Für ihre neue Platte ‘Saturday Night Wrist’ haben sich die Deftones mal wieder ordentlich Zeit gelassen. Nicht ganz freiwillig, wie sie jetzt zugeben. Mehr als einmal in dem fast dreijährigen Produktionsprozess stand die Zukunft der Band auf der Kippe.

Der Grund für die Verschleppung hat einen Namen. “Ich müsste lügen, würde ich sagen, dass das Problem nicht bei unserem Sänger Chino zu suchen ist”, grummelt Stephen Carpenter, Gitarrist der Band, der in Kniestrümpfen, Shorts und Metal-T-Shirt einen irgendwie deplazierten Eindruck in der geräumigen Suite eines Berliner Nobelhotels macht. Nur die goldene Rolex an seinem Handgelenk passt in das Ambiente. “Es gab Momente, da waren wir drauf und dran, ihn zu feuern, so lustlos hat er seine Arbeit erledigt”, erklärt er weiter. Allerdings wirkt er bei diesen Worten schon ein wenig entspannter als noch vor zwei Monaten in New York. Damals herrschte wirklich dicke Luft: Keyboarder Frank Delgado und Schlagzeuger Abe Cunningham lästerten über Bassist Chi Cheng, wenn dieser den Raum verließ, Chino Moreno meckerte über Stephen und der über Chino. Man will sich gar nicht vorstellen, wie die Arbeit im Studio ausgesehen haben muss.

Überhaupt stand die komplette Produktion von Anfang an unter keinem guten Stern. Bereits die Suche nach einem Produzenten sorgte für Ärger. Stephen hätte gerne wieder mit Terry Date gearbeitet, der auch die ersten vier Deftones-Alben betreut hatte, Chino und Abe aber wollten etwas Neues ausprobieren und setzten sich durch. Die Wahl fiel auf Bob Ezrin, was zeigt, mit welch hohen Zielen die Band an den Start ging. Verantwortete Ezrin doch bereits Platten von KISS, Peter Gabriel oder Pink Floyd’s ‘The Wall’. Die ersten Ergebnisse gerieten allerdings mager, und auf der Suche nach Inspiration zog die Band zum Aufnehmen erst nach Malibu, dann nach Connecticut, nur um später genervt und mit den Resultaten unzufrieden wieder im heimatlichen Sacramento zu landen. Der kreative Stau schlug zurück auf die Bandchemie: Funkstille. Dass Chino sich dann noch demonstrativ in Richtung seines Elektro-Projekts Team Sleep verabschiedete und die anderen auf unbestimmte Zeit warten ließ, machte die Situation nicht unbedingt besser. Als er endlich zurückkehrte, begann man unter der Regie von Shaun Lopez, dem ehemaligen Gitaristen der Band Far, noch einmal von vorne. Doch gearbeitet wurde auch dann noch auf dünnem Eis. Wenn Chino in ‘Hole In The Earth’ Zeilen singt wie “I hate all of my friends”, dann ist das durchaus als Kommentar auf die damalige Bandsituation zu verstehen. Kein Wunder, dass Chi die vergangene Zeit beschreibt mit den Worten: “Ich fühlte mich, als wäre ich ständig umringt von Haien”.

Dass das neue Werk unter solchen Umständen überhaupt vollendet wurde, ist einzig und allein dem Willen geschuldet, die Marke Deftones am Leben zu halten. Dass unter diesen Voraussetzungen allerdings mit ‘Saturday Night Wrist’ kein Meilenstein geschaffen wurde, verwundert wenig. Die nach dem letzten, rückwirkend auch von der Band als “unbefriedigend” bezeichneten Album ‘Deftones’ erhoffte wegweisende Richtungsbestimmung bleibt aus. Was abgeliefert wird ist trotzdem saubere Arbeit. Und: Soviel Pop war noch nie. Warum, kann die Band nicht so recht erklären, geplant war es nicht. Festhalten muss man jedoch, dass die mehrfach durch die Deftones-typische Lärmwalze aufblitzenden Melodien der Band ganz gut zu Gesicht stehen. Ob diese Erkenntnis allerdings ausreicht, die fünf noch einmal in ein Studio zu bekommen, bleibt abzuwarten.