Vor über einem Jahr spielten System Of A Down ihre vorerst letzte Show. Nun meldet sich mit Serj Tankian der erste der vier Musiker aus der Versenkung zurück und präsentiert sein lange erwartetes Soloalbum ‘Elect The Dead‘.

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Der Mann, der mit seiner markantem Stimme und einmaligen Bühnenpräsenz die Musik und die Show von SOAD maßgeblich geprägt hat, ist sichtbar glücklich, nach einer langen Zeit im eigenen Studio endlich seine eigenes Album vorstellen zu können: “Es fühlt sich verdammt gut an, das kann ich dir sagen! Der Entstehungsprozess von ‘Elect The Dead’ war zwar nicht so stressig, wie ich es befürchtet hatte, aber es war trotzdem immer noch harte Arbeit!”, lacht der Sänger, der in Berlin zum Interview geladen hat. Selbst schuld, möchte man meinen, denn schließlich hat sich Tankian bewusst dafür entschieden, andere kritische Geister aus dem Entstehungsprozess herauszuhalten:“Ich habe zwar darüber nachgedacht, eventuell einen zweiten Produzenten dazu zu holen, weil ich das Album einfach nicht durch eine miese Produktion versauen wollte. Da ich aber ungern nach Zeitplan arbeite und mir meine Unabhängigkeit bewahren will, habe ich dann doch lieber alles alleine gemacht.” Fast alles. Denn am Schlagzeug half neben Brian ‘Brain’ Mantia (Primus) auch System-Drummer John Dolmayan aus.

… Politik ist quasi nur eine Geschmacksrichtung der Platte …

Tankian ist sich bewusst, dass der künstlerische Alleingang auf ‘Elect The Dead‘ spätestens beim nächsten SOAD-Album wieder der Arbeit im Kollektiv wird weichen müssen. Der Sänger sieht das diplomatisch: “Beide Aspekte haben etwas für sich. Nimm nur folgendes Beispiel: Ich mag es, Basketball mit Freunden zu spielen – man kann wetteifern, zusammen spielen und zusammen Erfolg haben. Ich mag es aber auch, alleine und nur für mich entspannt zu spielen. Beides macht die jeweils eigene Art und Weise Spaß.”

Mit dem Namen Serj Tankian ist immer auch ein gewisser politischer Anspruch verbunden. So ist es auch bei ‘Elect The Dead’ – jedoch will der Sänger das Album nicht nur als Politmanifest verstanden wissen: “Natürlich behandele ich auf dem Album auch politische Themen, die meisten Songs sind aber unpolitisch; Politik ist quasi nur eine Geschmacksrichtung der Platte”, erklärt er. “Was viele Menschen aber beim Thema Politik nicht verstehen ist, dass es im Grunde genauso omnipräsent ist wie alles andere auch. Nimm zum Beispiel Recycling – eigentlich ein unpolitisches Thema, das jedoch im globalen Aspekt zu einer hoch-politischen Angelegenheit wird. Deswegen versuche ich meine Kunst immer in der Wechselwirkung vom Persönlichen zum Globalen zu betrachten. Kunst, Spiritualität und Politik – letztlich hängt alles zusammen.”

Martin Schmidt