(Fotos: JussiU Photography)

Die Satellite Stories kommen zwar aus Finland, ihre Musik klingt jedoch alles andere als verschneit. Dafür kann sie jeden Club zur Sauna machen, höhö. Spaß beiseite: wem die neuen Sachen von Two Door Cinema Club nicht mehr dancy genug sind, kann getrost auf die Off-Beat-Knaller der Satellite Stories zurückgreifen. Von der ersten EP 2010 bis zum neuen Album hat sich die Band von blonden Posterboys zu ernstzunehmenden Indierpoppern entwickelt, die immer mehr Melancholie in ihre Texte und Melodien einfließen lassen. Sie erfinden das Indie-Rad nicht neu, doch das, was sie machen, machen sie verdammt gut, man höre sich nur das unten verlinkte "Kids Aren't Safe In The Metro" an!

In Deutschland seid ihr noch nicht übermäßig bekannt, könntet ihr kurz eure Entwicklung als Band beschreiben?

Wir sind schon vor vier Jahren zusammen gekommen, damals war’s aber noch nicht so ernst. Wir brauchten ein paar Jahre um zu realisieren, dass wir auch etwas konnten. Wir nahmen Demos auf und erwarteten nicht zu viel, aber einige große Blogs aus der ganzen Welt schrieben plötzlich über uns. Also dachten wir wenn die Leute das mögen, dann sollten wir uns ein einem ganzen Album probieren. Die Demo zu diesem Album haben in Japan als EP verkauft und 6000 Stück in 60 Tagen verkauft, das war im Mai 2012. Von da an ging alles ziemlich schnell.

 

Ihr nehmt eure Platten selber auf, richtig? Wo habt ihr das gelernt und die Erfahrung her? Oder vertraut ihr fremden Produzenten einfach nicht?

 Learning By Doing, Ratschläge Ernst nehmen und bei den Pro’s lernen! Der einzige Weg deine eigene Musik zu kontrollieren und 100 % glücklich damit zu sein ist wenn du die Verantwortung selbst übernimmst. Es ist aber nicht so, dass wir keinem Produzenten trauen würden. Uns wurden für unser Album viele Produzenten angeboten und ich bin sicher, dass wir in Zukunft mit jemandem zusammenarbeiten werden, aber dieses Album wollten wir selbst in die Hand nehmen, wir wussten genau welchen Sound wir wollen und es hat einfach alles perfekt geklappt. 

 

Haben eure Lyrics meistens privaten Background oder seid ihr einfach gute Geschichtenerzähler? 

Die Songs haben viele Ebenen, in manchen von ihnen sind natürlich Teile unserer Leben enthalten. Dennoch ziehen wir viel Inspiration aus Büchern oder Geschichten, von denen wir hören. Viele Stücke handeln sich an dunklen Geschichten über Verlust und Nostalgie ab, wir alle haben ja diese Emotionen. 

 


Satellite Stories – Kids Aren't Safe In The Metro on MUZU.TV.

Ihr seid nun schon eine Menge herum gekommen, konntet etliche Erinnerungen sammeln und habt auf Tour sicher viele nette Orte kennen lernen können. Gab es schon diese existenziellen Gedanken a la: „Scheiße, hier ist es so schön, ich will hier nie wieder weg oder zumindest irgendwann hier herziehen!“ 

Nicht nur in Europa, sondern auch Asien! Ich denke wir sind alle sehr glücklich, wir haben unterwegs großartige Erfahrungen machen können, außerdem trinken wir uns nicht jede Nacht alles wieder weg! Wir gucken uns tagsüber gerne die Orte an, in denen wir abends spielen und das geht nun mal besser ohne Kater. Trotzdem hat man nie genug Zeit um sich wirklich an einen Ort zu binden. Die spanische Südküste war der Hammer, da haben wir drei Tage verbracht. Japan war super, dort blieben wir für eine Woche… Jedes Land und jede Stadt hat eigene Reize. 

 

Was war das Verrückteste, das euch auf Tour passiert ist?

Da fallen mir viele Sachen ein, zum Beispiel eine Presse Konferenz und Fans-Treffen in einem riesigen Plattenladen in Tokyo. Das war so verrückt, die Fans kamen mit Geschenken, sogar mit Kuchen und unseren Gesichtern darauf. Wir noch nicht mal ein Album veröffentlicht und waren noch nie in Japan. Später stellte sich heraus, dass die Show ausverkauft war und die Autogramm-Session fünf Stunden gehen sollte.

 

Wenn ihr fast das ganze Jahr auf Tour seid müsst ihr euer Zuhause und eure Freunde sehr vermissen, oder?

Auf jeden Fall! Der alte Spruch “Home is where the heart is” kommt uns oft in den Kopf geschossen. Unsere Freunde verstehen und unterstützen uns aber. Wir wissen, dass das die Chance unseres Lebens ist und die Möglichkeit das halbe Jahr auf Tour zu sein hätte viele Bands gerne! Wir versuchen das alles zusammen zu bekommen und Platz für Freunde und Familie frei zu räumen, wenn wir zuhause sind. 

 

Wolltet ihr bei eurem zweiten Album ("Pine Trails", VÖ: 1.11.) eher euren eigenen Sound finden und festigen oder experimentieren?

Wir hatten kein explizites Ziel vor Augen. Wenn man sich vornimmt, das Beste aus den Aufnahmen herauszuholen, dann läuft das selten organisch ab. Natürlich experimentieren wir und finden täglich neue Sounds. Wenn’s sich im Mix gut anhört, dann wird das auh genommen! Es sollte halt immer fresh klingen, wir sind ständig auf der Suche…

 

Ihr seid bei dem Label XYZ Berlin gesigned.  Wie kam diese Zusammenarbeit zu Stande?

Unser Label hat auch Büros in Stockholm und London, naja, eigentlich kann man sagen, das Label sitzt in Stockholm und hat ein Büro in Berlin. Sie kamen auf uns zu und hatten in der Vergangenheit mit einigen großen Bands gearbeitet. Wir haben 100 prozentige kreative Kontrolle bekommen und sie haben das Geld und eine tolle Überzeugung. Entdeckt haben sie uns bei einem Auftritt in einer kleinen Londoner Bar
 

(Marc Augustat)

HIER könnt ihr übrigens unsere Rezension zum neuen Album "Pine Trails" lesen.