Seit über einem Jahrzehnt macht Michael Franti mit seiner Band Spearhead auf die Ungerechtigkeiten in dieser Welt aufmerksam. 2001 forderte er mit dem Albumtitel ‘Stay Human’ freundlich dazu auf, doch etwas Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen. Doch nach Terroranschlägen, Kriegen und Wirtschaftskrisen sieht er es inzwischen an allen Ecken und Enden brennen. Deshalb schlägt er nun mit ‘Yell Fire’ Alarm!

Gegenüber den Machthabenden war Michael Franti schon immer kritisch eingestellt. Seine Musikkarriere startet er 1986 mit The Beatnigs, um danach bei den Disposable Heroes Of Hiphoprisy seine Raps mit Industrial-Beats zu unterlegen. Das bekannteste Stück dieser Crew dürfte ‘Television – The Drug Of The Nation’ sein, mit der sich Franti brachial gegen die Beeinflussung durch die Medien wehrt.

Sein drittes Projekt nennt er schließlich Spearhead. Die erste Platte ‘Home’ erscheint 1994 und überrascht mit einer sehr viel milderen Mischung aus Soul, HipHop, Funk, Reggae und Folk. Doch die Texte haben nichts von ihrer Sprengkraft verloren. Franti singt über Armut, Aids und Unterdrückung. Dass er in diesem Sound wirklich seine neue Heimat gefunden hat, stellt er drei Jahre später mit ‘Chocolate Supa Highway’ klar. 1998 folgen andere Künstler seinem stilistischen Beispiel: Everlast von House Of Pain verblüfft auf seinem Solo-Album ‘Whitey Ford Sings The Blues’ mit einem ähnlichen Klangspektrum, Public Enemy kooperieren für ‘He Got Game’ mit Stephen Stills und bauen Teile seines Stücks ‘For What It’s Worth’ darin ein. Michael Franti bleibt der kommerzielle Erfolg dagegen verwehrt.

Trotzdem weicht Franti auch bei ‘Yell Fire’ nicht von seinem Konzept ab. Musikalisch sanftmütig, feuern die Texte dafür wie immer gesellschaftspolitisch wichtige Botschaften ab. Der Titeltrack beginnt gleich mit der Zeile: “A revolution never come with a warning./ A revolution never send you an omen./ A revolution just arrive like the morning./ Ring the alarm we come to wake up the snorin’!” Franti will die Schnarchsäcke wecken, damit sich endlich was verändert.

Stücke wie ‘Time To Go Home’ sind dabei eindeutig von seinen Erlebnissen während einer Reise durch den Mittleren Osten im Juni 2004 geprägt, die er im Film ‘I Know I’m Not Alone’ dokumentiert hat. Im Irak traf er sowohl viele friedliche Bürger Bagdads als auch die dort stationierten Soldaten, die alle eigentlich das Gleiche wollen: Dass der Krieg beendet wird. “Was sollte ich den Soldaten sagen? Ich war ziemlich wütend, als ich dort ankam, weil ich davor Kinder in einem Krankenhaus besucht hatte, die nach Verletzungen durch Explosionen dort eingeliefert wurden. Deshalb sang ich auch ‘You can bomb the world to pieces, but you can’t bomb the world to peace’! Einige Soldaten sagten, dass sie Patrioten seien, die alles für ihr Land tun würden. Aber die meisten fühlten sich schuldig, weil Menschen für Lügen gestorben sind. Alles, was sie wollen, ist nach Hause zurückzukehren.”

Um mit den Irakern leichter in Kontakt zu kommen, fragte Franti auch nach einem typischen Wort und sang dann immer ‘Habibi’, was durchweg positive Reaktionen hervorrief. In gewisser Weise greift er diese Idee auch bei ‘Hello Bonjour’ auf. “Für mich ist es einfach ein Zeichen des Respekts, wenn du versuchst, wenigstens ein bisschen die Sprache des Landes zu sprechen, das du besuchst. Die Leute sind dann auch viel hilfsbereiter, weil sie das anerkennen. In ‘Hello Bonjour’ singe ich auch gleich am Anfang, dass ich keinen Pass brauche, um rumzureisen. Ich sehe mich als Erdenbürger und denke daher, dass auch die Sprache uns allen gehört.”

Wobei das mit dem Pass schon etwas komplizierter ist, muss Franti zugeben. “Für mich ist das allerdings trotzdem nicht so problematisch, da ich durch meinen US-Pass so privilegiert bin, dass ich nahezu überall hingehen kann. Viele andere Menschen können das nicht – teilweise auch, weil sie es sich gar nicht leisten können. Das ist ein großes Problem in dieser Welt, an dem unbedingt gearbeitet werden sollte!”