Der Elektro-Produzent Landesvatter ist dem kleinen ‘Normoton’-Label aus Karlstadt in Unterfranken treu geblieben und veröffentlicht dort sein zweites Album ‘LAX’. Obwohl er darauf nur Instrumentaltracks präsentiert, ist er durchaus am sprachlichen Ausdruck interessiert, wie die Wahl seiner Songtitel belegt.

“Für die CD hatte ich das Konzept, sehr kurze Worte zu verwenden. Es sind viele Abkürzungen, bei denen die Hörer sich ihre eigene Bedeutung überlegen können”, erklärt Landesvatter, warum die Stücke zum Beispiel ‘Mank.’, ‘Gro.’ oder ‘Duz.’ heißen. Dabei haben die Namen allerdings gar keine große Bedeutung für ihn. “Ich bin nicht der Typ, der mit der Musik viel assoziiert. Bloß irgendwann muss ich ja mal das Stück abspeichern und denke mir dabei einen Namen aus. Diese Titel sagen aber eigentlich nichts Inhaltliches über die Tracks aus.”

Das tun Wörter wie ‘Intro’ und ‘Outro’ natürlich auch nicht, aber trotzdem regen seine Bezeichnungen ‘In.’ und ‘Raus’ dagegen die eigene Phantasie und Kreativität etwas mehr an. Bei ‘Spr.’ liegt zudem die Vermutung nahe, dass es doch etwas mit ‘sprechen’ zu tun hat. Immerhin verwendet Landesvatter dafür neben einem housigen Uptempo-Beat einige Sprachschnipsel, die allerdings abgehackt wie bei einem Menschen mit Tourette-Syndrom rausgehauen werden. Folglich hat er schon etwas Angst, dass das Sample identifiziert werden könnte. “Hast du die Stimme erkannt? Nein? Dann ist ja gut! Ich habe auch noch nie wirklich mit irgendwelchen Sängern zusammengearbeitet. Momentan machen das ja recht viele Produzenten, was mich wiederum eher davor abschreckt.”

Zudem er vor gut zehn Jahren mit dem Produzieren von elektronischer Musik angefangen hat, weil er ja gerade da alles allein machen kann. Denn die Arbeit als Schlagzeuger in einer Band hat ihn nie so recht befriedigt. “Das hat mich eher genervt, weil dabei nie was Gutes bei rumkam. Das war meiner Meinung nach Zeitverschwendung. Aber Mitte der Neunzigerjahre war die Technik für mich schließlich soweit, dass ich alles alleine bewerkstelligen konnte. Wobei es natürlich schon spannend sein könnte, wieder einmal etwas gemeinsam mit jemand anderem zu erarbeiten.”

Ein Sänger könnte vielleicht auch die Live-Auftritte unterstützen, die Landesvatter ansonsten allein mit seinem Laptop bestreitet. “Ich beschreibe mich daher auch meistens als Notebook-Live-Act oder Ähnliches. Dabei arbeite ich prinzipiell mit Samples, die ich dafür vorbereitet habe, indem ich Stückchen aus anderen Tracks extrahiere. Diese Stücke kann ich dann recht frei arrangieren. Viele Leute erwarten dabei allerdings irgendeine Art von Performance – die kann ich aber nicht liefern!”

Text: Holger Köhler