Die Geschichte von Revolt beginnt Mitte der Neunziger in einem Jugendzentrum irgendwo in Bielefeld. Dort lernen Abel (Gesang/Gitarre) und Matze (Bass) auch ihren heutigen Schlagzeuger Tobi kennen. Bevor man sich von dessen Vorgänger trennte, vergingen jedoch ganze drei Jahre. “Matze und ich kennen uns schon seit der ersten Klasse. Dass Tobi erst so spät hinzukam, lag eben daran, dass wir uns nicht einfach so von unserem damaligen Drummer trennen wollten. Immerhin geht’s bei diesen Dingen auch um Freundschaft”, betont Abel.

2000 zogen die drei nach Berlin. “Wegen der Musik. Und weil man hier sein kann, wer man will”. Vor zwei Jahren machen sie Nägel mit Köpfen und landen gleich mit dem ersten versandten Demo einen Volltreffer. “Von der Demo-Geschichte haben wir erst erfahren, als Abel erzählte, dass sich eine Plattenfirma bei ihm gemeldet hätte”, erklärt Matze. Gespräche folgen. Selbstverständlich wird der Band nahegelegt, auf Deutsch zu singen. “Uns war klar, dass dieses Thema seitens der Plattenfirma angesprochen wird. Wir hatten denen aber gleich vermittelt, dass wir wollen, dass unsere Texte auch außerhalb des deutschsprachigen Raums verstanden werden. Das wurde auch akzeptiert.” Abel bezeichnet dies später scherzend als “kleine Revolution”. Seine Texte sieht der Sänger als eine Art Bestandsaufnahme. Jeder Song hat ein anderes Thema. Sie handeln von Ängsten, Unsicherheit, Machtverlust. Lösungsvorschläge gibt es nicht. Der Zuhörer soll selbst nachdenken.

Revolt werden sich Vergleiche zu Placebo in ihren Anfangstagen gefallen lassen müssen. Musikalisch gibt es da einige Gemeinsamkeiten. Die Gegendarstellung der Band folgt prompt: “Wir finden überhaupt nicht, dass wir wie Placebo klingen. Als wir damals angefangen hatten, wollte alle so sein wie Nirvana. Deren Power! Deren Druck! Das war unser großes Ziel. Und Punkrock-Elemete. Drei-Minuten-Songs.”

2004 werden sogar Auftritte als Support für Velvet Revolver und den Libertines gebucht. Wovon viele junge Bands träumen, wird heute eher gelassen betrachtet. Abel: “Pete Doherty war zu dieser Zeit nicht mehr dabei. Was jetzt bei den Babyshambles vor sich geht, nehmen wir nur am Rande wahr. Neulich habe ich ein Foto von ihm gesehen, wie er einem Mädchen eine Spritze setzt. Das sah echt scheiße aus!” “Pete Doherty ist noch schlimmer als Alice Cooper!”, wirft Matze ein. Großes Gelächter.

Viel zu lachen haben die Drei zurzeit ohnehin. Sie veröffentlichen mit ihrem selbstbetiteltem Debüt ein Album, das nichts als großes Staunen hinterlässt. “Power” und “Druck” gibt’s darauf genügend. Sie prügeln sich durch elf Songs, von denen gerademal einer die Drei-Minuten-Marke knackt. Mit ordentlicher Punk-Attitüde entstand ein Album, das roh und gerade deswegen gewaltig einen vor den Latz gibt.

Sie selbst freuen sich auf die geplanten Konzerte. “Am besten überall: Jugendzentren, in kleinen Clubs vor 30 Zuschauern. Egal!” Dank Revolt leuchtet ein neuer roter Stern am Deutschen Indie-Rock-Himmel, dem es sehr großer Aufmerksamkeit zu widmen gilt!

Text: Christopher Mühlig