Wo sonst soll man auf die wahnwitzige Idee kommen, Musiker auf Lebenszeit zu werden, wenn nicht im berühmt-berüchtigten Chicagoer Metro-Club, in dem sich bereits die Ramones und Sonic Youth die Finger wund spielten und die Smashing Pumpkins in den Olymp der Überbands aufstiegen. Wo sonst also liegt die Spinnerei eines 90er-Vorort-Jungspunds namens Tom Higgenson näher, eine Band zu gründen, die schrammelt bis die Ohren schlackern und damit noch die dicke Kohle macht? Tom Higgenson jedenfalls hat die dicke Kohle gemacht, dass es jedoch erst zehn Jahre nach der Plain White T’s-Gründung 1997 im Chicagoer Vorort Villa Park mächtig im Geldbeutel scheppert sei dahingestellt.

Im Eiche-Rustikal-Wohnzimmer der Eltern wird an ersten Pop-Punk-Songs gebastelt. Anschließend stiefelt der Grünschnabel mit seiner Klampfe unterm Arm zu Loud Lucy-Sänger Christian Lane und gibt ein mittelmäßiges Ständchen. Ergebnis des ersten Mini-Gigs vor Fachpublikum: Higgenson schließt sich samt Saiteninstrument ein Jahr lang in seinem Zimmer ein und büffelt Notenlehre.

2000 erscheint der erste Longplayer des US-Fünfers. „Come On Over“ bleibt jedoch wie seine idealistischen Macher weitestgehend unbemerkt. Ganz im Gegensatz zum 2002er Nachfolger „Stop“, in dessen Folge das Erfolgslabel Fearless Records das Quintett ins Boot holt. Unter dessen Fittiche erscheint drei Jahre später Album Numero Drei unter dem Titel „All That We Needed“ und „Stop“ steht als Re-Release abermals im Plattenregal.

Während die polierten Zähne mit AFI und Jimmy Eat World amerikanische Bühnen unsicher machen, schlummert bereits auf der 2005er Platte der Erfolgshit „Hey There Delilah“, der jedoch erst zwei Lenzen später als Re-Release in die einschlägigen Hitparaden schnippst. Im Akkord wird der vierte Longplayer „Every Second Counts“ zusammengefrickelt. Mittlerweile überwiegen liebliche Gitarrenschnulzereien mit geleckter Lagerfeuerstimme gegenüber den vormals breitbeinigen Rockerriffs. Mit einer Portion Weichspüler mehr im Gepäck geht’s auf erneute Bühnentour durch die heimischen Lande. Es dauert nicht lange bis die Songs, die jede Highschool-Abschlussball-Königin mitten ins Herz treffen würden, Einzug in diverse US-Serien halten.

Das etwas verspätete Geschenk zum zehnjährigen Jubiläum in Form des fünften Streiches namens „Big Bad World“ soll bereits in Arbeit sein. Die Östrogene jedenfalls schlagen jetzt schon Purzelbäume.

Plain White T’s sind:

Tom Higgenson – Gesang, Gitarre
Dave Tirio – Gitarre
Tim Lopez – Gitarre, Gesang
De’ Mar Hamilton – Drums
Mike Retondo – Bass

Jennifer Beck