Fünf Alben in nur sieben Jahren – genau das soll der Titel des neuen Studioalbums der amerikanischen Emo-Rocker Relient K vermitteln. Umso verwunderlicher ist es, dass man hierzulande von dieser melodisch so prächtig auftrumpfenden Band so gut wie noch nie etwas gehört hat. Das lässt sich nun mit einem frisch gebündelten Strauß prächtiger Songs, bei denen sich Pop und Punk immer wieder ein fröhliches Stelldichein liefern, ebenso schnell wie spielend nachholen. De facto ist „Five Score And Seven Years Ago“ das zweite Capitol-Album der Band aus dem Bundesstaat Ohio, die sich nun anschickt, auch das gute alte Europa zu erobern. In den Staaten haben Matt Thiessen (Leadgesang, Gitarre, Piano), Matt Hoopes (Gitatte, Gesang), Dave Douglas (Schlagzeug, Gesang), John Warne (Bass, Gesang) und Jon Schneck (Gitarre, Banjo, Gesang) bereits eine riesige Fangemeinde. Mit ihrem vierten Album, lautmalerisch “mmhmm” benannt, enterten sie im Jahr 2004 die Billboard Top 200 auf Platz 15, führten zeitweilig sogar die Internet-Charts an und brachten es auf weit mehr als eine halbe Million verkaufte Exemplare des Goldalbums. Die Singleauskopplung „Be My Escape“ avancierte zum MTV-Top-Ten-Hit und die Warp-Tournee im Jahr 2005 trug ebenso zur steigenden Popularität von Relient K bei wie der Support zur US-Tour von Good Charlotte und Auftritte in der Tonight Show.

Relient K, benannt nach dem Automodell Plymouth Reliant K, das Gitarrist Matt Hoopes einst fuhr, präsentieren sich auf ihrem neuen Werk sichtlich gereift und mit neuem kommerziellen Drive. Das mag auch mit daran liegen, dass sie mit dem Produzenten Howard Benson (My Chemical Romance, P.O.D.) zum ersten Mal in ihrer Karriere einer frischen Kraft vertraut haben. Stammproduzent Mark Townsend, der alle vorherigen Alben produziert hatte, betreute bei den Aufnahmen des neuen Albums in Nashville allerdings noch drei Songs. Als erste Single wurde „Must Have Done Something Right“ auserkoren, ein auf Anhieb auffälliger Song mit überzeugend sonnigem Pop-Appeal à la Weezer. Flankiert von einem höchst amüsanten Videoclip, ist Relient K mit dieser unwiderstehlichen Happy-go-lucky-Nummer zweifellos ein ganz großer Wurf gelungen. Gleichwohl finden sich unter den 14 Tracks noch jede Menge weiterer Hochkaräter: Der kurze Opener „Plead The Fifth“ verführt mit zuckersüßen Beach-Boys-Harmonien und fungiert als gelungener Einstieg in einen Longplayer, der mit „Come Right Out And Say It“, „I Need You“, „Devastation And Reform“ und „Up And Up“ jede Menge explosiven Melodypunk bietet, wie ihn derart leidenschaftlich nicht viele Bands dieses Genres beherrschen. „Forgiven“ überzeugt hingegen mit seinem manischen Leadgesang, Pianostakkato und den flirrenden Gitarren als perfektes Pendant zu U2, als diese noch jung und weniger pathetisch waren, und „Faking My Own Suicide“ wartet sowohl mit einer beseelten Melodie auf als auch mit jenem makabrem Humor, mit dem in dem legendären Kultfilm „Harold und Maude“ dieses Thema angegangen wurde.

Den krönenden Abschluss des Albums, das durchweg mit außergewöhnlich guten Songtexten, brillanten Gesangsharmonien und einem Feuerwerk mitreißender Gitarrenriffs aufwartet, bildet das wunderbare, geschlagene elf Minuten lange Epos “Deathbed”. In dem auf 115 Spuren (!) aufgenommenen Popdrama mit unverkennbaren Beatles-Referenzen blickt ein Krebspatient kurz vor dem Tod auf sein Leben zurück. Ein höchst ungewöhnlicher Song für eine junge Band, die in ihrer Heimat zwar unter den christlichen Bands firmiert, aber zugleich wegen ihrer mutig bissigen Texte von konservativen Geistern geschmäht wird. Wenn die ersten vier Alben von Relient K so etwas waren wie die vier Evangelien des Lukas, Matthäus, Johannes und Markus, dann ist „Five Score And Seven Years Ago“ wahrlich ein Buch der Offenbarung. Apokalyptisch in seiner Farbenpracht und paradiesisch schön. Eine unverhoffte Entdeckung. Apropos „Must Have Done Something Right“, um noch einmal den Titel ihrer prachtvollen Single hervorzuheben: Mit „Five Score And Seven Years Ago“ haben Relient K definitiv alles richtig gemacht.

promo