“Do you listen to Girl in Red?” scheint in den Sozialen Medien eine legitime Frage zu sein, um rauszufinden, ob ein Mensch queer ist. Die Frage (und die Songs, die wiederum über diese Frage geschrieben werden) zeigt auch die Wirkkraft zwischen Musik und queeren Identitäten auf. Die Münchner Künstler*in SEDA hat zuletzt zu Beginn des Pride Month die Single „Purple River“ veröffentlicht und sieht in queerer Kunst nicht nur eine Form der Identitätsformung sondern durchaus auch eine Form der Demokratieformung:

“Kunst ist extrem wichtig für die Demokratie und Kunst ist vor allem auch ein bedeutsamer Weg, um queere Themen in die Politik zu bringen. In der Kunstwelt wird ja meist alles irgendwie akzeptiert und man bekommt oft mit, dass Menschen nun mal auch ihre ersten Berührungen mit der community über Kunst und ihre Künstler*innen hatten. Besonders auch, wenn man zurückgeht und an Menschen wie Freddie Mercury denkt. Die Kunst setzt oft den ersten Stein bis die Kultur es irgendwann in die Gesellschaft trägt und wenn etwas dann in der Gesellschaft größtenteils akzeptiert ist, dann wird es auch demokratisch verlangt.“ 

Homophobie ist keine Meinung

Auf dem von SEDA beschriebenen Weg zur Akzeptanz wird die Kunst fast zu einem Testfeld. Homophobie wird als Meinung zur Kunst abgetan. Die queeren Künstler*innen werden zur Projektionsfläche von Hass, wie zum Beispiel im Fall von Freddie Mercury der auf der US-„A kind of magic“-Tour mit Rasierklingen beschmissen wurde. Auch SEDA macht sich durchaus Gedanken über die Auswirkungen der eigenen Identität:

“Ich habe bereits viel über meine Queernes geschrieben, aber das Veröffentlichen dieser Songs fiel mir immer wesentlich schwerer, da ich bei diesem Thema einfach häufiger Angst hatte, wie es von der Gesellschaft angenommen wird. Am Ende habe ich aber nun mal keine Wahl und wem ich nicht passe, der ist nicht mein Problem. Außerdem ist für mich Authentizität in meiner Musik sehr wichtig und dementsprechend fließt meine eigene Identität zwangsläufig in meine Kunst ein. Ich denke sowieso, dass die Hörer*innen merken, wenn etwas fake ist und man in dem Fall auch gar nicht diese connection aufbauen kann, die für mich Musik ausmacht.”

Über Fluch und Segen des autobiografischen Schreibens

Anders als von manch einem behauptet ist Queerness bekannterweise kein Trend – autobiografisches Schreiben dagegen ist momentan definitiv der Trend der Kulturszene. SEDA hat dazu gemischte Gefühle:

“Ich finde es eigentlich sehr gut, dass es momentan ja schon fast “verlangt” wird das Kunst autobiografisch dargestellt wird. Aber dennoch finde ich, dass es langsam in eine Richtung geht, wo ein unnötiger Druck ausgeübt wird, dass es der einzige Weg der Kunst wäre, und das finde ich nicht. Musik ist am Ende des Tages etwas Persönliches und das ist es bestimmt auch für die Künstler*innen, die nicht autobiografisch schreiben. Aber ich freue mich natürlich auch, dass ich und meine Identität dadurch mehr Platz bekommen.”

Wenn alle Firmen in Regenbogenfarben erleuchten

Einmal im Jahr werden auch die Firmen dieser Welt nicht müde, ihren support mit der community zu beschreien (hier eines der vielen Memes zum Thema). Oft wird dieser Aktionismus im Vergleich mit dem ökologischen greenwashing der Firmen als pinkwashing bezeichnet, bei dem sie sich einfach nur die Regenbogenfarben zu Marketingzwecken drüber ziehen. SEDA über den Umgang mit der Vermarktung des Monats:

“Ich finde es ab dem Punkt cool, wo alles was bei den Firmen reinkommt auch wirklich an die Community geht. Ab dem Moment sag ich dann: “klar ihr macht das für Publicity aber die community profitiert auch wirklich davon.” Generell ist der Monat aber auch einfach extrem wichtig für die Sichtbarkeit der queeren Menschen und der queeren Geschichte – und die geht nun mal über T-Shirts mit Regenbogen hinaus. “

SEDAs Musik schreibt nicht nur den Soundtrack SEDAs Identität, sondern trägt auch selbst zu dieser Sichtbarkeit bei – und das ist in jeder Hinsicht wunderschön und unterstützenswert.


Ihr könnt SEDA hier auf Instagram folgen und hier geht es zu ihrem Spotify Profil.