Welche Geschichte über Musik könnte schöner anfangen als die, die mit einem Mixtape beginnt. Ein Mixtape, dieser Hort für gewagte Gefühle. Gemacht in liebevoller Handarbeit bestimmt für sehr spezielle Personen. Sowas ist immer
großes Kino. Das gilt auch im Falle Pitchtuner. Natürlich musste es eine Party sein auf der sich die Wege der Japanerin Miki und des Wahlberliners und Kommunistenvordenkerurgroßneffen Hannes Marx das erste Mal trafen. Miki war so hin
und weg von Hannes Sound, dass sie sofort zu seinem DJ-Pult stürmte und ein Tape von ihm haben wollte. Hannes hatte allerdings nur Digitales am Start und musste dieses erstmal auf Band bannen. Ein Grund sich wieder zu sehen….

Und so nimmt eine Liebes- und Musikgeschichte in Zeiten der Umkehrung tocotronischen Sloganizinings („Digitalismwasbetterinthepastyouwillsayinthefuture“) ihren Lauf. (Der geneigte Leser sei auf den Song ‚The Tape’ verwiesen) Als die Schnittstelle zwischen Hand und Joystick ist auch die Musik von Pitchtuner zu verstehen; oder genauer gesagt: Als ein digital/analoges Mixtape zwischen Pop, Poesie und Party. Zwischen phoenixscher Fluffigkeit und deftigen
Discobeats mit funky Gitarren und sphärische Synthieflächen, und einem analogen Schlagzeug, das pumpt und groovt.
Der Rhythmus personalisiert sich bei Pitchtuner in Form von Drummer Stefan Weiss.

Pitchtuner, so berichteten diverse Kritiker ganz richtig, sind die fleischgewordene Inkarnation der Beatgitarreros mit Bass im Blut. Sie sind original Pre-Nu-Rave und rockten bereits die Diskokugeln dieser Welt von der Decke, als Glowsticks noch in Kinderhaaren steckten. Ihre Post-Pop-Melodien gepintscht mit ner schmacken Portion Tanzvergenügen begeisterte nicht nur die Ghenter Über-Szene rund um Soulwax / 2 Many DJs / Das Pop / Goose, sondern brachte
auch große Teile Europas sowie Japans zum Tanzflächen-Bevölkern. Und auch very many other DJs, wie z.b. Peaches spielen Pitchtuner in ihren DJ Sets.

Und ein amerikanisches Modemagazin (Fake 2.0) brachte es mal so auf den Punkt „They not only look good, they are even better!“
Das gleiche könnte man von ihrem Produzenten behaupten. Denn ihr nun drittes Album mit dem Titel „Riding the Fire“ nahmen Pitchtuner mit keinem geringeren als Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic, Mediengruppe Telekommander etc.) auf. Und es brennt! Zusammen mit „magic Moses“ gelang es Pitchtuner die Maschinen zu bändigen und den Druck des Livegefühls analog ins Digitale umzusetzen. Das Album wurde live eingespielt. Sinuskurven wurden mit Einsen und Nullen versehen und digitaler Wert vermehrt. Das Ergebnis: Eine fröhlich-hüpfende, ebenso unkontrollierbare wie sympathische Melange zum Poposchaukeln und Euphorisch-In-die-Luft-Schreien. Melodiöser 4 to the floor mit Hit-Wipp Charakter. Wer hier nicht tanzt ist dort verloren! Und zwar jetzt!!

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