Nach Bands wie Gods Of Blitz und Tempeau hat sich ‘Four Music’ einen weiteren Neuzugang im Rock-Stall geleistet: Rafael Weber! Im ersten Moment wirkt die Platte ‘Weil Sich Alles Ändern Muss’ ganz brav, aber mit der Single ‘Es Tut Mir Leid’ setzt der junge Mann auf Provokation.

In dem Stück drückt er sein Bedauern darüber aus, dass andere Menschen nicht so sind wie er. Allerdings legt er dann ein paar Verhaltensweisen an den Tag, die nicht ganz korrekt sind. Im Video, das nach seiner eigenen Aussage von ‘Sin City’ inspiriert wurde, lässt der Verkehrsrowdy zum Beispiel brennende Autos in den Straßen zurück. Außerdem heißt es unter anderem im Text: “Siehst du auch so viele Farben wie ich?/ Das Zeug in meinen Venen macht mich anders als dich./ Deine Freundin liegt schlafend neben mir. (Sie ist so süß!)/ Sie hatte viel mehr Spaß, viel mehr Spaß als mit dir. (Viel mehr, viel mehr, viel mehr!)”

Das Ganze soll sich jedoch laut Rafael gar nicht so direkt auf seine Person beziehen, sondern eher ein Aufruf zum Nachdenken sein. “Die Leute sollen machen, was sie wollen – und sagen, worauf sie stehen. Das kann natürlich missverstanden werden, muss aber eigentlich mit einem Lächeln gesehen werden. Da sind schon Textzeilen drin, die eine gewisse Provokation darstellen. Es geht aber darum, dass jeder mal über sich selbst nachdenkt. Jeder muss selbst entscheiden, was er macht und was er lieber lässt.”

Die deutlich ruhigere Ballade ‘So Wie Du’ hat im Grunde das gleiche Anliegen. Die Forderung, dass jeder mit offenen Karten spielen soll, wird hier allerdings sehr viel direkter formuliert: “Du zeigst es nicht – dein wahres Gesicht./ Willst nie zu deinen Fehlern stehen – und die Schuld auf dich nehmen./ Wieso gibst du dich – so anders als ich?/ Auch du musst Opfer bringen – und über deinen Schatten springen!”

Für Rafael besteht zwischen den zwei Stücken auch ein Zusammenhang: “Das ist quasi das Gegenstück zu ‘Es Tut Mir Leid’. Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass oft dieses Spielchen – auch in Beziehungen – gespielt wird, dass der eine über dem anderen stehen will. Das muss doch nicht sein. Jeder sollte einfach der Mensch bleiben, der er ist – ohne sich profilieren zu wollen. Wenn du dich immer nur danach richtest, was andere über dich denken, kommst du auch nicht weiter. Deswegen bin ich auch auf der Bühne einfach so, wie ich halt bin. Ich spiele meine Musik und hoffe, dass sich einige Leute darin wieder finden.”

In manchen Fällen hilft aber am Ende vielleicht wirklich nur eine ‘Therapie’, wie Rafael in dem gleichnamigen Stück empfiehlt. “Heute wird es sein, wie es schon gestern war./ Du kommst nicht weiter, denn du stehst dir selbst im Weg./ Die Therapie, die wir jetzt brauchen, ist endlich an uns selbst zu glauben!”

Dass er dabei erst an eine Einzelperson richtet, um diese anschließend mit dem Wir-Gefühl bei der Hand zu nehmen, ist therapeutisch natürlich ein cleverer Schachzug: “Ich wollte den Hörer in den Strophen erst einmal persönlich ansprechen, um dann schließlich den Kreis zu erweitern mit dem ‘Wir’! Denn jeder kennt doch eigentlich diesen Alltagstrott. Zudem schafft diese unterschiedliche Anrede auch lyrisch etwas Abwechselung!”

Abwechslungsreich und eingängig ist natürlich auch die Mischung zwischen den ordentlich rockenden Pop-Stücken und den sanfteren Liebesliedern, mit der es Rafael schon ins Vorprogramm der letzten Tour von Sugarplum Fairy schaffte. Aber wird die nächste Scheibe vielleicht ganz anders klingen? Immerhin hat er den Titeltrack ‘Weil Sich Alles Ändern Muss’ ans Ende der Scheibe gepackt. “Geschrieben habe ich das eigentlich, als ich von zu Hause ausgezogen bin und mich fragte, was mich jetzt erwartet. Am Ende der CD ist das aber auch passend, weil ich ja schon noch ein zweites Album schreiben will und sich da zeigen wird, was mich bis dahin alles beeinflusst hat. So lasse ich die Tür offen stehen und werde sehen, was dadurch alles herein tritt.”

Text: Holger Köhler

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