Angefangen hatte alles vor drei Jahren. Ryan Adams griff eines Nachts zum Telefon und beschimpfte einen amerikanischen Journalisten auf’s Heftigste. Eine schlechte Kritik war der Auslöser und ein Medienboykott die Folge. Warum er trotzdem bereit war, mit uns über sein neues Album “Easy Tiger” zu sprechen, erklärt der Songwriter geduldig und ohne Starallüren.

Obwohl du in den letzten zwei Jahren drei Alben veröffentlicht hast, sprachen viele nur über deine Haltung zur Presse!
Ryan Adams: Ich hatte noch nie ein schlechtes Verhältnis zu den Medien. Vielmehr störten mich einige Kritiken von Leuten, die nicht an meiner Musik interessiert waren, sondern es auf die Person Ryan Adams abgesehen hatten. Ich finde es völlig okay, wenn jemand sagt, dieses oder jenes gefällt mir an deinem Sound nicht – solange man mich als Mensch in Ruhe lässt.

War dein Medienboykott eine Antwort darauf?
Schließlich hast du für deine letzten drei Alben in Deutschland keinerlei Interviews gegeben.

Ryan Adams: Ich würde da nicht von einer Folgereaktion sprechen. Der Grund war vielmehr, dass ich bei “Cold Roses”, “Jacksonville City Nights” und “29” nicht viel zu sagen hatte. Redebedarf verspüre ich erst jetzt wieder.

Deswegen hat sich Ryan Adams prominente Unterstützung besorgt: Stephen King. Der amerikanische Schriftsteller schrieb das Albuminfo zu “Easy Tiger” und sorgte damit vor allem beim Songwriter selbst für Erstaunen: “Meine Plattenfirma kam auf mich zu und fragte, wer eigentlich die Pressemittlung schreiben soll? Etwas überrumpelt antwortete ich, Stephen King natürlich! Kurzerhand wurde er ohne mein Wissen angerufen und sagte sofort zu.” Vielleicht auch deswegen, weil King unlängst einen Songtext von Adams in einem seiner Bücher als Einleitung verwendet hatte. Obwohl beide künstlerisch in einem anderen Genre zu Hause sind, verstanden sie sich beim ersten und bislang einzigen Gespräch auf Anhieb. “Seine Fragen zu meiner Musik waren sehr originell. Ich weiß nicht warum, aber ich glaube, er versteht meine Musik besser als einige Journalisten.”

Ähnlich wie King ist auch Ryan Adams ein sehr produktiver Künstler. Nachdem es im letzten Jahr außer einer Tour kein neues Lebenszeichen von ihm gab, klingt er anno 2007 sehr entspannt: “Easy Tiger” ist kein dunkler Exzess geworden, sondern besticht durch einen sehr homogen folkig-rockigen Sound und einen positiven Grundtenor, welcher auch den Künstler überrascht. “Ich habe mir vor den Aufnahmen gesagt: ‘Ryan, du muss nicht das nächste Weiße Album aufnehmen. Hinzu kam die entspannte Stimmung im Studio. Ich weiß, dass viele Künstler immer behaupten, ihr neues Album sei das beste und so – aber ‘Easy Tiger’ klingt für mich wirklich sehr viel ausgeglichener als meine letzten Platten.” Was sich auch im Titel widerspiegelt. Adams berichtet, dieser sei durch eine Bekannte entstanden. Er habe mit ihr vor einem Restaurant gewartet und wollte schnellstmöglich rein – “mein Hunger plagte mich schrecklich” – als sie antwortete: “Easy, Tiger!”

Wenn du nun zurückblickst auf die letzten drei Jahre, was hat sich für dich geändert? Ich frage deswegen, weil du auf den Fotos in letzter Zeit nicht wirklich erholt aussahst!
Ryan Adams: Das lag wahrscheinlich an meinem Bart. Den hatte ich mir stehen lassen, weil ich mal schauen wollte, wie ich damit so aussehe! Noch einmal für alle: Ich hatte nicht vor, John Lennon zu folgen. Das habe ich so oft gelesen und dachte mir immer: Verdammt, darf man nicht einfach mal einen unpolitisch motivierten Gesichtswuchs haben?! (überlegt) Ansonsten habe ich mich nicht groß verändert. Außer, dass ich letztens ein neues Album aufgenommen habe. Es heißt “Easy Tiger”. (lacht)

Während des gesamten Gesprächs wirkt Adams locker und vergnügt bei all seinen Antworten. Auch Fragen nach den berüchtigten Kritikeranrufen bringen ihn nicht aus der Fassung. “Ich wollte diesen Menschen einfach nur zu verstehen geben, dass auf den Alben nicht meine DNS eingespielt wurden ist, sondern lediglich meine Vorstellung von Musik! Ich trenne ganz klar zwischen dem Musiker und der Privatperson, weswegen auch in allen Plattenkritiken diese Grenze prospektiert werden sollte. (überlegt) Sie sollen nicht mich, sondern meine Musik hassen!”

Interview: Christine Stiller/Marcus Willfroth
Text: Marcus Willfroth

Discografie:
2000 Heartbreaker
2001 Gold
2002 Demolition
2003 Rock’n’Roll
2004 Love Is Hell
2005 Cold Roses
2005 Jacksonville City Nights
2005 29
2007 Easy Tiger