Sie kommen aus Friedrichshain, Charlottenburg und Wilmersdorf. Aus der Schweiz, aus Spanien und Polen. CoreTex ist DIE Hardcore-Zentrale mitten in Kreuzberg. Seit 1996 gehört David zu den drei Machern des Plattenladens in der Oranienstraße. Täglich finden sich nicht nur Freunde des Ladens und der Szene dort ein, sondern auch neugierige Touristen. Neben Platten, CD’s, T-Shirts und Merch gibt es alles was das Hardcore-Herz höher schlagen lässt. Was zum CoreTex Universum gehört hat uns David für unseren Plattenfreitag verraten.

Ist CoreTex überhaupt ein klassischer Plattenladen?

In erster Linie – ja. Über die Jahre haben wir aber gelernt, das es doch noch mehr als das ist. So eine Mischung aus Jugendklub, Sozialstation. Man könnte es auch einfach einen Szenetreffpunkt nennen. Wenn hier in der Gegend Konzerte sind, dann sind die Leute vor den Shows gerne auch hier. Kaufen sich vielleicht noch ein Ticket oder glühen vor, trinken ein paar Bier und gehen dann weiter zur Venue.

Mittlerweile trauen sich auch einige Touristen in euren Laden habe ich so das Gefühl.

Da hast du recht. Das ist eine sehr interessante Beobachtung, die seit drei, vier Jahren bemerkbar ist. Der Teufel Gentrifizierung hat ja nicht nur schlechte Seiten, tatsächlich haben wir viel mehr Laufkundschaft. Also nicht nur Touristen, die uns mit der Landkarte suchen, weil sie extra hierher reisen, sondern eben auch Leute die einfach so hier vorbei laufen. Gerade am Nachmittag, wenn dann auch Leute vor dem Laden abhängen, trauen sich einige Leute aber schon nicht mehr wirklich rein. Die eine hälfte geht dann eben weiter und die anderen überwinden ihren inneren Schweinehund und merken, dass das gar keine Verbrecher oder Kinderesser sind. Viele von denen kommen dann auch wieder.

Das CoreTex ist ja in der Szene recht tief verwurzelt. Welche bekannte Gesichter, lassen sich denn öfter mal blicken?

Das sind viel zu viele um die überhaupt aufzuzählen. Bands die auf Tour sind kommen hier gerne vorbei und suchen sozusagen extra den Laden auf, kaufen irgendwas oder geben uns einfach positives Feedback. Natürlich kommen auch immer wieder lokale Bands vorbei. Angefangen bei den Beatsteaks, früher auch oft Die Ärzte. Es ist einfach schön auch von den Bands den Support zu bekommen.

Was gehört denn zum CoreTex Universum?

Früher waren wir auch noch ein Label. Wir haben über 100 CD’s rausgebracht, teilweise auch Platten. Das wurde dann aber zunehmend schwieriger. Als Label braucht man einfach viel Geld und vor allem einen guten Riecher um immer wieder neue Bands zu finden und zu fördern. Die Bands die man fördern will, mit denen verdient man dann wiederum kein Geld, es sei denn man hat Glück. Das Label hab ich 10 – 15 Jahre betreut, dann wurde es mir aber ein bisschen zur Last. Wir machen da gerade einfach ein bisschen weniger. Wenn natürlich irgendeine Band kommt, die wir gerne fördern wollen, wie zum Beispiel vor zwei Jahren eine junge Berliner Punkband The Uprising, dann machen wir das schon. Denen geben wir dann auch gerne unser Wissen und unsere Connections weiter, aber so wirklich ein klassisches Label wollen wir nicht mehr sein. Das ist einfach zu viel Arbeit.

Und ausser dem Label?

Wir machen noch den Mailorder, dann den Laden mit allem was dazu gehört. Zu unserem 25. Jubiläum haben wir da vorne auch noch den Selector aufgemacht. Da gehört uns nur der halbe Laden. Da geht’s dann mehr um britische Mode, die ja auch artverwandt ist mit unserer Szene. Da gibt’s halt keine Musik, sondern schicke Polohemden von merc und Fred Perry. Sachen die wir hier halt nicht reinstellen können. An diese ganze Sache mit der Mode muss man auch wieder ganz anders rangehen. Das CoreTex ist eben 100%ig unser Herzblut, das ist es womit wir uns auskennen. Wenn man so einen neuen Bereich betritt, kann man natürlich auch viele Fehler machen.

“Man könnte also sagen Punk und Hardcore ist meine erste Liebe.”

Du kommst also auch aus der Szene?

Ich komm eigentlich aus Charlottenburg, bin 1970 in Westberlin geboren und relativ früh Punk geworden. Für mich war das immer ein großes Abenteuer von Charlottenburg hier nach Kreuzberg zu fahren um vielleicht eine Platte zu bekommen. Damals war das aber noch ein bisschen schwerer. Die Szene war einfach noch ein bisschen härter und man musste ein bisschen mehr machen als die richtige Jacke anhaben. Man könnte also sagen Punk und Hardcore ist meine erste Liebe.

Was findet man denn in eurem Laden und was nicht?

Wir verkaufen, zum Beispiel eine Green Day oder die neue Ärzte Platte viel schlechter als es Kaufhof tut. Was man überall bekommt verkaufen wir viel schlechter als irgendwelche Nischen die man niemals in anderen Läden bekommen würde. Da wissen a.) die Einkäufer gar nichts von der Band und b.), wenn sie davon wüssten, wüssten sie nicht mal wie man da rankommt. Da muss man dann ein kleines Label irgendwo auf der Welt anschreiben, die Ware von denen bestellen und so weiter. Da kommt Porto und Zollkosten noch mit drauf. Dabei muss man natürlich auch wieder darauf achten, dass Platten, aber auch T-Shirts die aus den Staaten importiert werden, nicht zu teuer werden. Unlängst hatten wir eine 7” Single von einem guten Freund hier im Laden. Die Single, die auf einem total kleinem Independent Label aus New York erschienen ist, kostet halt jetzt auch 12€. Wir schlagen da immer das gleich drauf, der Endpreis hängt dann eben davon ab wie wir da ran gekommen sind.

“Jetzt bin ich wohl der Einzige Straight Edger der sein eigenes Bier hat”

Was sind denn deine Highlights in den letzten Jahre gewesen?

Wir haben hier immer wieder mal nette kleine Konzerte im oder vor dem Laden. Hin und wieder hatten wir dann auch Autogrammstunden. Letzteres passt eigentlich gar nicht zum Credo unserer Szene “Kill Your Idols”, aber für viele Leute ist das toll. Vor ein paar Wochen haben zum Beispiel auch die Scorpions hier angefragt ob sie bei uns drehen dürfen. Das passt eigentlich gar nicht so wirklich zusammen, trotzdem sieht man einen Großteil meiner Mitarbeiter und auch mich in dem Video. Und natürlich unser eigenes Bier, das wir erstmals zum 25. Jubiläum angeboten haben. Jetzt bin ich wohl der Einzige Straight Edger der sein eigenes Bier hat.

Unser Fazit:

CoreTex ist ein Szeneladen – keine Frage. Man darf sich aber auch als Neuling oder Interessierter “ich will nur mal schauen” Typ in den Laden verirren. Neben einigen LP’s und Singles gibt es CD’s, T-Shirts, Patches und Pins. Wer sich neu einkleiden will kann sich ein paar Häuser weiter im Selector beraten lassen und auf dem Heimweg eine neue Platte mitnehmen.

Damit ihr schonmal wisst, was euch im CoreTex erwartet, haben wir euch im Plattenfreitag wieder eine Playlist zusammengestellt. Anklicken und reinhören.

www.coretexrecords.com

Oranienstr. 3,

10997 Berlin

Montag – Samstag: 11 – 20 Uhr

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