Mit 17 verlässt Roman sein bayerisches Heimatdorf und zieht in eine Augsburger WG. Schon kurz darauf lernt er Marc Liebscher kennen, und Ende 2003 veröffentlicht er über Liebschers Label Blickpunkt Pop seine drei Tracks umfassende „Outtakes“-EP. Ein Jahr später folgt das Debütalbum „Bigger than now“, auf dem Roman Fischer nahezu alle Instrumente selbst einspielt. Für die zehn melancholischen Popsongs bekommt er viel Anerkennung. Sie tragen ihn bis ins Vorprogramm von Bands wie den Arctic Monkeys, Miles, Sportfreunde Stiller, Tomte und Turin Brakes. Dass die ersten Vorschusslorbeeren berechtigt waren, beweist Roman Fischer dann 2006 auf dem Nachfolger „Personare“. Der gerade mal 21-jährige überrascht mit unglaublich reifen Pathospophymnen. Wesentlich nachdenklicher als noch auf dem Debüt, entpuppt sich das Klavier als wichtigstes Instrument, wenn er mit klarer Stimme und viel Falsett seine oft sehr düsteren Texte von der Sinnsuche singt. Der Musikexpress kürt das Album zur „Platte des Monats“, und nicht ganz zu Unrecht vergleichen Kritiker ihn immer wieder mit Radiohead, Coldplay, Placebo und Muse.

„Von meinen Empfindungen her bin ich mit Sicherheit ein schwerer Mensch, aber trotzdem habe ich eine gute Zeit und bin längst nicht so schwer, wie mich viele Leute sehen“, erklärt Roman, warum ihm vier Jahre später plötzlich so unbeschwerte Popsongs wie „Into Your Head“ von der Hand gegangen sind. „Vor kurzem habe ich „Personare“ mal wieder angehört – und war ein bisschen schockiert. Das Album hat einen unglaublichen Sog, der fast schon dämonisch ist. Das Album war negativer als sein Vorgänger, aber so habe ich mich in dieser Zeit auch gefühlt. Ich stehe hinter „Personare“, nur ist die Platte nicht in jeglicher Hinsicht gesund. Inzwischen habe ich gelernt, dass es auch um positive Energie geht und nicht nur ums Ego.“

Auf dem neuen Album finden sich nicht nur unglaublich eingängige Songs, auch textlich steht Roman Fischer die neue Leichtigkeit gut. Natürlich ist „Into Your Head“ einfach ein Liebeslied und „We’ll Never Meet Again“ thematisiert Fantasien ohne doppelten Boden. Doch gerade, weil Roman bei der vermeintlichen Einfachheit der ausgedrückten Gefühle die Fallen kennt, sind die Texte alles andere als plump. „Viele Wahrheiten sind nun mal ganz offensichtlich. Wir haben so viele Möglichkeiten, die wir gar nicht mehr sehen, weil sie uns die ganze Zeit vor Augen gehalten werden. Aber gerade deswegen habe ich auch manchmal absichtlich Klischees bedient – sie stimmen einfach.“ Und dabei hat er auch seinen Humor entdeckt. Wenn er in „Sequels“ den schon so oft beackerten Abnabelungskampf von den Eltern beschreibt und die gängigen Muster einfach umdreht, dann liegt der Witz eben genau in dieser verdrehten Direktheit.

Man kann das neue Album wie eine alte Schallplatte hören. Da ist die A-Seite, mit der Roman einen großen Schritt in eine neue Richtung macht. Da ist mit „Beware“ ein Übergangssong, und da ist eine B-Seite mit der bewährten emotionalen Tiefe.

(Carsten Schrader)
Text von MySpace (Stand 06/2010)
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