Was lange währt, wird endlich gut. Die Rival Schools mögen keinen Stress und lieben ihre Freiheit. Dennoch wollen sie sich beim nächsten Album ein bisschen mehr beeilen, erzählte uns ihr Drummer Sammy im Interview.

Rival Schools-Schlagzeuger Sammy Siegler auf dem Highfield – Foto: Elli Eberhardt

Die Herren Rival Schools haben sich ein gutes Stück Zeit gelassen, bis sie in diesem Jahr wieder mit einer neuen Platte um die Ecke kamen. Zehn Jahre um genau zu sein, die den Fans doch einiges an Ausdauer im Üben ihrer Geduld abverlangten. Auf “Pedals” präsentieren sie sich überaus gut gelaunt, kraftvoll und haben ihren Sound noch um einiges aufpoliert, was jedoch eigentlich gar nicht so geplant war. Wir trafen Drummer Sammy Siegler auf dem Highfield Festival und sprachen mit ihm über das Erleben einer langen Schaffenspause, eine Sushi-Bahn im Schlafzimmer und Spaß als Überlebensrezept. 

motor.de: Die erste Frage, die natürlich unter den Nägeln brennt – die Katastrophe vom Pukkelpop hat uns alle sehr mitgenommen. Ihr wart auch dabei, wie habt ihr es erlebt?

Sammy: Das Pukkelpop war unser erstes Festival-Konzert in dieses Jahr. Wir wollten gerade beginnen zu spielen, ich stand auf der Bühne, da zog auf einmal dieser Sturm auf. Zuerst hat es geregnet und dann wurde es richtig schnell richtig schlimm. Ein Baum ist auf unser Zelt gefallen. Aber unser Zelt war noch gar nichts… Etwa ein, zwei Stunden später habe ich gefragt, wie schlimm die Lage eigentlich ist, da wurde uns erzählt, dass Menschen gestorben sind. Ich konnte es nicht fassen! Es war eigentlich ein super Wetter, aber plötzlich kamen diese Wolken auf. Für etwa fünf Sekunden wurde es mit einem Mal ungeheuerlich, wie eine vollkommene Ohnmacht. In dem Moment dachte ich an das Unglück in den USA, als auch eine Bühne in sich zusammenfiel und überlegte, was ich tun sollte, ob ich stehen bleibe, mich woanders unterstelle oder mich auf den Boden lege… Das Pukkelpop ist eigentlich ein sehr schönes Festival mit wunderbaren Menschen und zuerst war das Wetter wirklich wunderschön, aber plötzlich… Also hat der Festivalsommer für uns wirklich schrecklich angefangen.

motor.de: Zu erfreulicheren Dingen: lass uns über euer neues Album sprechen. Für “Pedals” habt ihr euch beachtliche zehn Jahre Zeit gelassen. Für Fans aber auch gerade für euch als Band eine ziemlich lange Zeit. Ihr habt da ganz schön die Ruhe weg!

Sammy: Nachdem unsere letzte Platte rauskam, haben wir ein paar Jahre getourt. Wir hatten ein kleines Burn-Out und wollten etwas Zeit für uns haben. Etwa 2008 haben wir wieder mit dem Spielen angefangen und uns langsam an eine neue Platte gewagt. Aber diese braucht trotzdem ihre Zeit, das ganze Aufnehmen und Einspielen. Aber es stimmt, zehn Jahre sind schon eine echt lange Zeit.

motor.de: So sei mir die Frage gestattet: wie lange habt ihr denn an dem Album wirklich gearbeitet?

Sammy: Zu Beginn des Schreibens haben wir uns erst mal mit ein paar alten Songs warm gespielt und dann immer mehr neues Material dazu genommen. Das hat schon etwas Zeit in Anspruch genommen… Aber das Aufnehmen an sich ging wirklich schnell, ich habe alle Drum-Spuren an einem einzigen Tag eingespielt. Danach kam alles andere: Gitarre, Bass und so weiter, dann das Abmischen… Dennoch – es hat eigentlich nur ein paar Monate gedauert. Aber die Veröffentlichung zog sich dann noch ziemlich hin. Das ist dann die eigentliche Warterei. Es muss bis nach Weihnachten gewartet werden und aus Januar wird dann plötzlich Februar… und so weiter (lacht).

Rival Schools – “Wring It Out”

motor.de: Wie liefen die Aufnahmen ab? Ich stelle mir das nach so langer Zeit ein bisschen seltsam vor. Da muss man doch erstmal wieder zusammenfinden, oder?

Sammy: Nein, die Zeit nach der Pause war wirklich toll, ich denke gerade wegen der Pause und weil wir mit anderen Leuten Musik gemacht haben. Ich glaube, deshalb haben wir nicht wie gewohnt so lange über Sachen nachgedacht, sondern einfach gemacht. Wenn du andauernd aneinander klebst, dich täglich siehst und gemeinsam wohnst, beginnst du, ständig über viele Dinge nachzudenken. Diesmal war es hingegen erfrischender: hier ist, was ich mache, hier ist, was du machst. Wir klangen in dem Moment zwar wirklich nicht gut und haben beschlossen, etwas anders zu machen. Aber wir hatten Spaß, haben uns selbst produziert und uns dabei sehr wohlgefühlt. Es war eine angenehme und entspannte Arbeit, denn die Grundidee ist es, Spaß zu haben. Wenn du anfängst, bist du emotional noch viel aufgewühlter. Man regt sich so schnell auf, ist angepisst, sagt andauernd “Ich hasse diesen Typen!” und so weiter… Dieses Mal war es wirklich eher so, dass wir einfach Spaß hatten und dabei kreativ und vor allem produktiv waren. Ein schönes Gefühl!

motor.de: Ihr kommt alle aus den unterschiedlichen Richtungen, worauf habt ihr besonderen Wert gelegt? Gab es bestimmte Platten oder Musiker, die zur Zeit der Aufnahmen für euch wichtig waren?

Sammy: Ich denke, dass man von jeder Menge Einflüsse geformt wird, und das ein ganzes Leben lang. Das macht einen im Endeffekt aus – zumindest im musikalischen Sinne. Wir haben uns jetzt nicht vorgenommen, eine Platte zu machen, die nach dieser oder jener klingt. Wir können unsere Musik durch die verschiedenen musikalischen Wurzeln in total unterschiedliche Richtungen strecken, wir können sie etwas punkiger machen oder mehr Hardcore. Eigentlich wollen wir unsere Musik lediglich vielseitig gestalten, aber trotzdem einen eigenen Sound behalten.

motor.de: Wie sieht die Aufgabenverteilung bei den Rival Schools aus?

Sammy: Eigentlich nach einem üblichen Schema. Walter [Schreifels, Sänger der Band, Anm.d.Red.] ist unser hauptsächlicher Songwriter, er schreibt den Großteil der Texte. Ian Love, unser Gitarrist, bringt sämtliche gute Ideen ein, von dem Rest der Band fließt allerdings auch viel ein. Es ist schwer zu sagen, wer die größte Arbeit beim Songschreiben übernimmt. Wir leben alle in New York City, haben Familie und ein Leben außerhalb der Musik und somit blieb wenig Zeit zum Schreiben, aber das war irgendwie sehr produktiv.

Rival Schools – “Used For Glue”

motor.de: Verglichen mit der ersten Platte ist euer aktuelles Album etwas glatter, bewegt sich etwas mehr in Richtung Pop. Wie würdest du Rival Schools 2011 beschreiben? Wie viel Post-Hardcore steckt noch in der Band?

Sammy: Das ist eigentlich witzig, denn bei unserer ersten Platte hatten wir jede Menge Schotter, um es zu produzieren und zu polieren. Bei diesem waren wir allerdings zuerst auf uns allein gestellt und finanziell etwas eingeschränkt. Die 2011er Rival Schools würde ich so beschreiben: wir haben unseren eigenen Sound und das mag ich an uns! Es ist meiner Meinung nach auch das Wichtigste für eine Band. Und ich glaube, wenn jemandem unser Sound gefällt und jemandem gefällt, was wir machen, dann ist die Richtung, in die es geht, gar nicht so wichtig. Die Rival Schools 2011 versuchen außerdem, sehr produktiv zu sein und nach vorn zu schauen.

motor.de: Das klingt ja ganz danach, als würde euer drittes Album nicht so lange auf sich warten lassen wie “Pedals”…

Sammy: Das könnte sein. Es wäre einfach scheiße gewesen, wenn wir bei der letzten Platte etwas erzwungen hätten. Ich hätte es so gesehen und der Rest der Band auch. Wir hätten am Ball bleiben und alle zwei Jahre ein neues Album veröffentlichen können, aber das wären nicht wir gewesen. Doch jetzt haben wir eigentlich nicht vor, uns zehn Jahre Zeit zu lassen.

motor.de: Haben eure Fans eigentlich Druck gemacht? Gab es Drohbriefe?

Sammy: (lacht) Na ja, wir haben schon ein paar zynische Nachrichten bekommen wie “Ich hoffe, dass es nicht weitere zehn Jahre dauert, bis ihr eine neue Platte veröffentlicht!”.

motor.de: Kommt perspektivisch für euch ein akustisches Album in Frage? Ich höre da bei euch immer so einen Unterton heraus…

Sammy: Dafür steckt auf jeden Fall Potential in uns und es können auch hier und da akustische Momente in unserer Musik auftauchen. Wir sind da definitiv absolut offen. Wir lassen uns jedenfalls nicht unter Druck setzen und sagen, wir können nur noch Punkrock oder diese oder jene Musikrichtung einschlagen. Ich denke, unsere Gemüter stehen dem offen entgegen, also wer weiß, was passieren wird.

motor.de: Was steht bei euch als nächstes an? Habt ihr schon neue Projekte oder bereits neue Ideen für Songs?

Sammy: Wir schreiben neue Lieder und haben auch vor, diese aufzunehmen. Wir wollen definitiv am Ball bleiben mit den Rival Schools. Uns steht eine Headline-Tour in den USA bevor, dann supporten wir noch eine andere Band, in dieser Zeit werden wir viel Material schreiben. Und ich denke, danach geht es für uns wieder ins Studio.

motor.de: Abschließend: Wenn du genau jetzt einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?

Sammy: Im Moment… (überlegt) hätte ich gern ein Sushi-Karussell. Also so eine Art Eisenbahn, die mit Sushi oben drauf in meinem Schlafzimmer umher tuckert. (lacht)

Interview: Alex Beyer und Elli Eberhardt