Ausgebrannte Achterbahn-Sitze, versengte Geisterbahndekoration und verrußte Souvenirläden – da hilft auch das kühle Nass der Wildwasserbahn nicht mehr. Dass sich Mike Feerick solch ein dunkles Szenario als Bandnamen aussuchte, lässt sich vielleicht auch von dessen Alter herleiten: mit gerade einmal 16 spielte er als Mastermind das erste, gleichnamige Album als Amusement Parks On Fire ein, im pubertierenden Nullbock sei ihm der Bandname spontan eingefallen, gesteht er.

Darüber, dass die britischen Medien in ihm und den Songs des Debüts einen “Teenage Genius” sahen und dass der NME ein ihm zu Ehren mit “Nu-Gazing” ein neues Genre ausrief, begrinst er auch heute noch: “Weißt du, was ich lustig finde? Wie man mir dieses ‘Shoegazer’-Ding aufgedrückt hat. Als ob ich mich mit 16 als ‘Teenage Genius’ da so hingesetzt und mir gedacht hätte: Hey, dieser Shoegazer-Sound der frühen Neunziger ist einfach der Bringer, das muss ich jetzt aber mal nachspielen, damit der NME ein neues Genre für mich erfinden kann. Ich meine, Anfang der Neunziger, da war ich fünf oder so. Also, neee, ich weiß nicht, ich habe, als ich das erste Album aufgenommen habe, eigentlich nur ein bisschen Musik gemacht; solche, sie mir gerade in den Sinn kam.”

Auch wenn Mike Feerick sympathisch die gehörte Ähnlichkeit zum Shoegazer-Sound verneint oder zumindest als puren Zufall erklärt, lässt sich die Vorlage für die auf beiden Alben zu findenden Gitarrenbreitbandwälle, den psychedelischen Mitklang und dem stimmlich bereits in den frühen Neunzigern – als der Shoegazing-Sound von My Bloody Valentine, Ride und Slowdive das Indie-UK dominierte – finden. Da die Musiker damals während ihrer Konzerte so sehr damit beschäftigt waren, auf die Effektgeräte am Boden zu starren, nannte man sie kurzerhand ‘Shoegazer’ – Schuhglotzer, denn für die Leute in den hinteren Reihen des Publikums wirkte es so, als glotzten die Musiker auf ihre Füße.

Doch anstatt live wie angewurzelt auf der Bühne stehen zu bleiben und sich die zarten Füße samt Effektgeräte zu betrachten, tobt Mike Feerick lieber mit seinen Freundes über die Bühne. Als “Mastermind” – ein Wort, das er übrigens nicht sonderlich mag – fungiert er nämlich mittlerweile nicht mehr. Kurz nach der Fertigstellung des Debüts würfelte er aus seinen Freunden eine Band zusammen, die nun beim Folgealbum ‘Out Of The Angeles’ auch beim Schaffensprozess direkt involviert war. “Als ich die Songs für das Debütalbum aufgenommen habe, war ich sehr isoliert. Ich wollte mich als Teenager musikalisch ausdrücken und das irgendwie allein angehen. Mittlerweile habe ich aber am Band-Dasein Gefallen gefunden und freue mich, mit meinen Freunden zu touren und mit ihnen zusammen Musik zu machen, es kommt ja auch im Prinzip derselbe Sound bei raus wie auf dem ersten Album..”

Der “Nu-Gazing”-Sound ist auch auf dem neuen Album geblieben, wenn auch die Soundwälle nicht mehr ganz so bombastisch sind wie beim Debüt. Der pubertär-hingerotzte Name bleibt als auch mit veränderter Bandstruktur als Markenzeichen bestehen. Vom Phantasialand hat Mike Feerick übrigens noch nie was gehört (O-Ton: “Err…What Fantasy?”)


Text: Heiko Reusch