in “The Band in Hell”, dem ersten Song auf ihrem neuen Langspieler ‘Switzerland‘, musizieren sie bereits mit dem meistgehassten Popstar der Geschichte. Wo soll das noch hinführen mit diesen Bekloppten? Da sie schon auf Erden sämtliche Tabus abgrasen können sie wohl kaum noch mit wohlgesonnenem Empfang im Jenseits rechnen; schon gar nicht, nachdem Sänger Dick Valentine seiner Freundin einen vernaschbaren Papst mit Schokogeschmack verabreichen will (Chocolate Pope). Doch wer hätte gedacht, dass Blasphemie so himmlisch eingängig sein kann? Eine wirklicher Clubschlager findet sich zwar nicht mehr auf ‘Switzerland‘, aber das scheint der Band nicht viel auszumachen. Gut ist das Album schließlich trotzdem – nur eben mehr Rodeo und Country-Proletentum als glamorous Indie Rock’n’Roll. Auf die Frage hin, ob diesbezüglich Druck in irgendeiner Form zu spüren gewesen sei, antwortet man schlicht: “In keinster Weise. Deshalb lieben wir ‘Switzerland'”.
E6 versuchen – überrascht? – nicht ernsthaft, politisch oder kritisch zu sein, indem sie ihr Album ‘Switzerland’ betiteln. So wie sie wohl kaum etwas ernsthaft tun. “Wir sind interessiert daran, semi-politisch zu sein, aber unser Album nach einem Land zu benennen ist kein politischer Akt. Es war mehr ein ‘look at the big geography brain on Valentine [Dick Valentine] – move’”.

Die Band hat nicht erst einen radikalen Mitgliederwechsel hinter sich – auf eine Umstrukturierung folgte gar der große Erfolg mit “Gay Bar”. Wie wär’s damit, einfach erneut ein paar Bandmitglieder zu feuern, vielleicht klappt’s ja wieder?
“Wenn wir danach garantiert wieder einen Hit landen würden, klar! Generell beschließen die Leute, die rausgeschmissen werden ihr Schicksal aber schon 2-5 Jahre vorher.”
Einen Wusch-Musikanten-Sozius für kommende Projekte gibt es allerdings wirklich: Den Kopf der Smashing Pumpkins, Billy Corgan.
Wer zum Abschluss noch mehr persönliche Einblicke gewinnen möchte, dem sei an dieser Stelle noch ein kleiner Auszug aus dem wirren Leben des Herren Valentine gewährt – als O-Ton weil’s so schön ist:
“I was addicted to cough medicine one summer and all I did was watch cartoons. About two months into the summer, I swore my cat was talking to me. He told me he’d give his life for me. I told him that wasn’t necessary and, by the way, I’d do the same for him. I stared into his feline eyes until he eventually coughed up a hairball.”