Ihre Single “Beating Heart Baby” war von keinem Tanzboden wegzudenken. Head Automaticas Debüt ‘Decadence’ präsentierte vor zwei Jahren Daryl Palumbo, bis dahin besser bekannt als Schreihals bei der Hardcore-Institution Glassjaw, als waschechten Pop-Musiker. Jetzt kommt das neue Album, passend ‘Popaganda’ betitelt.

Zu Recht von Frontmann Daryl Palumbo als “energiegeladenes Power-Pop-Album” angekündigt, bekommt man hier ein furios-eingängiges und mitreißendes Hit-Album vor die Nase gesetzt, das gekonnt den Vibe der britischen Pub-Rock- und Mod-Pop-Szene der späten Siebziger und frühen Achtzigerjahre zitiert und in das Jahr 2006 transportiert. Da purzeln die Singalong-Hitsingles nur so auf einen ein. Groß! “Wir wollten so poppig wie möglich sein”, sagt Palumbo. Vom Opener ‘Graduation Day’ an mitreißend, wird hier ausgefeilter Power-Pop zelebriert, der für den Sommer wie gemacht scheint und bei aller Leichtfüßigkeit dennoch unglaublich rockt.

Gut, dass Head Automatica mittlerweile vielmehr als Band agieren. “Ja definitiv. Der Band-Aspekt war sehr wichtig. Das ist ein Teil dessen, was auf dem Debüt fehlte. Wir wollen eine Rock-Gruppe sein. Diese Platte wurde geschrieben für eine Band, von einer Band.” Hört man. Was hier präsentiert wird, ist wesentlich homogener als das Debüt-Album, das eher als eine Kollaboration zwischen Palumbo und Produzent/Beat-Bastler Dan The Automator Nakamura (Gorillaz, Handsome Boy Modelling School, Mike Pattons Peeping Tom) rüberkam. Dessen Beats finden mittlerweile zumindest hier keine Verwendung mehr, für den Sound des Debüts kann sich Palumbo nicht mehr so richtig erwärmen. Das lässt schon vermuten, warum Nakamura jetzt nicht mehr bei HA mitspielt. “Alles, was Dan macht, hat einen gewissen Sound und den mag ich nicht. Ist nicht mein Ding. Es ist cool, wenn er es für sich macht und Mike Patton, aber nicht für mich. Das ist nicht mein Sound, ich weiß, wie dieses Album klingen sollte, und ich denke nicht, dass Dan The Automator eine Rolle dabei hätte spielen können.” Da fragt man sich, warum Herr Palumbo einst überhaupt an den Produzenten herantrat. “Ich war ein großer Fan seiner Arbeit, ich bin ein großer Fan von der Arbeit einer Menge von Leuten, aber das bedeutet nicht, dass ich Platten mit ihnen machen möchte. Ich arbeite nicht mehr mit Dan, ich rede nicht wirklich mehr mit ihm.” Warum so angesäuert, Daryl? Gab es da etwa böses Blut beim Auseinandergehen? Merklich unangenehm berührt entgegnet Palumbo: “Wir haben uns einfach getrennt, es ist, was es ist, ich denke nicht darüber nach.” Achso. Na, ohnehin hat Palumbo für ‘Popaganda’ in Howard Benson (Hoobastank, My Chemical Romance) einen wahrscheinlich geeigneteren Mann für den Produzentenposten gefunden.

Mittlerweile kaum zu glauben, dass Daryl vorher seine musikalischen Sporen bei den Schmerz-Hardcorelern von Glassjaw verdiente. Goldkehlchen de luxe statt gebrochenen Wüterich. Ist das noch derselbe Mann? “Ich denke nicht, dass mein Leben jetzt besser ist als damals, als ich 18 war, es ist jetzt einfach anders. Ich bin wesentlich erwachsener geworden und nicht mehr total darauf fokussiert, meine Wut herauszulassen und durchzudrehen, wie es vor Jahren war. Ich habe das definitiv immer noch in mir und ich mag es auch noch, aber momentan sind andere Sachen wichtig.”
Und was ist noch wichtig im Leben des Daryl Palumbo? Außer Musik recht wenig. Er fährt nicht in Urlaub und macht immer nur Musik, Freizeit wird mit Musik gefüllt. Und das ist neben Head Automatica auch noch ein Projekt mit dem Hatebreed-Gitarristen Sean Martin: “Ja, ich versuche, so viel Musik wie möglich zu machen mit Sean. Immer, wenn wir Zeit haben, nehmen wir etwas auf.” Das Projekt heißt House Of Blow und es ist geplant, dieses Jahr ein paar Songs zu veröffentlichen. Und, wenn dann noch Zeit bleibt, dann gibt es ja noch eine arg ins Hintertreffen geratene Band namens Glassjaw.

Text: Martin Erfurt