Richard Hawley will Musik für die Ewigkeit machen. Sein neues Werk ‘Lady’s Bridge’ rockt, groovt und swingt zugleich. Diesmal ging es ihm um alles, denn morgen könnte es schon vorbei sein!

Begonnen hat Hawley seine Karriere jedoch nicht als Solokünstler. Der Mann entschied sich am Anfang seiner Laufbahn eher für die dunkle Ecke der Bühne. Als Sidekick der famosen englischen Band Pulp war er als sechstes Bandmitglied bei den großen Tourneen dabei, ohne dass irgendwer wirklich Notiz von ihm nahm. “Das hat mich nie gestört, denn die Mitglieder bei Pulp erwähnten fast täglich, wie wichtig mein Dasein als Tourmusiker sei”, erklärt der in Sheffield lebende Songwriter sichtlich gerührt. Dies wahrscheinlich auch deswegen, weil er die Grabenkämpfe zwischen Sänger Jarvis Cocker und dem Rest der Band Tag für Tag mitbekam. Eine ungewohnte Situation, denn Hawley sah sich nicht in der Lage, dem allmählichen Zerfall von Pulp etwas entgegensetzen zu können. “Ich fand das sehr surreal. Als zwischenzeitliches Mitglied weiß man natürlich auch nicht, was da im Studio bei den Aufnahmen abging? Was die außerhalb der Bühne für bandinterne Probleme miteinander haben und ob Jarvis wirklich so ein Diktator ist, wenn es ums Songwriting geht?”

Antworten auf diese Fragen, hat er bis heute nicht gefunden. Will er auch gar nicht, denn viel wichtiger ist es für Hawley, den Glauben an die Musik nicht verloren zu haben: “Wenn man solche Dinge mitbekommt, fragt man sich natürlich, warum machen wir das? Ich meine, da hat eine Band ein Millionenpublikum, kommt mit der Situation trotzdem nicht klar und verzichtet sogar ganz auf die Musik.” Aus dieser Sackgasse herausgeholfen hat ihn dann überraschender Weise Jarvis Cocker höchstpersönlich: “Ich gab ihm irgendwann mal ein paar unfertige Demos von mir”, erzählt Hawley und ergänzt stolz, “er hörte sie und ermunterte mich mein Glück auf Solopfaden zu suchen. Mich endlich meinem eigenen Publikum zu stellen.”

Knapp ein Jahr nach dem Split von Pulp, veröffentlichte Richard Hawley dann sein selbstbetiteltes Debütalbum im Jahre 2002. Die Reaktionen auf der Insel waren überwältigend, und sogar der sonst nur auf pickelgesichtige Bands setzende NME sprach von der Erhabenheit eines jungen Scott Walkers. Die endgültige Krönung seines Schaffens war eine Normierung für den Mercury Prize im letzten Jahr. Allerdings ohne Happy End für den Engländer: “Dank meines 2005 erscheinenden Albums ‘Coles Corner’ hielt mich jeder für den Favoriten auf den Preis.” Es kam anders. Als die Pappkarte das Couvert verließ, stand dort nicht sein Name, sondern der einer gewissen Band namens Artic Monkeys. “Ich gönne ihnen den Erfolg, weil ich ihre Musik wirklich innovativ finde und mir aus dem Preis ohnehin nicht soviel mache. Es ging mir bei der Sache mehr um die Anerkennung!”

Diese wird Hawley auch für sein neues Album ‘Lady’s Bridge’ bekommen. Er hat die ganz großen Geschütze aufgefahren und lässt neben Bläsern und Streichern, auch hallende Drums erklingen. Zusammengenommen wirkt dies wie ein Alterswerk. “Dem würde ich so nicht zustimmen. Mein Anspruch an die Platte war, etwas ganz Bedeutendes zu schaffen, etwas, das meine Zeit überdauern kann.” Auftrag ausgeführt!

Text: Marcus Willfroth